Josef Ofner - Die Eisenstadt Steyr

43 Der erste Bürgermeister Durch die Kriegsereignisse in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geriet Steyr in eine schwere Wirtschaftskrise. Ungemein groß waren die Ka- pitalverluste der Bürgerschaft durch die 1459 einsetzende Geldentwer- tung. Dazu kamen drückende Steuern („der zehnte Pfennig“, die Schatz- steuer), hohe Kriegslasten und die großen Auslagen für den Bau der Stadt- befestigung. Handel und Gewerbe lagen völlig darnieder, die Wohlhabenheit der Stadtbevölkerung begann zu schwinden. Bei den Hammermeistern häufte sich der geschlagene Zeug, weil ihn die finanziell geschwächten Eisenhänd- ler nicht mehr regelmäßig abholen konnten. Im Jahre 1484 war das einst- mals so reiche Steyr nicht in der Lage, zwei Schiffsladungen Mehl und Ge- treide in das hungernde Wien zu liefern. 150 Messerer wollten in diesem Jahre auswandern, da „sie die großen Auflagen nicht zu erschwingen wuß- ten“. Vier Jahre später kehrten auch tatsächlich viele Angehörige dieses Handwerks der Stadt den Rücken. Als 1495 Kaiser Maximilian I. die Stadt, die ihm 1491 vierhundert Schwerter geliefert hatte, um 700 Gulden ersuchte, klagten die Steyrer, dass sie seit zwölf Jahren vielfältige Aufschläge zu leisten hätten, dass seit dreißig Jahren das Messererhandwerk so schlecht und solche Zeit noch nie gewesen wäre. Diese ungünstige Wirtschaftslage währte mit wenigen Unterbre- chungen bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts. Kaiser Maximilian I. war der Eisenstadt, die bedeutende Summen zur Bekämpfung der Ungarn aufbrachte, sehr gewogen. Er weilte einige Male in Steyr, holte sich von hier seinen Hofhistoriographen Johannes Stabius und schenkte seinem Sekretär Dr. Grünbeck die Spitalmühle, wo dieser sei- nen Lebensabend verbrachte. Grünbeck war aus Burghausen gebürtig und verfasste unter anderem ein Horoskop der Stadt Steyr. „In Ansehung der Bürger zu Steyer getreuer Dienste“ gewährte der Kaiser im Jahre 1499 der Stadt das Recht, einen Bürgermeister zu wählen. Damit erreichte die Organisation der städtischen Verwaltung ihren Höhe- punkt. Der Bürgermeister übernahm nun einen Teil der bisher vom Stadtrich- ter innegehabten Verwaltungsbefugnisse und hatte die Stadt nach außen hin zu vertreten. Am Montag vor dem St.-Thomas-Tag des genannten Jahres

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