Rudolf Hittmair - Der josefinische Klostersturm

234 Gottesdienste und den Pachtschilling von den zur Pfarre Urfahr in partem dotationis überwiesenen Grundstücken in der Gegend von Eferding per 7 Joch 565 Kl. Das Patronatsrecht wurde 1792 der Freifrau von Hamming, geb. Freiin von Schiefer, übertragen; da sie dagegen Einspruch erhob, übernahm es der Religionsfond. Von der Kircheneinrichtung der Kapuziner wurden an das Ordinariat abgegeben 1 sil- berner Kelch samt Patene, 3 Baldachine, 1 Traghimmel ohne Stangen, 5 alte Kanzeltücher. Der Tabernakel wurde nach Senftenbach gegeben; die Urfahraner Kirche erhielt den aus der Schieferischen Spitalkirche, woher überdies Kirchenstühle, Kanzel etc. an sie kamen, auch die Orgel. Zunächst sollte die Orgel von der Dominikanerkirche zu Steyr übersetzt werden; da sie aber nicht passte, wurde sie in die Linzer Karmeliterkirche gebracht (21. März 1788). Das Wertvollste wurde der Urfahraner Kirche zuteil aus der gesperrten Xave- rikapelle beim ehemaligen Jesuitenkollegium: der schöne Hochaltar aus schwarzem Mar- mor; die Inschriften an den Postamenten der Säulen bekunden seine Herkunft. Die Nikolaikirche wurde 15. Juni 1790 um 600 fl. an den Schiffmeister Anton Rose- nauer in Urfahr verkauft. Im Jahr 1793 wurde ein Kirchturm aufgebaut (1833 abgebrannt, die Glocken schmolzen), im selben Jahr die Ausmalung der Pfarrkirche bewilligt, jedoch so einfach als möglich und nur architektonisch und nicht figural und nicht vielfarbig. Eybel äußert sich über das Urfahrer Kirchlein entzückt: „Die Malerei ist ganz architektonisch, und so- wie sogar in den Altarblättern ehevor nur biblische Bilder angebracht worden, so sind auch in der ganzen Kirche nur 4 Bilder, die nach der Angabe des Herrn Bischofs ebenfalls aus der Bibel auf das Wort Gottes, auf die Nächstenliebe, auf die Toleranz und auf den Gehorsam gegen den Landesfürsten in der Architektonik selbst mit der Malerei begrif- fen sind. Überhaupt wird diese Kirche eben deswegen, weil sie allenthalben Einfachheit hat, die schönste in Linz, da außer des Hochaltars nur der einzige Speisaltar ist, der 3. aber zu einem Taufaltar umgestaltet und statt des 4. der Beichtstuhl angebracht ist der- gestalt, dass alle hl. Sakramente im Angesicht des Volkes administriert werden. Diesem wird zur Auferbauung, zur vergnügenden Beruhigung und zum wirksamsten Mittel die vormalige kapuzinerische Kircheneinrichtung aus dem Andenken zu bringen auf das leichteste und wohlfeilste etwas verschafft." Die architektonische Malerei mit den biblischen Bildern erhielt sich, bis die Kirche renoviert (begonnen 1884), mit Fresken (Darstellungen aus dem Leben des hl. Josef) geschmückt, wirklich hervorragend schön wurde. Das Kloster wurde Pfarrhof, auch die Schule darin untergebracht, bis 1853 ein neues Schulhaus erbaut wurde, und zwar im ehemaligen Klostergarten. Dieser war zum Teil dem Pfarrer überlassen worden. Im unteren Teil des Gartens wurde der Friedhof aus- gesteckt; die Auflassung des alten bei der Nikolaikirche und die Eröffnung des neuen wurde durch den Ausbruch einer Ruhrepidemie beschleunigt (1787). Er wurde bereits zweimal durch weitere Abtretung von Gartengrund seitens der Pfarrer erweitert. Bald nach Aufhebung des Klosters hatten verschiedene Parteien gebeten um Par- zellen vom Klostergarten zur Erbauung von Häusern. Verkauft wurden 480 Kl. um 711 fl. 30 kr. (1789). Gegenwärtig stehen auf dem Grund des alten Kapuzinergartens die Häuser Kirchen- gasse Nr. 2 mit Garten und einem in diesen gebauten Nebenhaus, gehörig der Anna,

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