OÖ. Heimatblätter 2011 Heft 1/2

66 für die Fassade des Hauses, darunter die beiden großen Eckquader, „Kunst“ und „Arbeit“ darstellend, die Gedenktafel, Vasen mit Schildkröten, Salamandern, Fröschen etc., gestaltete einen Wandbrunnen inmitten der Parkeinfassung und formte die beiden Keramikfiguren in der Diele. Der eine der beiden keramischen Putti, die in mancher Hinsicht an verwandte Arbeiten Michael Powolnys erinnern, steht nun im Garten des ehemaligen Wohnhauses von Hans Gerstmayr. Die übrigen Teile wurden bei Umbauten und Erneuerungen nach der Übernahme des Gebäudes durch die Höhere Technische Lehranstalt des Bundes (1959) entfernt und finden sich, zu einem Kachelofen zusammengesetzt, ebenfalls in einem Privathaus.14 Über die umfangreichen Arbeiten im Zusammenhang mit der Errichtung des Meister-Ateliers hinaus schuf Gerstmayr in den Jahren 1908 bis 1910 weitere Sandsteinplastiken. Genannt seien die hohe, monumentale Stele für das Grabmal der Familie Herzig mit einem die Auferstehung symbolisierenden Halbrelief, das eine zu Gottvater entschwebende Seele darstellt, sowie zwei Engelsfiguren an der Grabstätte der FaMichael Blümelhuber, kurz vor der Umsetzung seines lange vorbereiteten Planes zur Errichtung eines Meister-Ateliers stehend, erblickte in Hans Gerstmayr einen idealen Mitarbeiter, Kompagnon und Freund und versuchte ihn deshalb zum Eintritt in die eigene Werkstätte in Steyrdorf zu bewegen. Aus Loyalität sowie auch imHinblick auf die Nähe Steyrs zu seinem Heimatort Rubring willigte Gerstmayr ein und trat 1907 (nach der Umschreibung des Staatsstipendiums) seine neue Arbeitsstelle bei Blümelhuber – noch in dessen ‚malerischer‘ Messerwerkstätte in der Sierninger Straße Nr. 14 – an. Vorweg: Hans Gerstmayr war niemals Schüler Blümelhubers in dem Sinne, dass er von dem älteren Kollegen technisch noch dazulernen hätte können. Gerstmayr beherrschte vielmehr aufgrund seiner Ausbildung in Wien manche Fertigkeit, wie die beim Schneiden von Prägestöcken für Medaillen eingesetzte Technik des Negativschnittes, in welcher Michael Blümelhuber nicht ausgebildet worden war und die dieser auch nie praktizierte. Als eines der ersten Werke während seiner Zeit bei Blümelhuber in Steyrdorf schuf Gerstmayr das in einem Stück á jour geschnittene Jagdmesser für Maximilian Walzel Ritter von Wiesentreu. Der Griff zeigt die Jagdgöttin Diana mit dem Bogen, einen Edelhirsch mit Blumen sowie das Wappen des Auftraggebers und verrät von der Formensprache her bereits Anklänge an den Sezessionismus.13 Die Errichtung des Steyrer MeisterAteliers von 1908 bis 1910 bedeutete für Hans Gerstmayr eine enorme künstlerische Herausforderung. Er meißelte die großen Sandsteinplastiken und -reliefs 13 A. S. (1937), S. 19 (mit Abb.); Lugmayer (1959), S. 43 mit Abb. 52–54 und Watzinger (1982a), S. 88 f. (mit Abb.). Historische Fotoaufnahme im Museum der Stadt Steyr, Inv.-Nr. XV 6.137/107. 14 Die Teile des Keramikofens wurden zwar nicht, wie Watzinger (1982a), S. 73 beschreibt, zerstört, fielen aber offenbar beinahe der Spitzhacke zum Opfer und konnten von einem 1907 geborenen ehemaligen Schüler und langjährigen Bekannten von Hans Gerstmayr, Franz Thurnhofer, in letzter Minute gerettet werden, der aus den verbleibenden Teilen wiederum einen Ofen aufbaute.

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