OÖ. Heimatblätter 2011 Heft 1/2

108 hintan und fand bald eine Anstellung im Lohnverrechnungsbüro der LokomotivFabrik Krauss und Co., wo er die nächsten vier Jahre arbeitete.49 Die Firma war 1866 in München gegründet worden und betrieb seit 1880 eine Filialfabrik in Linz.50 Nach dem Ersten Weltkrieg war sie von der Österreichischen EisenbahnVerkehrs-Anstalt übernommen worden. die in diesem Monat Russlandheimkehrer nach Linz brachten.41 Er beförderte insgesamt 322 Heimkehrer, 24 Frauen und sechzehn Kinder; von den 141 Österreichern waren zehn aus Oberösterreich.42 In der Tages-Post stand am 27. Juli zu lesen: „Gefreiter Hans Franta, I(nfanterie) R(egiment) 14, Student, Linz; dieser brachte eine Russin als Frau heim.“43 Es war durchaus nicht ungewöhnlich, dass Spätheimkehrer verheiratet aus der Kriegsgefangenschaft zurückkamen. Ein anderer Transport repatriierte beispielsweise drei Oberösterreicher, die alle ihre russischen Frauen mitbrachten.44 Wenn wir den Erzählungen Frantas glauben, dass er während seiner Kriegsgefangenschaft nicht mit der Mutter korrespondierte, ist davon auszugehen, dass diese nichts von der Heirat ihres Sohnes wusste und bei dessen Ankunft mit einer Schwiegertochter überrascht wurde. Vom „Zerstreuungskommando Linz“ bekam Franta seinen Entlassungsschein sowie 51 Kronen ausgehändigt.45 Die Heimkehrer wurden zunächst entlaust und gebadet, danach fand ein Empfang statt, der üblicherweise aus Musik, einer Ansprache durch einen gewissen Hofrat Dr. Kölbl und Bewirtung bestand.46 Zunächst kam das Ehepaar bei der Mutter in der Schweizerhausgasse 12 unter, wo Franta bereits in seiner Gymnasialzeit gewohnt hatte.47 Der Platz, den sich die drei teilen mussten, war eng, und Antonia Franta hatte nur eine geringe Pension von 113 Schilling. Dementsprechend karg war die erste Zeit, in der Lebensmittel nur rationiert zu haben waren.48 Aber Franta, der auch in Russland stets Möglichkeiten gefunden hatte, seine Familie zu ernähren, stellte seine künstlerische Berufung kurzerhand 41 Möglicherweise musste dieser betreffende Transport wegen Seuchenverdachts einige Zeit in Stettin in Quarantäne bleiben, bevor er weiterreisen konnte. Tages-Post Nr. 161, 18. 7. 1921, S. 4 42 Franz Wick, Gottlieb Fröch, Alois Dopf, Franz Breinesberger, Josef Aigner, Kajetan Minichshofer, Franz Schlagintweit, Adolf Faulhumer, Florian Wögerbauer undHans Franta. Tages-Post Nr. 169, 27. 7. 1921, S. 4 43 Ibid. 44 Tages-Post Nr. 153, 8. 7. 1921, S. 3. Insgesamt sollen ca. 400 russische Frauen ihren Gatten nach Oberösterreichgefolgt sein. TagblattNr. 169, 27. 7. 1921, S. 4 45 ÖStA, Kriegsarchiv, Heimkehrer-Präsentierungsblatt 1850–1895, A-H; ÖStA, Kriegsarchiv, GBBL OÖ 1893, F-Ga, 4145, Unterabteilungsgrundbuchblatt 46 Siehe Tages-Post Nr. 155, 11. 7. 1921, S. 4; TagesPost Nr. 160, 16. 7. 1921, S. 5; Tages-Post Nr. 161, 18. 7. 1921, S. 4 47 Fritz Feichtinger, „Maler Hans Franta“, S. 9; Staatsgymnasium Spittelwiese, Jahreszeugnis 1913 48 ÖStA, Abtlg. AVA FHKA, Bestand U-Abtlg., Faszikel 1788 (1933: Linz, BG, Hans Franta, Inverwendungnahme). Zur Eier-, Butter- und Speiseölausgabe in Linz siehe Tagblatt Nr. 164, 21. 7. 1921, S. 4; Tagblatt Nr. 165, 22. 7. 1921, S. 4 49 Klemens Brosch bezeichnet ihn als ‚Rechnungsbeamten‘. Archiv des OÖLM, MS 1/1963, Brief an Hans Franta; ÖStA, Abtlg. AVA FHKA, Bestand U-Abtlg., Faszikel 1788 (1933: Linz, BG, Hans Franta, Inverwendungnahme) 50 Die Firma siedelte sich in dem von der Kremstaler Eisenbahnschleife gebildeten Gebiet an und beschäftigte sich vor allem mit dem Waggonleihgeschäft, dem Bau und Betrieb von Eisenbahnen und der Errichtung elektrischer Anlagen. Helmut Lackner, Gerhard A. Stadler, „Fabriken in der Stadt“, S. 198–201

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