OÖ. Heimatblätter 1955, 9. Jahrgang, Heft 2/3

Oberösterreiclüsche Heimatblätter tänze aus dem Grenzgebiet des nördlichen Mühlviertels, die durch Umsiedler nach Rottenmann und Groß Pertholz übertragen wurden, durch I. Peter, den Nachweis einer „unbekannten Reiftanzaufführung im alten Wien" (1729) durcl1 G. Gugitz, sowie die schöne, z. T. auf dem grundlegenden Werk „Das Bergmannslied" von G. Heilfurth, Basel 1954, fußende Einführung in „Art und W·esen des Bergmannsliedes" von F. Kirnbauer. Den umfangreichsten Beitrag steuert K. Spieß in seiner umfassenden Darstellung des Jedermann-Stoffes bei, in der er den „überliefrungsmäßigen Grundlagen .des Spieles vom Kampf um die Seele des sterbenden" nachgeht. In instruktiver Weise werden die überlieferten Texte in zwei Gruppen geteilt: in die hochliterarische Gattung des allgemein durch den berühmten Salzburger „Jedermann" bekannten Typus, in dem der auf der Bühne dahinsiechende Held allmählich von allen Freunden und schließlich auch von den eigenen Kräften verlassen wird, und in den der volkstümlichen Spiele, wie sie z. T. heute noch in den innerösterreichischen Bundesländern aufgeführt werden, bei denen das Hauptgewicht auf die Darstellung des Streites zwischen den Vertretern des Himmels und der Hölle um die Seele des Menschen und schließlich auf die Heilsgewinnung gelegt wird. Es gelingt dem Verfasser überzeugend nachzuweisen, wie mit dem Streit der Mächte des Guten und des Bösen altarische Glaubensmomente in verchristlichter Form bewahrt werden, wodurch sein Beitrag zu einer beachtlichen Stützung der vielfach diskutierten Theorie vom Weiterwirken vor- und außerchristlicher Motive in den deutschen Volksschauspielen wird. Das Jubiläum des österreichischen Volksliedwerkes gibt freilich zu dem Wunsche Anlaß, daß die seinerzeitige groß angelegte Planung einer Enzyklopädie des österreichischen Volksliedes, geordnet nach den Völkern der ehemaligen Donaumonarchie, ihrer Realisierung wenigstens in der Form näher käme, daß jährlich eine Monographie des Volksliedes in einem der österreichischen Bundesländer unter Zuhilfenahme der Mittel, die das Unterrichtsministerium der Herrausgabe des Jahrbuches zur Verfügung stellt, erschiene. .., Ernst B u r g s t a 11 e r Blätter für Technfügeschichte. Herausgegeben vom T,eclmischen Museum Wien. (Kommissionsverlag Springer, Wien). Diese gegenwärtig vom Direktor des Wiener Technischen Museums Dr. Josef Nagler geleitete Zeitschrift darf zu den erfreulichsten Erscheinungen des österreichischen wissenschaftlichen Zeitschriftenwesens gerechnet werden. Mit ihr verfügt die technikgeschichtliche Forschung in österreich über ein Publikationsorgan, das auf die Vielseitigkeit dieses in der Vergangenheit leider oft zu wenig gewürdigten Zweiges österretchischer Leistung Bedacht nimmt, darüber hinaus aber auch Beiträgen über Themen Raum gewährt, die über den Rahmen österreichs hinausgreifen. Die beiden letzten Hefte 15 (1953) und 16 (1954) geben wieder schönes Zeugnis von der weitgesteckten Zielsetzung der Zeitschrift. Heft 15 (112 S., 30 Abb.) ist Im Hinblick auf das sechzigjährige Bestehen des Hydrographischen Dienstes in österreich vorwiegend Beiträgen über die Geschichte der Hydrographie und des Wasserbaues in Österreich gewidmet. E. Salcher berichtet über die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in österreich, R. Ehrenberger befaßt sich mit der Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens, Otto Lanser geht auf die Geschichte des hydrometrischen Meßwesens ein und berichtet in einem. zweiten Beitrag über die Entwicklung der Geschiebetheorie und der Geschiebebeobachtung. E . Merlicek steuert einen Aufsatz über die Geschichte (jer Technik als Lehrmeisterin bei, der sich mit dem Gebiet des Neusiedlersees befaßt. Eine firmengeschichtliche Schilderung der Entstehung und des Werdeganges der Kaplanturbine bei der Firma Storck ergänzt die 1936 in der hier besprochenen Zeitischrift erschienene Kaplanbiographie. In Heft 16 (121 S. 60 Abb.) bringt V. Schützenhofer einen Gedächtnisartikel „100 Jahre Semmeringbahn". F. Wallack, der Erbauer der Großglockner-Hochalpenstraße gibt einen überblick über die Geschichte dieser Alpenstraße und einleitend über die Entwicklung des Alpenstraßenbaues überhaupt. H. v. Bertelc beschäftigt sich mit der Geschichte der Uhren in der Zeit vor der Einführung des Pendels und der Unruhe durch Huygens, H . Quiring geht der ältesten Geschichte des Bernsteines nach, F. Kirnbauer bringt einen Gedächtnisaufsatz zum 450. Geburtstag von Johann Mathesius. Aufschlußreich für die Geschichte des österreichischen Eisenwesens ist der Beitrag von K. Dinklage über „Alte Eisenindustrie im Lavanttal". Die technikgeschichtliche Bücherschau (F. Sykora, K. Klaudy, H. Kominek) vermittelt einen überblick über die Neuerscheinungen in den Jahren 1950- 1953. Jedem Heft sind die von Th. Stampf! bearbeiteten Gedenktage der österreichischen Technikgeschichte beigegeben. Hervorzuheben ist, daß die Hefte ein reiches, z. T. seltenes Bildmaterial enthalten. F. Pfeffer 212

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