OÖ. Heimatblätter 1949, 3. Jahrgang, Heft 4

Kriechbaum: Die Wallner das einst wirklich in der „Einöde“ lag, das ältere Pfarrdorf, Maria Schmolln da¬ gegen, näher dem Waldrande gelegen, die jüngere Pfarrdorf-, aber vor allem Wallfahrtssiedlung. Den Aufbau der bäuerlichen Wallnerlandschaft, die uns in Nordlagen viel breiter als im Süden entgegentritt, gliedern wir —zwar wieder etwas schematisch — vielleicht folgendermaßen am besten: 1. Täler, die auch in ihren innersten Teilen vielfach versumpft und weit¬ gehend mit feuchten Wiesen besetzt sind, gruben sich noch in die miozänen Mergel und Sande ein. Diese Täler werden in ihren äußeren (unteren) Anteilen meist von Straßen benützt und sind mit Vierseithöfen besetzt. Weiter waldeinwärts verschwin¬ den aber diese Höfe bald. An geeigneten Plätzen stehen meist nur mehr Sölden der Klein- und Häusel der Kleinstbauern, bald an einer schmalen Talleiste, dann wieder auf einem Sporn zwischen Haupt- und Seitenbach. 2. Die Hänge dieser Waldtäler sind tiefer hinein in den Kobernauserwald beiderseits bewaldet. Die innersten Talgründe zeigen deutlich den Gegensatz zwischen den meist von Erlen beschatteten wandernden Bächlein und den mit dichtem gemischtem Walde bestandenen Hängen. Wandert man durch einen solchen einsamen Talgrund bis zu den letzten kleinen Anwesen, dann beschleicht einen das Gefühl, mitten in einem geschlossenen Waldgebiete zu stehen. Steigt man aber in den seitlichen steilen Waldlehnen, die oft schon Schotteraufschlüsse zeigen, zur Höhe hinan, dann steht man immer wieder überrascht auf einer weiten ebenen Fläche, in deren Bereiche Tonhorizonte sichtbar werden, die weithin gerodet, besiedelt, vielfach sogar noch mit Vierseithöfen besetzt sind. Sogar kleine Weiler trifft man hier an. 3. Diese Ebenen, die meist Tonlagen folgen, sind das Hauptsiedlungsgebiet der Wallnerbauern. Die Böden sind hier fruchtbarer als in den Schottergebieten das Auftreten von Quellen macht die Wasserversorgung leichter; das fast ebene Land begünstigt den Ackerbau. So liegen hier die Verhältnisse für die Erweiterung ländlicher Bauten zu Vierseithöfen keinesfalls ungünstig. 4. Auf den leicht gewellten höheren Schotterflächen und auf den Schotterrücken werden die Lebensverhältnisse schwieriger. Der Wald mußte hier noch mühsamer gerodet werden. Wir finden da Streusiedlungen, deren Orts¬ namen vielfach auf -eck enden. In Drei- oder Vieleck-Winkeln sind ihre Flur¬ formen aus dem Waldlande herausgeschnitten. Vor allem die beiden Gemeinden St. Johann und Schmolln haben eine Fülle derartiger Eck-Orte. Wegen der Schotterlagen sind hier nicht nur die Ackerböden viel dürftiger, auch die Wasser¬ versorgung wird, zumal in trockenen Sommern, bedeutend schwieriger. Wir ver¬ meinen oft beinahe in einem Karstlande zu stehen. Mühsam wird das Regenwasser, das von den Holzdächern abfließt, in Rinnen gesammelt und umständlich mittelst langer eingekerbter Hölzer bis auf den Boden weitergeführt und dann in einiger Entfernung vom Hause in tiefen, mit Holzprügeln gedeckten Gruben gesammelt. In Trockenzeiten muß das Trinkwasser für die Menschen oft aus weiter Ferne getragen oder mit Wagen zugeführt werden; das Zisternenwasser wird nur als Viehtränke 313

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2