OÖ. Heimatblätter 1949, 3. Jahrgang, Heft 2

Oberösterreichische Heimatblätter konto liegen und nur in Ausnahmsfällen griff er darauf zurück, da er die Kosten seines Lebensunterhaltes aus den Honoraren bestritt, die er während seiner an¬ strengenden mehrmonatlichen jährlichen Konzertreisen als Interpret seiner Werke am Dirigentenpult und am Klavier erhielt. Läßt sich Bruckners materielle Lage auch in keiner Weise mit der seines großen künstlerischen Gegners vergleichen, so vermag dennoch der Nachlaßakt Bruckners, dessen Inhalt großenteils hier zum ersten Male mitgeteilt wird *), darzutun, daß auch in wirtschaftlicher Hinsicht sein Leben durchaus nicht ganz ohne Erfolg blieb. Am 11. Oktober nachmittags war Bruckner entschlafen 2). Nach dem Befund Dr. Hellers hatte eine Aorten-Insuffizienz den Tod herbeigeführt. Schon zwei Tage später, am 13. Oktober, wurden die letztwilligen Verfügungen des Meisters, das Testament vom 10. 11. 1893 (G.-A. IV/3, 359 ff) und das Codizill vom 25. 9. 1894 (G.-A. IV/3, 427 ff) vorschriftsmäßig kundgemacht, am 16. Oktober fand die kommissionelle Nachlaßaufnahme statt. Da das Belvedere als Hof¬ gebäude nicht dem ordentlichen Gericht unterstand, waren behördlicherseits der Offizial des Oberhofmarschallamtes Viktor Czerny und als Zeugen der Schlo߬ inspektor Eduard Henrich sowie der Hofbauadjunkt Rudolf Rehák erschienen, endlich der von Bruckner zum Testamentsexekutor bestimmte Advokat Dr. Theodor Reisch, der auch als Erbenvertreter fungierte. Da keine minderjährigen Erben vorhanden waren, begnügte sich das zu¬ ständige Abhandlungsgericht mit dem eidesstättischen Vermögensbekenntnis, das von Dr. Reisch erbracht wurde und fast zur Gänze mit der Nachlaßaufnahme übereinstimmt. Die Hinterlassenschaft Bruckners umfaßte demnach folgende Objekte: Wertpapiere: 10 Stück Notenrenten zu je 1000.— fl 2 Stück Prioritäten der Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn zu je 300 fl 8 Einlagebücher der Ersten österreichischen Spar-Casse mit einem Saldo von 5576.55 fl, im Vermögensbekenntnis unter Berücksichtigung der Kurswerte und der aufgelaufenen16.961.95 1l fälligen Kupons und Zinsen zusammen bewertet mit. *) Die Einsicht in den Verlassenschaftsakt Bruckner (D-2249/1896 des Bezirksgerichtes Land¬ straße in Wien) verdanke ich dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Direktors des Archivs der Stadt Wien Dr. Rudolf Geyer. Ihm sei auch hier verbindlichst gedankt. 2) Genaues über Bruckners Tod bringt die Göllerich-Auersche Brucknerbiographie (G. Bosse, Regensburg 1922— 1937), im folgenden als G.-A. zitiert, im IV. Band, 3. Teil S. 574 ff. Die Angabe Hugo Wolfs in seinem Brief an Hugo Faißt vom 25. Oktober 1896, Bruckner sei „während des Frühstücks“ gestorben, erscheint daher irrig. Vgl. die genaue Angabe in der Verwaltungsaufzeichnungen des Belvederes G.-A. IV/3, 606. 120

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