OÖ. Heimatblätter 1947, 1. Jahrgang, Heft 4

Oberösterreichische Heimatblätter an selbständige Reisen in die Schweiz und nach Süddeutschland unternahm. In die gleiche Linie führt auch die weitere Tatsache, daß er schon am Gymnasium neben den Altsprachen drei moderne Sprachen, Englisch, Französisch und Italienisch lernte. Nach der im Jahre 1892 mit Auszeichnung bestandenen Matura besuchte Reh die Landesuniversität Innsbruck, um Medizin zu studieren. Während dieser Studienzeit, 1892 bis 1898, findet die von Jugend auf gepflegte Wanderlust nicht nur ihre Fortsetzung, sondern sie umspannt immer weitere Kreise: Oberitalien 1893, die östlichen Alpenländer Österreichs 1894, Westdeutschland 1895, Ungarn 1896, Frankreich 1897. Nach Abschluß der medizinischen Studien unternimmt er als junger Doktor die erste große Italien reise, die ihn 1898 bis Sizilien führte — die erste der drei großen Reisen Rehs nach Italien, seinem heißgeliebten Lande der klassischen Kunst. Wieder offenbart sich echte Schwabenart, wem wir Reh von der Technik seiner Reisen erzählen hören. Da war alles bis ins kleinste vor¬ bereitet — nicht etwa nur Zeit und Kostenvoranschlag — sondern alles, was es zu sehen gab, wurde in den Kreis reger Vorstudien einbezogen: Kunst, Landschaft und Volkstum, Stadtpläne und Museen. Jedes Bummeln war Reh fremd. Für ihn war und blieb Reisen das beste Mittel zur Erweiterung des eigenen Gesichtskreises, zur erlebnisreichen Fortbildung. Die Hochschuljahre sehen aber Reh, der beim Antritt zu seinen Fachrigorosen immer unter den ersten stand, keinesfalls nur als Mediziner. Er widmete sich mit größtem Eifer kunstgeschicht lichen Studien. Er wurde Schüler des bedeutenden Innsbrucker Kunsthistorikers Prof. Semper. Es handelte sich auch hier wieder keinesfalls um ein gelegentliches Naschen oder um ein Bummeln. Das ernste und tiefgründige Studium wurde bis zur Erlangung des Absolutoriums an der philo¬ sophischen Fakultät fortgesetzt. Nur eine sich überraschend bietende Gelegenheit, einen recht gut erscheinenden ärztlichen Posten in Oberösterreich zu bekommen, hinderte Reh, seine philosophische Doktorarbeit zu beenden und so einen zweiten Doktorhut zu erwerben. Die Hochschuljahre hat aber der Mediziner und Kunsthistoriker Reh auch noch anderweitig gründlich ausgenützt. Sein Wissensdurst hatte ihn an die Universitäten München und Wien gebracht, wo er bedeutende Größen der medizinischen und kunsthistorischen Wissenschaft hörte. In Innsbruck selbst bevorzugte er immer wieder den Verkehr mit Philosophen und Literaten. Im Kreise des überaus begabten Tiroler Dichters Anton Renk kam Reh zum Tiroler Heimatverein dessen Stützen die späteren Professoren Schatz, Tafatscher und L. von Hörmann waren. Da wurden Dichterabende für Adolf Pichler und Hermann Gilm gefeiert, weiterhin gemeinsame Sonntagsausflüge unternommen. Jeder der begabten jungen Männer erzählte von seinen Zielen und Bestrebungen. Reh fand besonderen Gefallen an Anton Renk, der ein sehr geistreicher und witziger Gesellschafter war. Enge Bande knüpften ihn auch an Kunibert Zimmeter, gleichfalls Semperschüler, und später Jahre hindurch Leiter des Tiroler Heimatschutzvereines. Im Jahre 1898 nahm Reh auch noch an der Gründung der Künstler- und Schriftstellervereinigung „Pan“ teil. Aber nicht nur für seine spätere Tätigkeit als Heimatforscher auf kunstgeschichtlichem uni literarischem Gebiete legte Reh sorgfältig Baustein auf Baustein, er betätigte sich bereits früh¬ zeitig mit literarischen Veröffentlichungen. So beschrieb er Kunstausflüge, schilderte Besuche bei namhaften Künstlern wie Stuck und Defregger (1896), verfaßte Berichte über Kunstausstellungen und repräsentative Innsbrucker Bälle. Er schrieb weiterhin über Anton Renk und seinen Kreis. Fast all diese Arbeiten brachten die „Innsbrucker Nachrichten“. Ein Zufall führte Dr. Reh im Jahre 1899 nach Neukirchen bei Braunau am Inn. Er war gerade eingehend mit seiner philosophischen Doktorarbeit beschäftigt, als ihn der ehemalige Neukirchner Arzt Dr. Mayer, der in Innsbruck lebte, befragte, ob er nicht als Gemeindearzt nach Neukirchen gehen möchte. Der Posten sei zwar in der Zwischenzeit etwas verludert worden, aber gut. Reh hatte vorerst die Absicht, nur kurze Zeit in Neukirchen zu bleiben, um einige Ersparnisse zu machen und dann sein philosophisches Doktorat zu vollenden, aber das Schicksal wollte es anders. In Reh brachen nun auch seine organisatorischen und ökonomischen Fähigkeiten durch. Es machte ihm Freude, einen guten alten Arzteposten mit jugendlicher Kraft nicht nur wieder aufgebaut, sondern ausgezeichnet neu gestaltet zu haben. Seine gesellschaftliche Fähigkeit 352

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2