OÖ. Heimatblätter 1947, 1. Jahrgang, Heft 4

Bausteine zur Heimatkunde Die Schloßkapelle Mühlheim am Inn Das Standesgefühl des Adels strebte auch in religiöser Beziehung nach eigenen gottesdienstlichen Stätten. Daher begegnen uns auf Burgen und Schlössern die Burg- und Schloßkapellen. Auch der Edelsitz Mühlheim am Inn hatte und hat heute noch seine Schloßkapelle. Er erscheint erstmals im Jahre 1120 im Besitze des Mazilinus von Mulheim. Im 12. und 13. Jahrhundert sind Mühl¬ heimer (Mulheimer) als Inhaber des freien Sitzes Mühlheim bezeugt. Vom Jahre 1417 bis 1605 waren die Tuemayr (Thuemer, Taimer), ein ursprünglich bischöflich passauisches Ministerialengeschlecht, im Besitze der Herrschaft Mühlheim. Der bedeutendste aus ihnen war Christof Taimer, Besitzer der Herrschaften Mühl¬ heim und Hagenau. Er starb im Jahre 1563, sein schöner Leichenstein befindet sich in der Kirche Mühlheim. 1605 ging der Besitz an die Haunsberg, 1624 an die Rehling, 1693 an die gräfliche Familie Sanfrè, von diesen an die de Trotti und schließlich 1804 an die freiherrliche Familie von Peckenzell über. Im Jahre 1919 kaufte den Besitz die Fabrikantenfamilie Fischer-Pochtler aus Wien 1). Die Schloßkapelle war eine Hauskapelle 2). Ihr Raum hängt daher natur¬ gemäß mit dem Schlosse und seinen baulichen Veränderungen zusammen. Wir haben diesbezüglich zwischen einer mittelalterlichen Burg, von der wir keine Vor¬ stellung haben, dem 1636 von Friedrich von Rehling erbauten Barockschloß 3) und dem neuen Schlosse des Julius von Peckenzell (1899) zu unterscheiden. Das Barockschloß war ziemlich weitläufig und eindrucksvoll. Das quadratische Haupt¬ gebäude stand auf der heutigen Finster'schen Wiese. Das Bild des Schlosses hat uns Wening (um 1700) aufbewahrt. Das neue Schloß hat mehr den Charakter eines Herrenhauses und wurde im Neurenaissancestil von Baumeister A. Danna¬ Braunau gebaut. 0 Die Schloßkapelle Mühlheim wird zum ersten Male im Jahre 1410 er¬ wähnt *). Sie wird der mittelalterlichen Burg eingebaut gewesen sein. Der Bau des Barockschlosses brachte auch die Neuerrichtung der Schloßkapelle mit sich. Es geschah dies im Jahre 1645, beziehungsweise einige Jahre zuvor. Im Pfarr¬ archive Mühlheim befindet sich noch die kleine Bulle des Bischofes Leopold Wilhelm von Passau mit anhangendem Siegel, in der die Meßlizenz in der neuerrichteten Kapelle gewährt wird. Die Bulle ist datiert vom 4. April 1645 und hat folgen¬ den Wortlaut: *) F. Berger, Der Bezirk Ried (Ried i. Innkr. 1938) S. 100 — 103. 2) Berger, a. a. O. S. 102 ist allerdings der Ansicht, daß die Pfarrkirche ursprünglich Schloßkapelle war. Ich kann mich dieser Ansicht nicht anschließen, denn erstens sind Schloß und Pfarrkirche zu weit von einander entfernt (10 Minuten) und zweitens bestand nie ein Patronat der Herrschaft Mühlheim über die Pfarrkirche. Vgl. meine Arbeit „Die Kirche Mühlheim a. J." (Braunau 1937) S. 19, A. 4. 3) Braunauer Heimatkunde, 16. Heft (1921) S. 22—25. *) F. Oberchristl, Glockenkunde der Diözese Linz (Linz 1941) S. 351. 328

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