OÖ. Heimatblätter 1947, 1. Jahrgang, Heft 4

Oberösterreichische Heimatblätter von Alharting, Pfleger in Pürnstein den Beschluß. Nun verstummen die Per¬ gamente. Die Familie ist ausgestorben. Eine Welle unter vielen war verebbt. Ihr Burglein dürfte die Alhartinger kaum lange überlebt haben, denn mit dem Verkauf von adeliger in bürgerliche Hand und gar erst, als Aichberg in kirch¬ liches Obereigentum überging, verlor es seinen Sinn. Im übrigen war die Fehde im Verlaufe des 16. Jahrhunderts tatsächlich ausgeschaltet worden21). Damit setzt wohl ganz allgemein der Verfall zunächst der Kleinburgen ein, während die Großburgen als Verwaltungsmittelpunkte und Sitz der Pfleger und Landgerichtsverwalter viel¬ fach noch lange erhalten blieben und manche noch bis in unsere Tage bewohnt sind. Die Tungassinger konnten als Bürger Aichberg erwerben, ohne die Eben¬ bürtigkeit des Gutes zu verletzen, aber sowohl für sie, die als gute Kaufleute sie zählten zu jener Bürgerschaft, die im 13. Jahrhundert den großen Schritt zur Erbauung des Linzer Hauptplatzes gewagt hatte — das Ansiedel seiner Frei¬ eigenheit wegen als gute Geldanlage erworben haben mochten, wie für Wilhering wäre der Wehrbau nur eine Last gewesen. Wie gleichgültig die Burgstelle ge¬ worden war, seitdem man Aichberg durch den Übergang in kirchlichen Besitz des landrechtlichen Wertes als dinglicher Genosse eines waffenfähigen Standes ent¬ kleidet hatte, geht daraus hervor, daß sie bei Zerlegung der Altflur dem Mairhof, also dem einstigen Ansiedel, entfremdet und dem Bauerngut überländweis zuge¬ sprochen werden konnte. In der Folgezeit war nämlich das Altgut Aichberg durch Nachrodungen be¬ deutend vergrößert worden und konnte daher und weil es ja nicht mehr unteil¬ bares Ansiedel war, vermutlich im 17. Jahrhundert, in zwei Güter zerlegt werden, wobei jenes oben berührte Fächer-Gemenge der Grundstückkeile entstand. 1786 verfügt das Mairgut über 43, das Bauerngut über 52 Joch. Schon vor der großen Teilung aber dürfte ein Kleinbetrieb aus der Altflur gebrochen worden sein, denn anschließend an den Mair zu Aichberg erscheint im Holdenverzeichnis des Wilheringer Pantadingbuchs von vor 1523 und im Urbar von 1542 ein Vogleyter oder Vogl Lewter — dient 4 ßd — welche Eintragung in den folgenden Urbaren zugleich mit dem Mairgut wegfällt. Wenn nicht eine Vogeltenne gemeint ist, handelt es sich vermutlich um den Kleinbetrieb Nr. 1, Ziegler, dessen Gründe innerhalb der Altscheibe mit den Grundstücken der beiden Großgüter im Gemenge liegen. Sein Name erinnert an den Nebenerwerb des Ziegelbrennens, der bei den Bauern der Gegend bis herauf in unsere Zeit heimisch war. Das Zieglerhaus dürfte auch mit der Sölde gemeint sein, die das oben an¬ geführte Verzeichnis von 1833 zusammen mit Hof und Burgstall nennt. Als nächste Veränderung ist die Gründung des Naidmayrgutes — der Name erzählt von Rodung — zu werten. Sein Land ist ein herzynisch liegender Keil, wie er bei der großen Flurzerlegung entstanden war. Das Gut trat demnach nicht vor dem Bauerngut ins Leben. Seine Zurodung gegen Süden hat das Wald¬ band, das Alharting und Aichberg schied, zerrissen. 21) O. Brunner, a. a. O., G. 34. 298

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