Häuserverzeichnis Steyr 1848

43 abgeschlossen wurde. Nach dem Frieden von Lüneville zogen die Feinde am 19. März 1801 wieder ab. — Bei dem französischen Kriege 1805 drängte am 3. und 4. November Marschall Davoust daS retirirende österreichische Armeekorps unter General ». Meerfeld durch Steyr, wobei Gewehr- und Kanoncnfcuer gegenseitig stattfand. Am folgenden Tage rückten hier nach­ einander die Marschälle Murat, Wrede, Bernadotte und Marmont mit Franzosen, Bayern und Holländern ein. Nach dem Preßburgor Frieden erfolgte am 1. März 1806 der Abmarsch. — Bei der dritten französischen Invasion 1809 ging am 3. Mai die österreichische Arriöregarde unter den Generälen Nordmann und Meerfeld durch unsere Stadt, welche am folgenden Tage durch daö französische Korpö Lannes, am 10. auch von Wurttem bergern besetzt, und erst am 3. Januar 1810 nach dem Wiener Frieden wieder geräumt wurde. Ungeheuer waren die Kosten der Einquartierung und Lieferungen aller Art, und unerschwinglich die Contributionen, welche diese Invasionen verursacht hatten; sie verbitterten noch viele Jahre hindurch tue Früchte de§ Friedens. Die Stadtkommune mußte ihrer vielen Schulden wegen sogar die als Kaufschilling für ihren Gewerkschaftsantheil erhaltenen Staatsobligationen um einen Spottpreis verschleudern. Die Jahre 1816 und 1817 sind noch im traurigen Andenken durch die, theils durch Mißernten, theils durch Wucher erzeugte Theurnng und HungerSnoth, verbunden mit allgemeiner ArbeitS- und Handelsstockung. Am Wochenmarkte den 1. Mai 1817, wo noch tiefer Schnee alle Fluren bedeckte, standen die Getreidepreise am höchsten, nämlich der Metzen Weizen im Durchschnitte 44 fl., das Korn 35 fl., die Gerste 25 fl. 12 kr. und der Hafer 7 fl. 36 kr. W. SB. Einl. Sch. Doch in Folge plötzlicher Aenderung der Witterung und günstiger Ernte - Aussicht fielen selbe noch int Laufe des Sommers um die Hälfte herab, und int Jahre 1819 trat gar eine völlige Werthlosigkeit des Getreides cm, indem der niedrigste Durchschnittspreis des Metzen Weizen 5 fl. 15 kr., Korn 1 fl. 57 kr., Gerste 1 fl. 51 kr., Hafer 1 fl. 15 kr. SB. SB. betrug. Im Jahre 1818 erhielt die Stadt daö allerhöchste Privilegium zur Abhaltung von Viehmärkten am 19. März und 10. Oktober jedes Jahres. Anno 1821 wurde die Promenade am Stadtgraben errichtet. Am 11. September 1813, 30. Juni 1815, 16. September 1821 und 4. Juni 1829 waren sehr bedeutende Ueberschwemmungen. —• Am 21. Juni 1824 um 10 Uhr Abends brach im Bräuhause Skr. 270/20 in Ennödorf Feuer aus und verwüstete in der langen Gasse, Koller-, Johannes- und Feldgasse 57 Häuser und 12 Scheuern; ferner die Ennsbrücke und in der Stadt das fürstliche Schloß nebst allen Gebäuden der Enge bis Skr. 25/26 und 111/134 am Stadtplatze, die Oelberg-Fleischbänke und 3 Häuser der Berggasse, zusammen 103 Wohngebäudes Der Schaden betrug mit Aus­ nahme des Schlosses 1,033,000 fl. SB. SB. Im Jahre 1831 erregte das Herannahen der Cholera allgemeine Be­ stürzung; Prozessionen wurden abgehalten, Spitäler, ein eigener Leichenhof im Steinfeld und eine Q-uarantaine int äußeren Ennsdvrf errichtet; doch blieb die Stadt glücklicherweise ganz von dieser fürchterlichen Krankheit verschont. Im Jahre 1833 verlor die Stadt wieder ein uraltes, wichtiges Recht, nämlich das Stapelrecht auf das, auf der Ennö herausgeflößte Holz, welches von der politischen Hofkanzlei (also nicht int Rechtswege!) aufgehoben wurde; wodurch natürlich auch die an der unteren Ennsbrücke angebrachte Fluß­ sperre ihr Ende fand. 5

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