Aus dem bürgerlichen Leben vergangener Tage

15 1667 bitten die Fleischhauer, daß ihnen gestattet werde, das Pfund 1 ) Fleisch vom ungarischen Ochsen um 14 Pfennig zu ver- kaufen. Der Magistrat ist darob sehr ungehalten und droht mit großer Strenge: ,,Wegen dieses Vrövel soll jeder, der dies thuet, von ein Uhr nachmittags bis 4 Uhr früe in den Kasten 2 ) geschafft werden. Das bessere r?.indfleisch ist um 10 Pfennig, das schlechtere um 9 Pfennig für das Pfund festgesetzt". 1702 vermerkt das Ratsprotokoll, daß ,,die Fleischhauer auf dem Ülberg 8 ) das Pfund Rindfleisch zu 14 Pfennig, hinkünftig aber zu 3 Kreuzern verkaufen sollen". Es handelt sich hier wahrscheinlich um einen Versuch, den Preis herab- zusetzen, da 14 Pfennige nicht 3, sondern 3½ Kreuzern gleichkamen. Im JaQre 1737 wird tatsächlich das Pfund zu 3½ Kreuzern verkauft. Von landläufigem Gebäck nennen die Ratsprotokolle an ver- schiedenen Stellen Peugl (oder Peigl) 4 ) zu 1 Pfennig, Semmel zu 1 Pfennig, dann den Kreuzerlaib und den Patzenlaib 5 ) Brot. Nicht ohne Interesse sind die Fischpreise, obwohl die Fische als Volksnahrung schwerlich in Betracht kamen. 1669 kostete das Pfund „Ruthen" 24 kr, ,,Hächten" 14 kr , ,,Pärrnb" 6 ) 11 kr, Huchen 12 kr, ,,Khärpfen " 7 kr, ,,Nößling" 5 kr. 1674 kostete das Pfund „Äschet, Frechen" 20 kr, ,,Kopen", die Kandl 7 ) 24 kr, ,,Grund!", die Kandl 40 kr, das Pfund „Khärpfen" 7 kr Hächten" 13 kr Huech" 10 kr Pärben" 9 kr ' " . ' " ' " . Es fragt sich nun, was diese Preise in unserer heutigen Kronen- währung, die eine Goldwährung ist, zu bedeuten haben. Der Augsburger Münz-Rezeß vorn 4. Mai 1694 8 ) setzte den Dukaten auf 4 fl fest. Nun ist der Dukaten die einzige Münze, welcbe in ihrem Feingehalt bis zum heutigen Tage unverändert geblieben ist. Setzen wir nun für den Dukaten vorn Jahre 1702 den heutigen Kurswert von 11 K 36 h ein, so ergibt sich 1) Dies ist höchst wahrscheinlich das alte Wiener Pfund, welches vor der Regu- lierung durch Kaiserin Maria Theresia rund 562 Gramm schwer war. 2 ) Vgl. S. 9, Anm. 4. 8 ) Der Ölberg ist eine steil ansteigende winkelige Gasse, die vom Stadtplatz gegen Westen abzweigt. Es befinden sich dort noch heute Fleischbänke. ') Die heutzutage wohl nur nur von Fein- und Zu-ckerbäckern erzeugten Beug \ haben eine den Kipfeln ähnliche Form. ~) Ein Patzen (Batzen) galt 4 Kreuzer oder 16 Pfennige. Waldner, Versuch eines Entwurfes der Hauptmomente des deutschen Münzwesens, Innsbruck, 1858. S. 49 . 6) Barben. Die zwei Striche über dem a bedeuten in diesem Falle sowie in dem ·warte .Khärpfen" nicht den Umlaut ä, sondern das reine a. Vgl. .Prätl", "Täbäk". 7 ) Wohl die \1/iener Kandl, ein Hohlmaß, welches etwa 11/ 2 Litern gleichkam. Nach Luschin, Vorschläge, S. 46, 49, 58 . 8 ) Waldner, Versuch eines Entwurfes der Hauptmomente des deutschen Münz- wesens, Innsbruck 1858, S. 148.

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