Führer durch das Chorherrnstift St. Florian

Haus wieder in Benützung zu nehmen. freilich konnten die Stiftsräumlichkeiten erst nach und nach, Zimmer für Zimmer, den Ordenszwecken zurückgegeben werden . Erst durch das gesetzliche Rückstellungsverfahren wurde das Stift mit allen enteigneten Besitzungen mit Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 8. September 1949 den Chorherren in das Eigentum zurückgegeben. Nun galt es aber zunächst dem Stifte nach all den schweren, großen Heimsuchungen · eine Existenzgrundlage zu geben und es für seine geistlichen und kulturellen Aufgaben wieder aufzubauen. Der geringe Grundbesitz konnte für sich die wirtschaftliche Grundlage nicht bilden. Der Forst war durch die Borkenkäferkatastrophe zu 50 °lo vernichtet. Der Initiative des Propstes Leopold Hager ist es zu danken , daß die gewerblichen Betriebe, die in Ansätzen vorhanden waren, durch weiteren Ausbau zu einer tragfähigen Wirtschaftseinheit wurden. Er fand in der Ordensgemeinschaft die Mitarbeiter, die den Wirtschaftskomplex modern organisierten und für die Aufgaben des Stiftes dienstbar machten. So stellt das Stift auch in wirtschaftlicher Hinsicht wieder den Mittelpunkt der 33 inkorporierten Pfarreien dar. Es konnte die Fert igstellung der Pfarrkirche in Attnang wirksam unterstützen, den Bau der Pfanhöfe in Timelkam und Scharlinz in Angriff nehmen und in sozialer Hinsicht durch Beistellung von Siedlungsgrund in St. Florian und auf den Pfarren, durch Förderung des Siedlungsbaues und durch den Bau mehrerer Familienwohnungen Gutes schaffen . Daneben wurden die Einrichtungen des Stiftes und seine historischen Aufgaben wieder aufgenommen, die philosophisch-theologische Lehranstalt Im Stifte wieder errichtet, die Kunstschätze und Sammlungen, die während des Krieges zum Großteil verlagert waren , wieder gesammelt und aufgestellt. Aus dieser Zeit ragt als einzigartiges Werk die Restaurierung der Großen Orgel hervor, die fast zur Gänze neu aufgebaut wurde. Das Gedächtnis Anton Bruckners, das mit der Großen Orgel zu St. Florian unvergänglich verbund e n ist, hat wesentlich mitgeholfen, daß dieses Werk vollendet werden konnte . Auch die wissenschaftlichen Traditionen des Stiftes wurden in den vergangenen 100 Jahren treu gepflegt. Es sei nur auf dem Gebiet der Geschichte auf Albin Czerny, in der Naturwissenschaft auf Mathias Rupertsberger, in der Musik auf Franz X. Müller,') der als geistiger Schüler Bruckners mehrere _Messen, eine Symphonie und das große Oratorium "Augustinus" schuf und viele liturgische Texte vertonte, in der Theologie auf Dr. Vinzenz Hartl, Dr. Johann Chrysostomus Gspann und Dr. Alois Nikolussi verwiesen. 1 ) geb . 15. 5. 1875 in Dimbacl, , 1' 3. 2. 1948 in Linz. 19

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