Führer durch das Chorherrnstift St. Florian

Damit war der Anfang der Bautätigkeit gemacht, die am Ende des Jahrhunderts das ganze Stift erneuern sollte. Mit einer Großzügigkeit Wie sonst nirgends in Österreich wurde alles Alte entfernt und Kirche und Kloster zu einem einheitlichen Bau umgeschaffen. St. Florian ist das letzte Kloster, das umgestaltet wurde, und das in der größten Periode der österreichischen Barockkunst ') Hier ist alles barock von den mächtigen Fronten bis zum letzten Einrichtungsgegenstand. Es wurde fast 70 Jahre an Bau und Inneneinrichtung gearbeitet und das Gesamtwerk dadurch so zu einem lebendigen Bild künstlerischer Entwicklung. Propst David Fuhrmann ( 1667 - 1689) hatte bald nach seinem Regierungsantritt die Finanzen so weit geordnet, daß er 1676 an den Neubau des Meierhofes gehen konnte. Ein Jahr später vergrößerte er das Spital bei der St. Johanneskirche, die 1681 barockisierl wurde. Im gleichen Jahr wurde von Carlo Carlone in dem Gartenpavillon mit breiter Freitreppe im Garten des Stiftes der erste kunstvolle Barockbau geschaffen. Während dieser Bautätigkeit, im Jahre 1679, hat das Stift die Verbindung mit den Chorherren am Lateran in Rom, die es schon 1290 geknüpft hatte, wieder aufgenommen. Seither heißen die Florianerchorherren auch Lateranenser Chorherren und tragen die Pröpste den Titel Lateranenser Abt. Der Sieg über die Türken, besonders die Befreiung Wlens 1683, gab der Bautätigkeit neuen Aufschwung und spiegelt sich in den Werken der Kunst immer wieder. Am 15. 8. 1686 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt und damit der Neubau des Stiftes und der Kirche begonnen. Als Baumeister berief Fuhrmann den Mailänder Carlo Carlone, der den Plan entwarf und bis 1708 den Bau leitete. Er hatte zuerst eine einfachere Lösung vorgeschlagen , bei der der Marmorsaal außerhalb der Stiftsfront geplant war. Später aber hat er ihn in den Hof hineingesetzt und so die Regelmäßigkeit und Einheitlichkeit des Bauwerkes erzielt, die noch heute so bewundert wird.') Die bauliche Anlage war durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt . Denn die neue Kirche wurde auf den Grundfesten der alten gotischen erbaut. Dadurch Ist die Kirche nicht der Mittelpunkt der klösterlichen Anlage geworden, sondern steht an der Nordfront des ganzen Baues, wo vor 1000 Jahren schon das erste Kirchlein an die Berglehne zwischen hohe Abhänge hineingezwängt war. Große Erdbewegungen und mächtige Unterbauten waren notwendig, um an dieser Stelle den Platz für das Klostergebäude zu gewinnen. 1 ) Grlessmayr, Ös terreich, Landschaft und Kun st , Wi en 1950, Nr. 123 2 ) Klrchner-Doberer, Stift St. Florian , Wi en 1948, S. 19. 14

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