Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

der Elementa Gazzaniga und Bertieri als Zensoren verlangt habe, seien die Anhänger der „wahren Grundsätze" alarmiert worden, denn besonders Gazzaniga sei Migazzi und dem Nuntius zugetan. Auch die erwähnte Nummer der Nouvelles vergleicht dann Rieggers Ansichten hinsichtlich Placet, Primat, Konzil mit der Martinischen Ausgabe. Es ist schon Mißbehagen herauszulesen, daß der den Jansenisten verhaßte Kardinal Migazzi die Martinische Ausgabe stützte und Martini wirklich manches abgeschwächt hatte, was Riegger geschrieben hatte. Allerdings, so meinen die Nouvelles, dürfe man Martini auch nicht Lob versagen, wo er manche Zuspitzungen Rieggers beseitigt habe, etwa, was das Placetum regium über dogmatische Bullen betreffe143 • Und zuletzt wird noch - durchaus nicht ablehnend - vermerkt, Martini habe zu seiner Rechtfertigung etwa um September 1779 eine deutsche Schrift von 28 Seiten Umfang veröffentlichtl44. Eybel war bereits Landrat in Linz, als er mit einer anonym gedruckten Apologie gegen das 41. Heft des Schlözer'schen Briefwechsels und damit gegen Martini Stellung bezog. Die wenig bekannte Schriftl45 lautet mit vollem Titel: Der mit einem Buchhandlungs-Lahrjungen über das 41te Heft des Schlözerischen Briefwechsels sich unterredende Buchdruckergesell146 . Sicher war es um Eybel als Kanonisten stiller geworden, seit er in der Abgeschiedenheit des Landes ob der Enns wirkte, und sicherlich dachte man im Wien von 1781 nicht daran, die Einleitung als Kirchenrechtslehrbuch einzuführen, wo doch in diesem Jahr gleich drei Leute, Gmeiner, Kuralt und Pehem Kirchenrechtswerke verfaßten, die zwar im Wesentlichen das gleiche sagten, aber kühler und weniger bombastisch als Eybel in der Einleitung. Aber der Angriff auf die lntroductio in einem renommierten Organ, wie es Schlözers Briefwechsel nun einmal beim hellen Ruhm seines Herausgebers147 war, mußte den schreibseligen Eybel doch schmerzen. Daß Eybel allein der Verfasser dieses fingierten Zwiegespräches sein kann, dürfte man auch ohne die Anonymenauflösung bei Holzmann-Bohatta145 vertreten; wer anders als er selbst hätte Interesse haben können, eine derart weitschweifige Entgegnung zu verfassen, wer anders als er wäre in Tratsch und Klatsch im gelehrten Betrieb und die Martini-Riegger-Eybel-Heinke144 Wir fanden dieses Werk nicht , doch dürfte es, wie a pr iori zu vermuten ist, mit der Mitteilung in Schlözers Briefwechsel, 41. Heft, ziemlich übereinstimmen . 145 Holzmann-Bohatta I, Nr. 284 nennt Eybel als Verfasser ; Verlagsort sei Salzburg gewesen. 146 Basel (fingiert) 1781, 75 S. Expl. StB Kremsmünster Fl 265, St. Florian XII 39. 147 Der Protestant Schlözer erhielt sogar 1782 das Ehrendoktorat der Universität Innsbruck ; vgl. Brand[, Theo!. Fakultät Innsbruck, S. 28 f. 64

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