Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

sagen, die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit habe nicht nur in Frankreich, Deutschland, Spanien, Portugal, sondern bis in den Kirchenstaat hinein an Boden verloren, was auch nach Meinung der Nouvelles ecclesiastiques34 nicht weiter verwunderlich sei, vergleiche man die Gelehrsamkeit und Frömmigkeit der Anhänger der alten (also vorpseudoisidorischen) Lehre mit der „Ignoranz" der Ultramontanen. Selbst die in vielen Punkten doch orthodoxen Banzer Benediktiner35 richteten sich gegen die päpstliche Unfehlbarkeit: ,,Wer von uns Katholiken (die Jesuiten, als die päpstlichen Hoftheologen, ausgenommen) hat jemals gelehrt, daß die Päbste unfehlbar seyn, nicht fehlen und sich nicht irren können? Die Aussprüche der ganzen Kirche halten wir Katholiken für unfehlbar, und nicht jene eines einzigen Menschen . .. 36 " Diese Unsicherheit unter den Theologen zum Thema Primat läßt verstehen, warum dieses Thema sogar von nichttheologischen Tagesskribenten aufgegriffen werden konnte. Natürlich hatten auch die romtreuen Theologen, besonders die Exjesuiten, Waffen in ihrem Arsenal. Des Laurentius Veith (1725 - 1796)37 - er wirkte 1774 - 1796 im Augsburger Salvatorkolleg - De Primatu et lnfallibilitate Romani Pontificis38 mag ihren Argumentationen gegen „Neuerer" wie Eybel eine Grundlage geboten haben. Veith wollte eine gedrängte Synopsis dieses Gegenstandes, nichts Neues, wie er sagt, bieten. Er versteht sich in der echten kirchlichen Tradition stehend. Mit Febronianern sagt er zwar, daß der Hauptzweck des von Christus gestifteten Primats die Bewahrung der Einheit in der Kirche ist (S. 81), aber das dürfte schon das meiste sein, was ihn allenfalls mit Febronianern eint . Er zieht ja doch ganz andere Konsequenzen. Scharf unt erstreicht er die Unfehlbarkeit des ex cathedra redenden Papstes (S. 84 ff.). Als Person, oder doctor privatus, mag er irren, aber tanquam universalis pastor et caput ecclesiae ist er unfehlbar, was Glaubens- und Sittenfragen betrifft (S. 85 ). Die Infallibilität ist ohne den Assens der Kirche da (S. 88 f.). Gegen die Behauptung, die Definitionen des Papstes seien erst dann unfehlbar, wenn der Konsens der Kirche hinzukomme, wendet Veith ein, davon sei in Schrift und Tradition nichts zu lesen (S. 107). Das Fundament (der Papst) könne doch seine Festigkeit nicht vom Bau (der Kirche) haben (S. 107). Wenn der Papst in Glaubens- und Sittenfragen fehlen könnte, so dürfte er auch 34 Ne v . 17. 7. 1778, S. 115. 35 Vgl. Forster (LV) . 36 LkD I/2, 1788, S. 198 f. 37 Vgl. Sommervogel VIII, Sp . 533 - 537. 38 .. . Attgustae Vindelicornm. Apud Fratres Veith MDCCLXXXI, (VIII)+l74 S. - Rez. Freym II/12, Dezember 1782, S. 563 - 568; AdB 55 . Bd., 1. Stück, 1783, S. 41; erwähnt bei Cernitori, S. 144. 178

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