Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

Der Nuntius Guiseppe Garampi beschwerte sich bereits am 2. März 1782 über Eybels Papstbroschüre. Diese dem Heiligen Stuhl und der Person des Papstes injuriöse Schrift sei mit Erlaubnis und außerordentlicher Dispens der Zensur veröffentlicht worden, klagt er. Noch am gleichen Tag schrieb der Staatskanzler Fürst Kaunitz-Rietberg an den Kaiser eine kurze Note, der er den Brief des Nuntius beifügte. Kaunitz tat kund, er werde „dasjenige zu befolgen ohnermangeln, was allerhöchstdieselben . . . über diesen bedenklichen Schritt aufzutragen für gut finden dürften". Der Kaiser resolvierte hierauf, die Grundsätze der Zensur seien dem Nuntius sicherlich bekannt, doch würde man sich bei der Bücherzensur erkundigen, ,,warum sie dem Author erlaubet hätte, seinen Namen zu verheelen, übrigens wäre diese Brochure eben so wenig mit Erlaubnis gedruckt worden, als deren Inhalt gar noch nicht bekannt seye. Sollten sich Stellen in selber hineingeschlichen haben, welche der Aufsicht der Censur entgangen wären, und welche entweder die Religion gerade angreifen, oder gegen Ihre päpstlichen Heiligkeit Pius VI. Person beissend wären, so mögte der päpstliche Nuntius solche nur selbsten anzeigen. Wo man alsdann froh wäre, darüber das billige Mißvergnügen zu zeigen und dem Author so wie der Censur die Ahndung verspüren zu machen." Am 4. März unterbreitete Kaunitz dem Kaiser das Konzept einer Antwort an den Nuntius, welches aber diesem nicht so weit entgegenkommen wollte, als der Kaiser getan hätte. Der Entwurf wurde von Joseph II. ohne weiteres mit „Placet" genehmigt. Am 6. März resolvierte der Kaiser obendrein, es sei dem Nuntius zu bedeuten, die Schrift sei „mit eben der Gleichgültigkeit anzusehen ... , als manche derley Schriften, die wider die kaiserliche Würde im Drucke erscheinen, und da das Pabstthum so wie das Kaiserthum Wahlreiche wären, solche Auslegungen nur auf die Würde, nicht aber auf die Person, die sie begleitet ( = bekleidet), einen Bezug haben können." (Maaß II, Nr. 142 - 149). Das bedeutet so viel wie eine Deckung für Eybel. Das konservative Mainzer Religions-]ournal wußte aus zuverlässiger Quelle zu berichten, daß die Schrift in Wien gleich ins Lateinische übersetzt und dem nach Wien reisenden Papst in Ferrara eingehändigt worden wäre. Die Lektüre des Werks hätte beim Papst auch „zu unvermuteten Entschließungen Anlaß gegeben, wenn nicht die anwesenden Prälaten ins Mittel getreten wären". Der Kaiser habe alle Exemplare der beiden Broschüren Was ist der Pabst? und Was ist der Bischof? konfiszieren lassen 7. Für die letzte Notiz haben wir indes keine Bestätigung und die Schriften haben beide weite Verbreitung gefunden. Friedel8 berichtet uns, der Augsburger Domprediger 7 MzRe[J VII/3, 1782, S. 286. 8 Friede!, Briefe aus Wien (1. Bd.), 8t784, S. 226 f. 171

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