Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

Das Gerücht, die Bilder der Galerie des Stiftes Schlägl stammten von Eybels Witwe, die sie gleichsam als Wiedergutmachung der den Klöstern zugefügten Unbill dorthin geschenkt hätte, soll eine „Mystifikation" sein 161 . Immerhin betätigte sich Eybd aber als Sammler von Altertümern, die der Hof nach Laxenburg wünschte. Ein sehr aufschlußreicher Brief Eybels an den Schlierbacher Prior vom 2. Juni 1800 findet sich in jenem Stifte noch vor 162 . Es ist noch immer der gleiche, dem Hof willfährige Eybel; nur dem Stift gegenüber schlägt er bereits höflichere Töne an. Mit Hofdekret vom 6. Juni 1805 wurde Eybel ein dreimonatiger Urlaub für eine Kur in Baden bei Wien bewilligt. Er starb indes am 30. Juni, 65 Jahre alt, an Gangräne in Linz, Obere Vorstadt Nr. 128. Regierungsräte waren damals neben ihm noch Johann Georg Edler von Dornfeld und Johann Baptist Graf Pilati von Tassulo und Daxberg, Verwandter des berühmten, meist italienisch schreibenden Aufklärers Carlo Antonio de Pilati di Tassulo 163 . Bis zuletzt war Eybel auch Zensur-Referent im Bücherrevisionsamt gewesen. Hittmair 164 berichtet nach vager Quelle, Eybel solle angeblich als „Betbruder" sein Leben beschlossen haben. Nachfolger bei der Landesregierung wurde der frühere bischöfliche Sekretär Domscholaster Johann Friedrich Bergen (1761 - 1812) 165 , der schon am 1. Juni 1805 den Revers ausstellen mußte, keiner geheimen Verbindung anzugehören. Wir besitzen einen Stich von Eybel1 66 , von Massinger gemalt und von J. E. Mansfeld gestochen, aus jüngeren Jahren. Er zeigt ein wohlgestaltetes, offenbar einem athletischen Typ gehöriges Gesicht. Sturmberger nennt Eybel mit Recht den bedeutendsten Josephiner, der in Oberösterreich lebte, und einen „Exekutor" des Josephinismus in diesem Lande. Er sei ein „turbulenter Heißkopf, brutal und rücksichtslos" gewesen167. Das trifft durchaus zu. 161 Mündliche Auskunft Archivar Friedrich Reisehi OPraem. 162 StA Schlierbach, Mappe ,Muttersgleich'. 163 ... Schematismus des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns, auf das Jahr 1804, s. 29 f. 164 Hittmair, Klostersturm, S. 493. 165 Pesendorfer, S. 60. 166 Abgedruckt bei Sturmberger, nach S. 176. 167 Sturmberger, S. 163. - Einen Nachruf auf Eybel brachte die Linzer Zeitung am 12. Juli 11505; eine knappe Zusammenstellung seines Lebens und seiner Werke OaLZ Nr. 118 v. 14. 6. 1811 , Sp. 947 f. 146

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