Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

Schriftstücke der einzelnen Referate in jener Ordnung, in der sie einträfen, sowie der allerhöchsten Vorschrift gemäß ungesäumt behandeln 16 . Interessant ist nun - was wir wieder von Thürheims Agenten wissen - daß Eybel über Wunsch des mächtigen Hofrats Heinke einige Zeit vor dem Papstbesuch nach Wien zurückverlangt wurde. ,,Herr Landrath v . Eibe! ist von dem Hofrath v. Heinke anverlanget worden, man sagt er würde Ihme ad latus gegeben und in Ecclesiasticis gebrauchet, nachderhand aber gar alhier zum Hofrath erhoben werden 17 ." Er wurde auch tatsächlich nach Wien geholt. Anläßlich dieses Wiener Aufenthaltes, in dessen Dauer auch der Besuch Pius' VI : beim Kaiser fällt, hat Eybel auch seinen bedeutendsten literarischen Beitrag zu diesem spektakulären Ereignis veröffentlicht, nämlich seine Broschüre „Was ist der Pabst?" ,,Nach zween Tagen kömmt von Herrn Rath v . Eybe! eine neue Piece an das Licht betitelt waß ist der Pabst", wußte der Wiener Agent am 23. Februar 1782 zu berichten. Eybel hatte in Wien Gelegenheit, den Papst wenigstens von der Ferne zu sehen und auch den Rummel erlebt, der diesen Besucher umgab. Der Nuntius machte dem Staatskanzler Kaunitz Vorstellungen gegen das Erscheinunen der Broschüre Eybels, denn diese Schrift stelle eine Beleidigung des Papstes dar. Joseph II. aber resolvierte, der Nuntius möge selbst die Stellen in dieser Schrift bezeichnen, welche die Religion angriffen oder gegen Pius VI. beleidigend wären, ,,wo man alsdann froh wäre, darüber das billige Mißvergnügen zu zeigen und dem Autor sowie der Censur die Ahndung verspüren zu machen 18 ." Pius VI. weilte nach seinem Wiener Aufenthalt auch im Land ob der Enns, nämlich vom 22. bis zum 25. April 1782 . Zu dieser Zeit war Eybel noch immer in Wien. Am 24. April nämlich berichtete Wachter, Eybel müsse nach vollbrachter Arbeit wieder zurück nach Linz auf seinen vormaligen Posten. Aber es verstrich noch einige Zeit, bis Eybel Wien den Rücken kehrte. Wachter schrieb am 19. Juni, Eybe! müsse binnen sechs oder acht Tagen seine Heimreise antreten. übrigens war er Ende 1783 für eine Transferierung nach Lemberg im Gespräch19_ Das, was beim Kaiser nüchterne Überlegung und staatskluges Zweckdenken genannt werden mag, nämlich das Klosteraufhebungspatent vom 12. Jänner 1782, das war in der praktischen Durchführung bei Eybel, dem berühmten 16 OÖLA, Weinberger Archiv Bd. 22 Nr. 14, Konzept und Abschrift von Thürbeims Anweisung an Spaun, v. 8. 12. 1781. 17 OöLA, Weinberger Archiv Sch. 1410 ,Verschiedenes', Brief v. 26. 1. 1782. 18 Hittmair, S. 86. 19 OÖLA, Weinberger Archiv Sch. 1410 ,Verschiedenes' , Brief v. 1. 10. 1783. - Die Meldung, daß er später zehn J ahre in Innsbruck tätig gewesen sein soll, entbehrt jeder Grundlage, zog sich aber hartnäckig durch die Literatur hindurch. 118

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