Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

auch mit Dienstkollegen lag Eybel bald nach seinem Arbeitsantritt in Linz in Streit. Der 1777 als Kanzleidirektor der 00. Landesstelle eingesetzte Johann Thaddäus von Spaun führte bereits anläßlich eines Besuches in Wien im April 1780 Beschwerde gegen Eybel, wenn sich auch für diesmal seine Angriffe mehr gegen den Landeshauptmann, Grafen Thürheim, und den Landrat Baron Pocksteiner richteten. Spaun fand bei den Wiener Hofräten Greiner und Pergenstein Unterstützung. Auch den „bucklichten" lgnaz de Luca mochte er nicht. Thürheim sei für diese Leute „gar zu gut" und halte es mit Pocksteiner und dem Landesbuchhalter14 b. So wußte Thürheims Wiener Agent zu berichten, der schon zwei Tage später, am 11. April 1780, an Thürheim von weiteren Gerüchten über Unordnungen in der 00. Landesstelle schrieb, welche Spaun in Wien in Umlauf setze. Und wieder einige Tage später, am 15. April, meldete er, Spaun bewerbe sich um eine Waldmeisterstelle, welche 4000 fl jährlich abwerfe. Wiederum elf Tage später schrieb er, nun schmähe Spaun in Wien gegen Eybel: entweder jener, oder er müßten Linz verlassen; mit diesem „bösen Mann" sei nicht auszukommen. Der gute Spaun war jedenfalls eine geraume Spanne Zeit in Wien, denn am 27. Mai 1780 wußte Wachter zu berichten, Spaun rede nun „aus einem ganz gelinden Tone" vom Landeshauptmann und wünsche bloß die Versetzung de Lucas und Eybels weg von Linz. Geraume Zeit später gewährte die Kaiserin Spaun eine langersehnte Audienz, die ihm jedoch keine Hofratsstelle fern von Linz geben konnte, da keine vakant war. Spaun soll dabei nach einem Brief Wachters vom 10. Juli 1780 seine zwei Hauptfeinde wiederum in schlechtes Licht gerückt haben. 1781 war Spaun wieder in Wien. Längst vorbei war der Groll gegen den Grafen Thürheim. ,,Der Landrath Eibe! scheinet ihm nun allein der Stein des Anstosses zu seyn14c." Doch Friede wollte nicht so schnell eintreten. Am 7. Dezember 1781 machte Spaun in einem an den Landeshauptmann gerichteten Protest seinem aufgestauten Ärger Luft15 . Eybel habe genörgelt, daß die Expeditionen seines Referats beim Kanzleidirektor liegen blieben, und meint: Andere Referate seien zwar wichtiger als dasjenige Eybels, aber niemand dürfe behaupten, die zur Revision an ihn, Spaun, gelangenden Expeditionen seien auch nur einen halben Tag lang bei ihm aufgehalten worden. ,,Wären jedoch die Ab14b K. Wachter an Graf Thürheim; OOLA, Weinberger Archiv Sch. 1409 ,Versd1iedenes', Brief v. 9. 4. 1780. Die nachfolgend erwähnten Briefe ebenda, chronologisch im Faszikel geordnet. 14c Ebenda, Brief v. 9. 5. 1781. 15 OOLA, Weinberger Archiv Bd. 22 Nr. 14, Kanzleidirektor v. Spaun zu Eybels Referat vom 30. 11. 1781. 116

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