Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

die Gunst, die er bei der Regierung genoß, welche ihn 1783 sogar zum Domkapitular der zu gründenden Diözese vorschlug5 . Dann war in Linz zunächst der Philosophieprofessor Meißler, der etwas jünger als Eybel und ebenfalls ehemaliger Jesuit war. Er sei Cremeris „Spießgeselle und Nothelfer" , berichtet uns die Biographie der Glaubensfeger6. Von Cremeri werden wir noch reden müssen, und hier sei auch Wenzel Sigismund Heinze nochmals erwähnt, der Eybel offenbar schwärmerisch verehrte7 . Und Propst Wittola, von 1784 bis 1789 Herausgeber der josephinischen Wiener(ischen) Kirchenzeitung, bewahrte trotz vorübergehender Verstimmung wegen Eybels Ohrenbeichtschrift von 1784 dem Landrat die Freundschaft, wie aus lobenden Berichten über Eybels kirchliche Reformtätigkeit im Land ob der Enns im genannten Organ hervorgeht8 • Nach einem Rechtsprozeß in Sponsalienangelegenheit, der das erst 1779 zu Österreich gekommene Innviertel betraf, und zu welchem Eybel ein Gutachten abgegeben hatte, in dem er den Standpunkt vertrat, kirchliche Zuständigkeit dürfe in diesem Punkt nicht statthaben, veranlaßte ein Hofdekret vom 4. Mai 1781 eine gewisse Kompetenzerweiterung Eybels. Der Kaiser entschied nämlich, daß der Mittelsrat Eybel, der in seinem Referat die „echten Grundsätze" zusammengefaßt hatte, in Hinkunft alle Ecclesiastica und die damit verbundenen, den Welt- und Ordensklerus betreffenden Gegenstände als Referent der Landesstelle für Ob der Enns ausarbeiten und in Vortrag bringen solle. übrigens war das Gutachten Eybels gegen hergebrachtes geltendes Recht gewesen, und gegen sonstige Gewohnheit protestierte Salzburg scharf gegen den von ihm veranlaßten staatlichen Entscheid9 . Offenbar behielt auch der Kaiser nicht die entschiedene Wertschätzung für Eybel bei. Es ist nicht festzustellen, ob und wie Eybel den Kaiser anläßlich seines Besuches in Linz vom 7. bis zum 9. Oktober 1786 getroffen hat. Bei den Besuchen des Kaisers, die er den Karmelitern und Ursulinerinnen in Linz abstattete, war er nicht unter dem Gefolge10 . Liebedienerische Mitglieder des Klerus mußten bald wissen, wo man vertrauliche Mitteilungen über Verheimlichungen und schiefe Praktiken deponieren mußte - bei Eybel11 • Und wenn der Landrat hinsichtlich des von ihm gehaßten Stiftes Kremsmünster etwas vertraulich regeln oder 5 Hittmair, S. 126. 6 Biographie der Glaubensfeger, S. 21. 7 Biographie der G/ai,bensfeger, S. 22. 8 Etwa WKirchZ 1785, 241 f., 301 f., 416; 1786, 75 f., 78 - 82, 110 f., 349, 735 f.; 1789, Sp. 41, 87 f., 204. 9 Hittmair, S. 56 f. 10 Hittmair, S. 290 f. 11 Vgl. die Mitteilung des Pfarrers von Münzbach über die vom Dominikaner-Provinzialat verschwiegenen Gelder {1783), bei Hittmair, S. 123 . 114

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2