52. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1927/28

Die Klassifikationskonferenzen über das erste Semester wurden am 6. und die Schlußkonferenz am 10. Februar abgehalten. Das erste Semester schloß mit der Zeugnisverteilung am Samstag, den 11. Februar; bis zum 14. Februar dauerten die Semestralferien und mit dem 15. Februar begann das zweite Semester. Die schriftlichen Reifeprüfungen im Februartermine fanden am 23. und 24. Februar, die mündliche unter dem Vorsitze des Landesschulinspek¬ tors Herrn Hofrates Dr. Hans Halbich am Samstag, den 3. März statt. Am 28. Februar wurde eine Ausschußsitzung der Elternvereinigung abgehalten. Der 8. März 1928 wird in der Geschichte der Anstalt stets in großer Bedeutung bleiben. Die Tatsache, daß das Gebäude, in welchem die Anstalt untergebracht ist, schon seit langem in keiner Weise mehr den Anforde¬ rungen entspricht, veranlaßte die Elternvereinigung der Anstalt in öffent¬ licher Versammlung zu der Frage eines „Neubaues für die Steyrer Bundesmittelschule“ Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende der Elternvereinigung, Herr Kreisgerichtspräsident Dr. Emil Tursky konnte insbesondere den Bürgermeister der Stadt Steyr, Franz Sichlrader, die Herren Nationalrat Witzany, Land¬ tagsabgeordneten Professor Dr. Messenböck, die Vertreter der politi¬ schen Parteien, der Aerztevereinigung und der Presse, sowie die überaus zahlreich erschienenen Eltern und Interessenten begrüßen. Entschuldigt hatten sich Nationalrat Kletzmayr, Landesrat Hafner und Hofrat Meiß=Teuffen vom o.=ö. Landesschulrate. Nachdem der Vorsitzende noch hingewiesen hatte, daß die in Rede stehende Erbauung eines neuen zeitgemäßen Mittelschulgebäudes nicht nur die gesamte Bevölkerung der Stadt Steyr, sondern auch jene der Umgebung interessiere, zeigte der Anstaltsdirektor nach einem kurzen geschichtlichen Ueberblicke über die Entwicklung der Anstalt die mißlichen Verhältnisse in baulicher und schulhygienischer Richtung an der Anstalt auf. Das jetzige Schulgebäude, in dem außer der Anstalt auch noch eine Volksschule untergebracht ist, wurde in den Jahren 1632—1672 von dem Jesuitenorden erbaut und trägt in allen seinen Teilen noch die Merk¬ male der Bauweise des 17. Jahrhundertes. In diesem zur Zeit Kaiser Josefs II. aufgehobenen Klostergebäude, das im Jahre 1870 in den Besitz der Stadtgemeinde Steyr überging, befindet sich seit 1875 die Steyrer Mittelschule. Schon zufolge der ursprünglichen Bestimmung haften dem Gebäude trotz mannigfacher Adaptierungen im Laufe der Jahre eine Reihe von so bedeutenden Mängeln an, daß heute nur unter den schwierigsten Verhältnissen der Unterrichtsbetrieb durchgeführt wer¬ den kann. Die Steyrer Mittelschule, die seit fünf Jahren stets von mehr als 360 Schülern besucht wird und seit dieser Zeit immer einen Stand von fünf Parallelklassen aufweist, ist heute an der äußersten Grenze der räumlichen Entwicklung angelangt; muß doch schon seit Jahren alljährlich eine „Wanderklasse“ errichtet werden. Der Direktor führte u. a. aus, daß die Schüler in den nur sehr man¬ gelhaft beleuchteten Klassenzimmern enge zusammengepfercht beisammen sitzen müssen; daß die Beheizungsanlage nur aus sehr veralterten Oefen besteht, daß Ankleideräume, Lüftungsanlagen vollkommen fehlen und daß die Klosettanlage den hygienischen Anforderungen nicht entspricht. 29

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