52. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1927/28

dem Freihandzeichenunterrichte, der von den Lehrern Alfred Kraus und Anton Scholler mit viel Erfolg geleitet wird. Namentlich Landschaften Hildegard Mallys (3. b), vorzugliche Blätter der kleinen Zeichnerinnen Hilde Wimmer und Gertrud Zwettler (beide 2.b), sehr hübsche Farben¬ holzschnitte Otto Enzingers (7. Kl.) sollen erwähnt werden. Die Form¬ und Farbentreffübungen, Naturstudien und Skizzen, allerlei gutgemalte Stilleben verdienen Beachtung und Anerkennung. Ganz ausgezeichnet sind auch die Arbeiten aus dem Geometriezeichnen und aus Darstellender Geometrie, deren Erfolge hauptsächlich den Professoren Josef Frauen¬ dorfer, Gregor Goldbacher und Rudolf Reinelt zuzuschreiben sind. Sie überraschen nicht nur durch die exakte Durchführung schwieriger Konstruk¬ tionen, sondern auch durch die peinliche Nettigkeit der Ausführung. Den Handarbeitsunterricht für Mädchen leitet Frau Anna Bartl, die ihre Schülerinnen, wie die vielen reizenden Nadelarbeiten beweisen, zu Ge¬ schmack und künstlerischem Empfinden erzieht. Da gibt es prächtige Pölster und andere kunstgewerbliche Arbeiten, aber auch eine Fülle von Gebrauchsgegenständen, die von Arbeitseifer und wirklichem Können Zeugnis ablegten. Jedenfalls lieferte die Ausstellung den Beweis, daß an dieser Anstalt ganze Arbeit geleistet wird. Die alljährlich stattfindende Delegiertentagung der Landesverbände der österreichischen Mittelschullehrerschaft fand in diesem Jahre über An¬ regung des oberösterreichischen Verbandes in Steyr statt. Die vom 10. bis zum 12. Juli dauernde Tagung, welche sich besonders mit standesorgani¬ satorischen Fragen befaßte, tagte im Physiksaale der Anstalt. Am 3. September feierten die Abiturienten, welche im Jahre 1897 an der Anstalt die Reifeprüfung abgelegt haben, die dreißigste Wieder¬ kehr des Tages ihrer Maturitätsprüfung. Aus diesem Anlasse besuchten sie unter Führung des Herrn Postamtsdirektors Anton Sighart, der sich um das Zustandekommen der Wiederkehrsfeier seiner Maturakollegen sehr verdient gemacht hatte, auch ihre einstige Studienstätte, die alte Steyrer Realschule. Das neue Schuljahr 1927/28 wurde am 16. September mit 12 Klassenabteilungen (7 Stamm= und 5 Parallelen) eröffnet. Am 16. und 17. September fanden die Aufnahms=, Wiederholungs= und Nach¬ tragsprüfungen statt. Am 19. September wurde in der Vorstadtpfarr¬ kirche der Eröffnungsgottesdienst abgehalten. Am selben Tage fand auch die Eröffnungskonferenz statt. Der regelmäßige Unterricht setzte am Dienstag, den 20. September, ein. Der o.=ö. Landesschulrat genehmigte mit dem Erlasse vom 28. Sep¬ tember 1927, Zl. 140/3, die Fortführung der bisherigen Parallelklassen zur 1. bis 4. Klasse auch für das Schuljahr 1927/28 und genehmigte mit dem Erlasse vom 7. Oktober 1927, Zl. 2478/I, die Lehrfächerverteilung sowie den Stundenplan für das Schuljahr 1927/28. Am 30. September beteiligte sich der Direktor in Vertretung der Anstalt an dem Leichenbegängnis des in der vollen Lebenskraft dahin¬ geschiedenen Direktors Gustav Löffler vom Bundesrealgymnasium in Gmunden, der noch im Sommertermin 1927 den Vorsitz bei der reform¬ gymnasialen Reifeprüfung an der hierortigen Anstalt geführt hat. Dienstag, den 4. Oktober wurden die schriftlichen und Mittwoch, den 12. Oktober die mündlichen Herbstreifeprüfungen unter dem Vorsitze des Herrn Hofrates Dr. Hans Halbich abgehalten. Am 8. Oktober war halbtägiger Wandertag. 27

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