Chronik von Garsten

2 Dort, wo die Enns und Steyr rauschen, wo sich das Ennstal weitet, liegt sein Hauptort, die einst weltberühmte, reiche Eisenstadt Steyr. Und steht man auf der Ennsbrücke dieser Stadt und lässt seine Blicke nach Süden schweifen, so sieht man zwei schmucke Türme, die einer herrlichen Barockkirche angehören. Es ist dies die großar�ge S��skirche vom eins�gen Benedik�nerkloster Garsten. Hart am linken Ufer der Enns erhebt sich dieses prachtvolle Baudenkmal, umgeben von einem Komplex statlicher Gebäude, dessen Haup�ront der Straße zugekehrt ist und einen majestä�- schen Ausblick gewährt. Eine hohe Mauer, die einst als Befes�gungswerk erbaut wurde, schließt das Ganze ab. Doch dieser imposante Bau des S��sgebäudes in Garsten ist nicht der einzige Denkstein, den sich die Söhne des hl. Benedikt hier gesetzt haben und der von ihrer opferfreudigen Arbeit und ihrem künstlerischen Schaffen Zeugnis ablegt; denn ebenso ruhmvoll und anerkennenswert ist ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Kul�vierung des Landes wie hinsichtlich der Bildung und Wissenscha�, die alle in dieser Gegend von der Klosterzelle ausgegangen sind. Unter ihren Streichen fielen des Urwaldes Riesen, mit voller Kra� bearbeiteten sie das gewonnene Erdreich, die wilden Tiere wichen in die �efen Schluchten und hohen Berge zurück. Die frommen Mönche scheuten nicht davor zurück, den Spaten in die Hand zu nehmen; und galt es, einen Bau aufzuführen, so bauten diese vielgeprü�en Männer klugen Sinns und unverdrossen mit Lot und Waage, legten selbst das Winkelmaß an und die geweihte Hand griff beherzt zur Säge und zum Hammer. Diese Bearbeitung wie die Arbeiter selbst starben nicht aus; die Müden würden von den Starken, die Alten von den Jungen abgelöst und jene begaben sich in ihre s�lle Zelle, um sich für das andere Leben vorzubereiten. Zu den Pflichten der Benedik�ner gehörte wohl auch das Abschreiben der alten Handschri�en und wir haben Gründe genug, mit innigem Danke auf diese eins�ge Tä- �gkeit zu schauen, denn ihr verdanken wir unsere gesamte Kunde des Altertums. Aus diesen ersten Anfängen entwickelten sich die Klosterbibliotheken, die dann nach der Erfindung der Buchdruckerkunst jene Schätze der religiösen, klassischen, geschichtlichen und poe�schen Literatur aufspeicherten, auf denen die Menschheit einzig und allein ihre Bildung und Gesitung bis zu ihrer heu�gen Höhe ausbilden konnte. Aus dem wilden Getöse der Waffen aus dem Lärme des Krieges und nicht zuletzt aus der entsetzlichen Nüchternheit eines barbarischen Alltagslebens damaliger Zeiten reteten sich Poesie, Wissenscha� und Gelehrsamkeit in die ruhige Klosterzelle, wo sie Aufnahme fanden und eifrig gepflegt wurden. Jeder muss zugeben, dass die Klosterbibliotheken großar�ge Fundgruben des Wissens sind. Die Wissenscha�, die im Verborgenen herrliche Blüten hervorbrachte, behielten sich die Benedik�ner nicht für sich zu rück, sondern trachteten auf jede Weise, diese auch andere zu lehren, was ihnen besonders durch die Gründung der Klosterschulen ermöglicht wurde.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2