Leopold Arthofer - Geschichte von Garsten

80 hofe, eines im Gemeindehause. Heute besitzt Garsten eine schöne, moderne Volksschule. Bedauerlich ist, daß bei der Umwandlung des Stifts¬ gebäudes in ein Strafhaus noch viele Urkunden verloren gingen, da man dieselben in offenen Wagen — wie der Bauer den Dünger — nach Gleink überführte. er¬ Nach Auflassung des Provinzialstrafhauses in Linz warb das Aerar vom Bischof Gregorius Thomas Ziegler das Klostergebäude und eröffnete nach Durchführung der nötigen Adaptierungsarbeiten im Juli 1851 das „Provinzial¬ strafhaus Garsten“. Dieses Strafhaus, ursprünglich sowohl für Männer als für Weiber mit einer Strafdauer von einem Jahr bis lebenslänglich bestimmt, wurde zuerst durch Trans¬ ferierung der Sträflinge des Provinzialstrafhauses Linz be¬ legt und war, dem k. k. Staatsministerium, beziehungsweise der k. k. oberösterreichischen Statthalterei in Linz unterstellt, die den Kreisvorstand von Steyr mit den Inspizierungen des Hauses betraute. Dem Strafhause stand als unmittelbarer Leiter ein Verwalter vok. Die Arbeitskraft der Sträflinge war schon damals teils verpachtet, teils wurde sie in eigener Regie verwendet. In das Strafhaus wurden anfangs die von den Ge¬ richten in Oberösterreich und Salzburg Verurteilten eingeliefert, später auch Sträflinge aus Niederösterreich und Tirol. Im Juli 1856 wurden alle männlichen Sträflinge mit einer Straf¬ dauer von mehr als zehn Jahren an die Strafanstalten Illawa und Spielberg übergeben und es blieb von da an die An¬ talt nur für Häftlinge mit einer Strafdauer von einem bis zu zehn Jahren bestimmt. Ausnahmsweise wurden auch Sträflinge mit kürzerer als einjähriger Strafdauer einge¬ liefert. Mit 12. Oktober 1885 wurde verfügt, daß auch Sträflinge mit einer Strafdauer von mehr als zehn Jahren einzuliefern seien, und seither ist die Anstalt von Sträf¬ lingen besetzt, die eine Strafe von einem Jahr bis zu le¬ benslänglichem Kerker zu verbüßen haben. Am 1. November 1856 wurde die Leitung der Strafanstalt der Ordenskongregation der Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul übergeben und staatlicherseits zur 0 Ueberwachung des gesetzlichen Strafvollzuges ein Inspektor bestellt, dagegen der Kreisvorsteher von Steyr von der In¬ spizierung enthoben. Die Barmherzigen Schwestern übernahmen die Verpflegung der Sträflinge in Eigenregie und nützten deren Arbeitskraft teils für eigene Rechnung aus, teils vergaben sie diese an Arbeitspächter. Im Dezember 1856 wurden alle weiblichen Sträflinge in die Strafanstalt Suben überstellt und von da an nur mehr männliche Häftlinge übernommen. Zehn Jahre später, im

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