200 Jahre Pfarre Christkindl 1787-1987

1 1 Abt Anse lm hat gegenüber dem Bischöflichen Ordinariat Passau al s Wallfahrtszie l für Christkindl die "Vermehrung der Ehre Gottes und die Förderung des Seelenheiles" der Menschen angegeben. In der neuen Pfarre Christkindl haben zuerst Benediktiner von Garsten und dann vor a11 em Weltpriester, die als Pfarrer hier wirkten, zusammen mit vielen gläubigen Christen versucht, diesem Anliegen Abt Anselms als Auftrag in den jetzt 200 Jahren des Bestehens der Pfarre Christkindl gerecht zu werden. Adolf Berka Literatur: Prof. Josef Perndl, 250 Jahre Christkindl, Jahresbericht des Kollegiums Petrinum 1957/58 Pergamentbild von J.G. Prechler um 1715 (Ausschnitt) AUS DER CHRONIK DER 200 JAHRE Di e Pfarre Christkindl blickt heuer auf eine Entwicklung von 200 Jahren zurück. Das erscheint manchen zuviel, anderen zuwenig. Wer Christkindl als Wallfahrtsort kennt, weiß, daß es auf das Jahr 1695 zurückgeht, a1so fast 300 Jahre alt ist. Wem der Name Christkindl allerdings erst durch das Weihnachtspostamt bekannt wurde (zum ersten Mal 1950 abgehalten), der schätzt es viel jünger ein. Christkindl, ursprünglich eine Tochter von Garsten, stand 1787 bei der Aufhebung des Klosters plötzTTcll verwaist da. Die neu entstandene Pfarre war nicht sehr groß und man entzog ihr durch den Verkauf der Besitzungen - 1788 Schloß Rosenegg samt Meierhof und 1794 das Mittersteinwendnergut; die Einsiedelei wurde um 50 Gulden zur Errichtung efnes Gasthauses (heute 'Baumgartner') verkauft - alle Unterha l tsmöglichkeiten. So k1agen die ersten drei Pfarrer von Christkindl, die noch Patres aus Garsten waren, daß es durch das Kirchen- und Pfarrhofdach regne Cl 793), daß der Pfarrer "vom Pferd auf einen Esel avanciert" sei (1794), und daß sogar die Obstbäume verheizt werden müßten (1791). P. Leander Kremser, der dritte Pfarrer von Christkindl, bemühte sieh, eine eigene "Ökonomie" aufzubauen, die dem Pfarrer und dem ebenfalls im Pfarrhof wohnenden Mesner das Auskommen sicherte. 1793: "Vom Misthaufen kam ich in mein Sch1af zimmer." Dort war "der Fußboden eingebrochen und Gruben zum Hals- und Beinbrechen". Auch war kein Ofen im Raum. Doch kaum wuchsen die ersten Obstbäume im "Zwetschkenparadies" und die ersten "böhmi sehen Kartoffe1n" im Garten, forderten die Franzosendurchzüge in den Jahren 1800, 1805 und 1809 ihren Tribut. Kirche und Pfarrhof wurden geplündert, Pfarrer Kremser übel mitgespielt, sodaß sie 1809 "keinen Bissen Brot am Weihnachtstag" gehabt hätten, wenn sie nicht einen ha1ben Laib erbeten hätten. Auch die eigene Regierung forderte Silberablieferungen (1807, 1810) zur Deckung der in den napo 1eoni sehen Kriegen entstandenen Schu1den. Man konnte die hei 1i gen Gefäße dadurch retten, daß man ihren Wert in Geld ablöste. Deshalb erging 1807 eine "Proklamation an das Pfarrvolk", die Kirchenstuhlgebühren einführte. Man konnte sich in der Kirche einen "Sperrsitz" mit eigenem Sch 1üs se1 erwerben. So ge1ang es zumindest teilweise, das Kircheninventar zu erhalten. Die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird in der Chronik etwas stiefmütterlich behandelt. Mit dem Aufschwung der Werndlschen Betriebe erstarkte die Wirtschaft. In Unterhimmel gab es Papierer- und Messerergewerbe, und "Pfarrkinder" stifteten Fahnen, Ministrantengewänder und später sogar Glocken. Zweimal wurden in Kriegsjahren (1916 und 1941) die Glocken abgeholt und ei ngeschmo 1zen, das zweite Mal "zwei Tage vor Weihnachten". Doch dazwi sehen konnte die Kirche auch ausgebessert und sogar erweitert werden. 1880 wurden die Türme vom Linzer Dombaumeister Otto Schirmer erhöht, 1876 die Loreto-Kapelle neu gebaut und 1922

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