Amtsblatt 1895/23 der Bezirkshauptmannschaft Steyr vom 6. Juni 1895

Zur Vermeidung derartiger Fälle werden die Ge¬ meinde=Vorstehungen beauftragt, in Hinkunft bei Verfassung der Stellungsverzeichnisse in der Rubrik „Anmerkung“ nicht bloß bei den Stellungspflichtigen, welche nach § 25, Punkt 4, der Wehrvorschriften I Theil „offenkundig untauglich“ sind, die Gebrechen anzuführen, sondern auch bei denjenigen, deren Gebrechen zwar nicht in dem erwähnten Gesetzes¬ Parapraphen aufscheinen, jedoch ihrer Natur nach und im Zusammenhalte mit dem die Beschwerlichkeit und Gefahr des Transportes bedingenden Umständen die Enthebung vom Erscheinen vor der Stellungs=Commission begründet erscheinen lassen. Sollten derartige Gebrechen erst nach erfolgter Vorlage der Stellungsverzeichnisse zur d. ä. Kenntnis kommen, so ist hierüber ohne Verzug anher zu berichten damit von h. a. die nöthigen Erhebungen und eventuell die Befreiung vom Erscheinen vor der Stellung noch recht¬ zeitig veranlasst werden kann. Steyr, am 29. Mai 1895. Z. 7239. An alle Gemeinde=Vorstehungen. Uebungen der Kriegsschule. Zufolge Erlasses des hohen k. k. Reichskriegsmini¬ steriums vom 30. Mai l. J., Z. 1216, und Statthalterei¬ Präsidial=Erlasses vom 30. Mai l. J., Z. 1216/Pracs., werden in Oberösterreich in den Monaten Juni und August l. J. praktische Uebungen der Kriegsschule stattfinden und doher die Gemeinde=Vorstehungen aufgefordert, den an den Uebungen theilnehmenden Officieren die erforderliche Bei¬ hilfe zu gewähren. Steyr, am 4. Juni 1895. Z. 6855. An sämmtliche Gemeinde=Vorstehungen und k. k. Gendarmerie=Posten=Commanden. Warnung vor dem Landstreicher Karl Pichler. Laut Berichtes der k. k. Bezirkshauptmannschaft Hietzing¬ Umgebung, pflegt Karl Pichler, 41 Jahre alt, zu¬ ständig nach Atzgersdorf, Malergehilfe, sich arbeitslos in Oesterreich ob und unter der Enns, Salzburg und Steier¬ mark arbeitsscheu herumzutreiben und sich von Gemeinden Reiseunterstützungen zu verschaffen, durch deren Ersatz der Armenrath dieses Bezirkes empfindlich geschädigt wird. Da Karl Pichler arbeitsfähig ist, werden die Gemeinde¬ Vorstehungen und k. k. Gendarmerie=Posten=Commanden zufolge Erlasses der hohen k. k. Statthalterei in Linz vom 13. Mai 1895, Z. 7821/II, hiemit beauftragt, demselben keine Unterstützungen zu verabfolgen und ihn vielmehr im Betretungsfalle anzuhalten und der Schub, eventuell gericht¬ lichen Behandlung zuzuführen. Steyr, am 26. Mai 1895. Z. 6948. An sämmtliche Gemeinde=Vorstekungen. Zufolge Note des k. k. Landwehr=Ergänzungsbezirks¬ Commandos Nr. 2 in Linz vom 25. Mai l. J., Z. 872, wird der Commandant des Landwehr=Infanterie=Regiments Nr. 2, Herr Oberst Freiherr von Sivkovich, in seiner Kanzlei, wie auch in seiner Privat=Wohnung, sehr häufig von Parteien aufgesucht, welche die Befürwortung ihrer Gesuche um Militär=Befreiungen, Befreiung von Waffen¬ übungen 2c. nachsuchen. Nachdem ein Einfluss in dieser Richtung den Regi¬ ments=Commandanten nicht zusteht und die Entscheidung ausschließlich bei den politischen, resp. militärischen Er¬ gänzungs=Behörden erster Instanz liegt, so setze ich hievon die Gemeinde=Vorstehungen in die Kenntnis behufs ent¬ sprechender Verlautbarung. Steyr, am 29. Mai 1895. Z. 7030. An sämmtliche Gemeinde=Vorstehungen, Naturalverpflegs -Stationen und k. k. Gendarmerie-Posten-Commanden. Ausforschung des vermissten Hermann Fux. Laut Berichtes der k. k. Bezirkshauptmannschaft Hietzing¬ Umgebung vom 27. März 1895, Z. 8800, an die Statt¬ halterei in Wien erstattete Ignaz Fux, Hausbesitzer und Spenglermeister in Neulengbach, die Anzeige, dass er von seinem Sohne Hermann Fux, welcher in der Fremde sich befindet, schon seit 15. October 1894 keine Nachricht erhalten hat, was in ihm Besorgnis erregt und ihn befürchten lässt, dass demselben ein Unglück zugestoßen oder derselbe das Opfer eines Verbrechens geworden sei, da er früher fast jeden Monat geschrieben hat. Derselbe war bis zum 15. October 1894 bei dem Spenglermeister Ignaz Kostner in Kirchdorf (Oberösterreich) in Arbeit und äußerte sich bei seinem Abgehen von dort, dass er nach Bayern oder Steiermark gehen werde. Da er bei seiner Abreise von Kirchdorf jedenfalls nicht viel Mittel besessen hat, so dürfte vielleicht bei den Naturalverpflegs¬ Stationen Oberösterreichs und Steiermarks, welche er nach dem 15. October 1894 aufsuchte, auf seine Spur zu kommen sein. Hermann Fux ist 1875 geboren, nach Neulengbach zuständig, von großer Statur, hat längliches Gesicht, blonde Haare, braune Augen und eine Narbe in der Nähe des linken Auges. Kleidung ist unbekannt. Infolge Erlasses der hohen k. k. Statthalterei in Linz vom 14. Mai 1895, Z. 789/I, ergeht hiemit der Auftrag nach demselben die entsprechenden Nachforschungen zu pflegen und ein positives Resultat anher mitzutheilen. Steyr, am 29. Mai 1895.

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