Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1992

UNTERHALTUNG Samoa, das Herz der Südsee Wo Louis Stephenson „Die Schatzinsel" schrieb .. Von Franz Braumann Der Name „Südsee" weckt bei den meisten Menschen die Vorstellung von weißen Palmenstränden, endlos blauem Meer und ewigem Sonnenschein. Daß dieses Bild nicht immer stimmt, mußte ich bereits auf den FidschiInseln erfahren, als mich ein Zyklon drei Tage lang festhielt und jeden Flug-, Schiffs-, ja sogar Autoverkehr auf der Insel unmöglich machte. .Es gab in den schwarzen Nächten keinen Strom, weil die Metallmasten der Stromleitungen wie Rohre geknickt worden waren und entwurzelte Riesenbäume den Verkehr auf den Straßen versperrten. Die Regenfluten schleierten wie Sturmbäche nieder, und das nächtlicheWogenschäumenim Sturmgeheul verscheuchte jeden Schlaf. Aber nach drei Tagen landete ich doch verspätet auf dem Flughafen Faleolo der Insel Upolu auf West-Samoa. Die Inseln des Samoa-Archipels bezeichnen sich als „das Herz der Südsee". Räumlich stimmt dies ungefähr, denn Samoa liegt von Austraiien 4000, von Hawai 3700 und von der Westküste Südamerikas 7000 Kilometer entfernt in der Unendlichkeit des Großen oder Stillen Ozeans. Wer eine Weltkarte oder den Globus betrachtet, dem scheint der Ozean übersät von Tausenden Inseln. Fliegt man jedoch darüber hin, begrenzt nur die Linie des blauen Ozeans viele Stunden undhalbe Tage lang alle Horizonte. Gleich beim Verlassen des Flughafens schenkte mir die junge Abgesandte des samoanischen Reisebüros zum Empfang einen Kuß auf die Wange und hängte mir um den Hals einen Kranz weißer, duftender Frangipaniblüten. Auf der Fahrt zum Aggie-Greys Hotel in Apia, der Hauptstadt der Insel, gab es noch eine fröhliche Begrüßung auf dem weiten Kinderspielplatz. Meine 3 Begleiterinwies auf die rosarot gefärbte Kirche mit den Doppeltürmen: ,,Papst Paul VI. feierte auf seiner Weltreise 1970 in unserer Basilika Sankt Anna einen Gottesdienst. 60.000 katholische Samoaner füllten die große Kirche und den weiten Platz davor. Kein Samoaner vergißt diesen herrlichen Tag!" Mir waren schon die kilometerweiten Plantagen von Kokospalmen aufgefallen. Nun fuhren wir an einem Steinmal mit deutscher Inschrift vorüber. Die freundliche dunkelbraune Samoanerin klärte mich auf: ,,Dieses Denkmal errichteten die Deutschen, als sie 1900 den Schutzvertrag mit dem Fürsten von Samoa abschlossen ." Damals hatte das Deutsche Reich im allgemeinen Wettlauf der europäischen StaatenzurSüdsee die Inseln von West-Samoa als „Schutzgebiet" übernommen. Bis zum ersten Weltkrieg blieb Samoa deutsche Kolonie. Dann besetzte Neuseeland die Inseln. 1962 wurde West-Samoa mit 160.000 Einwohnern der erste unabhängige Südsee-Staat. Die Inseln von Ost-Samoa, heute Pago-Pago, sind jetzt noch als Marine-Stützpunkt im Besitz der Vereinigten Staaten. Ich wunderte mich: ,,Sie behielten das Kolonialdenkmal auch noch, als die Deutschen längst vertrieben worden waren?" Die Samoanerin nickte: ,,Wir verdanken den Jahren unter deutscher Herrschaft sehr viel. Eine Hamburger Plantagen-Gesellschaft legte die ersten Kokosnuß -Wälder an, die heute noch unser wichtigstes Ausfuhrprodukt Kopra liefern. Damals wurden die Erträge auf Samoa selber wieder zur weiteren Urwaldrodung, für Spitalund Straßenbau angelegt. Als dann die Neuseeländer herrschten, zogen sie 33

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