Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1990

So mußte Dominik von neuem begin– nen. .,Alles ist mir schlecht ausgegan– gen. Ich habe mich ins Gelächter ge– bracht, und Peter braucht wohl meinen Rat nicht mehr." .,Und jetzt hast du dich anders beson– nen?" sagte sie ruhig. „Ja, Marianne - seit ich weiß, daß du einmal lang auf mich gewartet hast." Ein sonderbar spätes Geständ– nis, schien es ihm. Er fühlte bei ihrem Schweigen sein Herz immer schwerer werden. Er fing von neuem an: .,Nicht alles wird mehr so sein, wie damals, Marianne - aber das wichtigste doch! Es kommt auf dein Wort an!" Die Frau blickte ihnan. ,,Keine Stun– de bringt das Wort, das du meinst, wie– der zurück. Mir ist genug an Glück ge– schenkt worden - und ich und meine Kinder, wir gehören für immer zu– sammen." Dominik las im Blick der Frau etwas Unwiderrufliches. Er mußte sich ab– wenden und starrte wortlos auf den Tisch. Sie erhob sich und legte ihm leicht ihre Hand auf die Schulter. .,Ich sage nur, was schon lang gewesen ist. Aber deinEinfallistnureinen Tag alt, Domi– nik." Sie zwinkerte ihm zu, als wäre alles nur ein heimlicher Spaß, den sie einvernehmlich spielten. Ihr tröstli– cher Blick berührte ihn so sehr, daß er seine Augen feucht werden fühlte. Er fuhr verstohlen darüber. ,,Du hast ja doch alles in deinen Au– gen - das Lachen und dasWeinen!" Sie blinzelteihmdabeiheiterzu. ,,Auch die Weisheit kommt noch!" Glockendunkel schlug die Wanduhr an. Wenn Dominik jetzt zum Abschied kerzengerade vor der Frau stand, war er doch ein wenig kleiner als sie. Er fand ein Lächeln wieder. ,,Größer bin ich nicht mehr geworden - nur dümmer!" Sie erkannte seine hundert Lachfält– chenwieder, die sie einst anDominik so sehr angezogen hatten. Jetzt schmerz– te auch sie ein Ziehen im Herzen. Es fiel kein weiteres Wort mehr. Dominik ging zur Tür und wünschte eine gute Nacht .. . Dominik traf daheim vor demAdam– hof noch mit Peter zusammen. Sie sprachen kein Wort, bis sie sich in der Stube gegenüberstanden. 48 Dominik war auf dem Weg durch die Nacht viel durch den Kopf gegangen. Alle Gedanken kreisten um die heimli– che Brautschau, von der länst alle ge– wußt hatten. Auch Peter mußte davon wissen. Aber wenn auch er gemeint hatte, der alte Bauer suche für sich noch eine junge Frau und Bäuerin - dannwar jetzt doch alles anders! Peter wollte also nur weichen vor den Plänen des alten Bauern! ,,Willst du uns wirklich verlassen! " fra gte Dominik gerade heraus. ,,Wenn auch Barbara geht , bin ich allein." Peter drückte an seiner Antwort. Er hatte doch Dominik immer wie einen Vater verehrt. ,,Bald wird eine junge Bäuerin auf dem Adamhof das Regi– ment führen!" murmelte er. Dominik konnte wieder lachen. ,,Ich will dir alles erzählen, Peter. Aber bring zuerst einen Krug Most aus dem Keller!" Sie saßen bis über Mitternacht bei– sammen. Allmählichwurden sie zuein– ander wieder wie Vater und Sohn. Als Peter alles erfahren hatte, fragte der Bauer: ,,Wenn du selber schon eine Braut'hast, wie heißt sie denn?':, „Marianne vom Joggl drübern Berg", gestand jetzt Peter. Dominik fuhr überrascht empor. ,,Die junge Marianne?" Peter wunderte sich. ,,Doch nicht die alte Bäuerin!" .,Dann ist alles gut!" seufzte Domi– nik tief und erlöst auf. ,,Und wenn ihr mit der Hochzeit noch zum Mai zu– r e chtkommt, kannst du auch am glei– chen Tag den Adamhof übernehmen." Während Dominik langsam die Stu– fen zur Schlafkammer hinaufstieg, murmelte er schwer vom Most : ,,Was sagst du nun, alter Adam - dein Kind könnte die Braut sein, wenn du damals klüger gewesen wärst!" In sein Leben schimmerte ein neuer Glanz herein.ImGeist saher schon fro– hes, junges Leben das Haus seines Al– ters erfüllen. Die Kinder schaukelten auf den Knien des Dominik und öffne– ten ihm ihre Herzen so, als hätte er einst in seiner Jugend sein Glück nicht versäumt. Er nickte von neuem: .,Was sagst du nun, alter Adam - findet sich nicht alles wieder - das sich liebt .. .?"

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