Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1970

für ANTONIO Vo11 Fra11z Bra uma1111 Üb er den Flugplatz von Natal in -.Brasi li en lief eine kleine, schwarze Ges.al t mit wehender Soutane. Das weite Flugfeld mit den Beton.pisten lag leer in der glutenden Sonne des späten Nachmittags. Nur am Ende der Rollbahn für de n Abflug stand ei ne schlanke Cess na - Maschine. Als Pedro, der Pilot, zum Einst ieg ,·mpo rkletterte, fiel ihm der Mann auf. Et wisd~te mit seiner ölversclunii er;ten Ha nd den Schweiß aus seiner Stirne. Ein verspäteter Gast, der sich noch im letzten Augenblick zum Flug auf die „Jlha do Sal ", die k lein e Salzinsel weit draußen im Atlantik, entschlossen hat te? Wie gut, daß Pedro heute nur einen Fluggast hatte - mehr als zwei fanden in dem kleinen Vogel nicht Platz. Auch die Flugsicherung mußte den Mann gesehen haben, der vo rschrifts - widrig qu er über das Flugfeld rannte. Als sich Pedro in seinem Führersitz das Sprechg-erät über den Kopf gehängt hatte, hörte er sich angerufen: ,, Hallo, wer kommt auf Sie zugelaufen? Sie sind sta rtbe reit - in fünf Minuten müssen Sie das Flugfeld verlassen haben!" Der Pilot lachte gutmütig. ,, ln fü11f Minuten sehen Sie nich t einmal den Schwanz meiner Maschine mehr! " Jetzt war der Mann, ei n junger, schmäd1tiger Padre, he ra n. ,, Sie flie ge n nach Ilha do Sa]?" fragte er keuchend vo n unten herauf. ,. Das müs se n Sie wohl wissen, Padre!" knurrte Pedro nicht unfreundlich . „Eigentlich sollte ich bereits in der Luft sei n! " Der Geistliche kletterte da s Aluminiumleiterd, en empor. Al s er den leeren Sitz nebe11 dem Fluggast sah, atmete er erl ei chte rt auf . ,, Jetzt ka nn noch alles gut werden , wem1 Si e mich üb erhaupt mitnehmen, Senhor. Ich bin Padre Anrt,nio. der Pfarrer von Uha do Sal." Der Pilot starrte entgeistert auf den neuen Fluggast. ,,Sie haben keinen Flugschein, Padre·? Steigen Sie schnell wieder aus - mein Chef würde mich sofort en tlassen, wenn ich i emand umsons t mitnehme." Antonio erhob sich zögernd. ,. Es geht um Jeronimo Chuncha, den al ten Haclendero. ln Natal erhi elt ich den Funksp rud1: Chun cha im Sterben - Padre Anto11io sofort zurückkehren! Ich besuchte eben meinen Bischof ; mein Schiff fährt erst übennorgen. Ich sah die Cessna und lief zu Ihnen." Man konnte sehen, wie Pedro mit sich kämpfte. ,,Haben Sie überhaupt Geld, um den Flug nachl1er zu bezahlen?" Als der arme Inselpries ter den Kopf schüttelte, drän5rte er: ,, Steigen Sie aus!" Der andere Fluggast sdlien ein reid1er Südbrasilianer zu sein und wa r von dem verschwitzten, braunhäutigen Pater weggerückt. Die Flugsich.erung rief an: „Noch eine Minute, dann dürfen Sie ni cht mehr starten! " ,, Hinaus, Padre, schnell hinaus! " wandte sich der Pilot zurück. ,, Zum Teufel. starten Sie endlich!'' fluchte jetzt der reiche Fahrgast. ,, Soll ich hier in dem heißen Kaff noch eine Nad1t bleiben? Ich werde auch den Flug für Antonio mitbeza hlen!" Pedro drückte auf den Starter. ,,Bereit zum Abflug! " schrie er in di e Sprechmuschel. Der Propeller bega nn zu surren und ging in hohes Summen über. Der weiße Vogel begann zu rollen, hob sich sd1wankend und ließ den Boden mit den grauen Baracken am Rande der dunstschimmernden Stadt unter sich zurück . Eine leichte, elegante Kurve, dann taud1t/e in einem satten Blau der endlose Atlantik herauf. Die Cessna flog in milchigen Himmelsdunst hinein - Richtung Ilha do Sal. Jetzt erst fand Padre Antonio Zeit , seinem Wohltäter zu danken . ., Muito

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