Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1968

Peter Wald: Der Gast auf dem Barhocker madtte ein Gesidtt wie sieben Tage Regenwetter. ,, Was is t los?" fragte der Mixer. ,,lcJ1 bin ein Pedtvogel !" erklärte der Mann. ,,Ein Ped1Vogel? Wieso das?" wollte der Mixer wissen. Sein Gast seufzte: ,,Ja, sehen Sie , vor zwei Monaten starb mein Großvater und :hinterließ mir 20.000 Mark." „Aber das ist dodt luin Pedt, " meinte der Mann hinter der Th ehe. ,, Eigentlidt nidtt, " kam es zurüdi. ,, Aber im vorigen Monat starb meine Tante. Da erbte idt 30.000 Mark .. ." „Donnerwetter," staunte der Mixer. ,,Sie sind ja ein wahrer Glüchspilz, mein Freund." ,, Von wegen Glüdispi/z," erwiderte sein Gast bitter, ,,ein Pedtvogel bin idt. Denn sehen Sie, diesen Monat ist doch schon der Fünfzehnte - und bis jetzt ga b es nodt keinen Pfennig!" Karl Springenschmid: Sdlmierioes RenbeJoous Gestern waren wir drüben eingeladen, liebe Menschen, unsere Nachbarn: Er, Kajetan Kraikl, Obennonteur in der Maffei 'sehen Lokomotivenfabrik, fast zwei Meter hoch, alles an ihm Kra ft.- Angst kö1111te man haben, wenn er mit seinen riesigen Händen das Kleine, drei Monate alt, aus dem Bettchen hob! - Sie, Elli, seine Frau, klein, zierlich, wie Spielzeug, so zart neben ihm, betont zurückhaltend in allem. Immer läßt sie ihm das Wort. Sie war in erster Ehe mit einem Korvettenkapitän verheiratet. Das Bild hängt in der Stube, frische Blumen aus dem Garten davor. Als dann die beiden Buben, ihre Buben, wie sie sagte, der elfjährige Klaus, ,~er zwölfjährige Dieter - beide za rt nnd ei n wenig sommersprossig wie die Mutter - in die Dachstube schlafen gegangen waren, fragten wir, d. h. meine Frau - völlig überflüssig natürlich - wie sie sich denn eigentlich gefunden l1ätten, da sie doch so ungleid1 wären. 1Als ob sich nidlt das Ungleiche leichter fände als das Glcid1e). Der Mann hatte sofort die Antwort bereit : ,, Bei einem Rendezvous!" Reizend, wie die kleine Frau errötete: „ Aber Kai, das kann man doch nicht Rendezvo us nennen! " Er: ,,Natürlich war es ein Rendezvous, was denn sonst?" Sie: ,, Nein. Kai, eher ein . . . . eine Vorstellung! " Er lachte gewaltig : ,, Eine Vorstellung nennst du das, Lilli? Na gut. Aber für mich war es doch ein Rendezvous und was für eines ! Das schwierigste, das es f~r ei nen„Mann geben kann! Hören Sie, Nachbar! 43

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