Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1955

Baumbs ein Loch außgehohlet und dasselbige mit angezognen Bild der Freundschafft Christi zu verehren hineingesetzt; worüber ihme sein schwärer Zustand vor ein= und allemal verlassen. Ob er Sertl schon der Meinung waren die Andacht in höchster Geheimb zu üben so machete doch Gott das auch andere von Steyer und anderer Orthen dardurch innerlich entzündet und in gleiche Andachts= Uebung angeflammet wurden und dieses zwar auch bald Anfangs als noch das Bild der Freundschafft Christi allein gewesennach Außstellung des Waxenen Kinos aber hat gleich ein mehrerer Zugang sich von selbsten gezeiget welcher täglich zugenommen wie in nachfolgenden voll¬ kommener zuersehen sein wird“. Dies ist die Geschichte von Ferdinand Sertl, Thurnermeister in Steyr, der sich erst ein Bild der Dreifaltigkeit und hierauf eine Wachsfigur des Jesukindes, das ihm Schwestern vom Cölestinerinnenorden in Steyr geschenkt hatten, um vor ihnen in einer abgeschiedenen Gegend, an der Arbeitsstätte des Abdeckers, seine private Andacht zu verrichten. Den Bericht von dem all¬ mählichen Bekanntwerden des Gnadenortes bereichert Pater Ambros mit nach einer Betrachtung folgender sonderbaren Geschichte; deren Wortlaut — der Barmherzigkeit Gottes und der Menschwerdung, wodurch auch der ärgste Sünder vor der ewigen Verdammnis bewahrt werde — ist: „Und gebrauche vor eine Prob einig und allein die wunderbahre und Gnaden =volle Entdeckung oder (also zu reden) offentliche Außkündigung unsers Baum des Lebens welche laut dem von Herrn Raphael von Haagen edlen zu Freyen =Thurn ( beeden Rechten Doctor, Kayserl. Com. Palatin.?) und des Closters Garsten dazumahlen Hoffrichter Gottseeliger Gedächtnus Anno 1699 in dem 21. May aufgerichten Eydlich außgesagten Geschichts¬ Instruments, solcher gestalten geschehen. Soldaten unterm Hoch =Gräfl. Es ligeten im angezognen) 1699. Jahr Ernst Rudinger Starnbergischen Regiment zu Fuß und Leib =Compagnie 7 zu Steyer in Quartier; unter andern schreibete sich einer Bernhard Mönich seines Alters in dem 49. Jahr/ Lutherischer Religion disem kommete öffters in dem Traum vor ein kleines Christ =Kindl) und ob es ihm schon von dem dicken Schlaff seiner von der lieblich = singenden Sirenen der Lutherischen Ge¬ wissen =Freyheit eingeschlaferten Seelen nicht gleich aufferwecket so müste doch der Leib durch eine merckliche Alteration seine Ruhe unterbrechen. Eins¬ mahls war ihme bey dieser Erscheinung als ob er nach erhaltenen Abschid wäre loß worden und sich an jenes Orth allwo das JEsus =Kindl verehrt wird begeben hatte daselbst ein Einsiedler worden allda wohnen auch zu seiner Unterhaltung bey Steyer herumb das heilige Almosen samblen solle; worüber er sich bey seinem Hauß =Herrn Johann Gotthart Seidel Burgern zu Steyerallwo er im Quartier gelegen angefraget) ob nicht ein Christ¬ kindl unweit der Stadt sehe; und weilen diser mit ja geantwortet) auch die Gegend angezeiget versaumbete gedachter Soldat keine Zeit) sich ganz allein an jenes Orth zu begeben findet auch ganz glückseelig das Liebe Kindl Gottes erkennete noch glückseeligerdaß diß in dem Baum eingehackte stehende 7 Christ =Kindl das Creutz und die Dörnere Cron in den Händen haltend) eben dasjenige sey so ihme in dem Schlaff vorkommen und was das allerglück¬ seeligste erwachete er bey dessen ersten Anblick von seinem bißhero Ketzeri¬ schen Glaubens= Schlaff und sahe die Blenderei seines Glaubens und die Wahrheit des Katholischen also Hand= greiflich das er seinen Irrthumb zu verlassen ohne Verzug sich dem Gnaden =Kindl eyfrigst verpflichtet; zumahlen er auch im Fest der Bekehrung des heiligen Pauli sein Leben bekehret und nach schuldiger Vorbereitung die Glaubens Bekanntnus in den Händen des Ehrwürdigen P Ambrosij Ord. fr. minorum S. Francisci bey dem Hoch =Altar ihrer Kloster =Kirchen höchst =aufferbäulichst abgelegt.“ 95

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