Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1949

Die Tätigkeit der Stadiverwaltung seit Kriegsende Bürgermeister Leopold Steinbrecher Als am 5. Mai 1945 amerikanische Streitkräfte Steyr besetzten, wurde die Stadtverwaltung sogleich von einem Militärgouverneur übernommen und 4 Herr Franz Prokesch nach Fühlungnahme mit den Komitees der demokra¬ tischen Parteien zum Bürgermeister bestellt. Mit der kurze Zeit darauf erfolgten Besetzung des am rechten Ennsufer gelegenen Stadtteiles durch russische Truppen wurde der Verkehr zwischen den Stadtteilen links und rechts der Enns gänzlich unterbrochen. Hiedurch wurde die Errichtung einer eigenen Stadtverwaltung „Steyr=Ost“ unter Bürger¬ meister Hans Kahlig notwendig. Die Zweiteilung der Stadt währte bis zum Abzug der russischen Truppen am 27. Juli 1945. Es würde den Rahmen dieses Aufsatzes weit überschreiten, wollte man die Schwierigkeiten schildern, die es schon in der allerersten Nachkriegszeit zu meistern galt. Zahllose Flüchtlinge aus den Ostgebieten, Tausende von Fremd¬ arbeitern, KZlern und rückflutendes Militär überschwemmten die Stadt und verlangten von den Ortsbehörden Brot und Unterkunft. Die Zahl der zu ver¬ pflegenden Personen belief sich in dieser Zeit auf 75.000. Bei den ersten freien Wahlen für den Nationalrat, Landtag und Gemeinde¬ rat am 25. November 1945 übten von den 17.133 Wahlberechtigten 16.473 Personen (95,65 %) ihr Wahlrecht aus. Es entfielen (56,2 auf die SPOe. 9134 Stimmen %), %) und (32,2 auf die OeVP. 5210 Stimmen 11,6 %). auf die KPOe. 1868 Stimmen Die 36 Gemeinderatsmandate wurden in Angleichung an die Wahlergeb¬ aufgeteilt: nisse und durch Parteienvereinbarungen wie folgt SPOe. 20 Mandate, OeVP. 12 Mandate, KPOe. 4 Mandate. Bei der Konstituierung des Gemeinderates am 6. April 1946 wurde mit Stimmeneinheit die Wahl der schon seit der ersten Dezemberwoche 1945 amts¬ führenden Herren Leopold Steinbrecher zum Bürgermeister, Gottfried Koller und Franz Paulmayr zu Vizebürgermeistern bestätigt. Die ersten Sorgen der neuen Gemeindeverwaltung galten vor allem der Normalisierung des täglichen Lebens der aus vielen Wunden blutenden Stadt. Neben den Nahrungs= und Bekleidungssorgen der einheimischen Be¬ völkerung und der zahlreichen Stadtfremden war das dringendste Problem die Instandsetzung der durch Bombenangriffe beschädigten Straßen und Plätze sowie der Wiederaufbau des verlorengegangenen Wohnraumes. Die vordringlichste Aufgabe, die Wegräumung des durch Fliegerangriffe entstandenen Schuttes, erforderte außergewöhnliche kommunale Leistungen. Nicht weniger als 14.400 Kubikmeter Schutt waren durch diese Angriffe auf¬ gehäuft worden, eine Menge, die 29 vollbeladenen Lastzügen mit je 50 Wag¬ gons entspräche. 61

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