296 an. Auf Grund der Beschlüsse der Gemeinde¬ ratssitzung vom 30. Oktober legte die Ab¬ ordnung die Wünsche der Stadt an den Bund vor, um eine rasche Hilfe für die der Gemeinde im bevorstehenden Krisenwinter obliegenden Verpflichtungen zu erbitten. Die Gemeinde bedürfe einer provisorischen geld¬ lichen Aushilfe, für die sie dem Bunde das Kaserngebäude anzubieten bereit wäre. Die Haupteinnahmsquellen der Stadtgemeinde, so wurde wieder ausgeführt, seien die Steyr¬ Werke und die vom Bund überwiesenen Ertragsanteile. 1929 seien in den Steyr¬ Werken aber noch 6000 Arbeiter beschäftigt gewesen, während jetzt dort nur noch 1700 Arbeiter untergebracht sind. Seit geraumer Zeit habe sich die Gemeinde darauf beschränkt, im Rahmen der Hoheitsverwaltung aus¬ schließlich die gesetzlich vorgeschriebenen Aus¬ besserungs= und Wiederherstellungsarbeiten durchführen zu lassen; jede sonstige kom¬ munalpolitische Tätigkeit sei unterblieben Bundeskanzler Dr. Buresch und Bundes¬ minister für Finanzen Dr. Weiden¬ hoffer nahmen die Ausführungen der Abordnung mit großem Interesse zur Kennt¬ nis und sagten eine gründliche Ueberprüfung des Vorbringens zu. (Das war bisher das Ende aller Vorsprachen bei der Regierung Weiterhin hat sich dann nichts mehr gerührt.) 7. Steyr. Am 7. November wurde im Steyrer Stadttheater zugunsten der Winter¬ Notstandsaktion unter dem Titel „Bunter Abend“ eine Wohltätigkeitsvorstellung veran¬ staltet. Es wirkten mit Prof. Studienrat Goldbacher, der einen Prolog gedichtet hatte, den Vortragsmeister HerrKarl Presenhuber bestens zurGeltung brachte. Weiters hatten sich noch in den Dienst der guten Sache gestellt der kleine Chor des Steyrer Männergesangvereines unter Leitung des Musikdirektors A. Wein¬ chenk; Frau Jula Bayer, Frau Dei¬ enhammer=Plener, eine in Vöckla¬ bruck lebende Steyrerin, Frau Hilde Ham¬ merschlag, Dr. Sittner und eine Tanzgruppe der Frau Dr. Erna Kloucek Der Abend erfreute sich eines ausgezeichneten Besuches, so daß sein Zweck wohl erreicht wurde. Der Prolog Goldbachers ist zeit= und lokalgeschichtlich interessant und sei daher auch hier wiedergegeben: Wenn wir im Buch vergangner Zeiten blättern Die unsrer Stadt ihr Siegel aufgedrückt, Da meldet der Chronist von Schicksalswettern Von Pest und Krieg, die unser Heim bedrückt. Von Glanz und Reichtum, die entschwunden Weiß zu erzählen manches alte Buch. Viel öfter aber läßt es sich bekunden: Bei unsren Ahnen war Frau Sorge zu Besuch Heut pocht sie wieder laut an alle Türen Und tritt mit ihren wuchtigen Schritten ein. Wen ihre fahlen Hände nun berühren. Der muß ihr Notgefährte sein! Und Tausende, die harter Arbeit Lasten Ertrügen, freudig, ohne Widerstand, Sie müssen gegen ihren Willen rasten. Frau Sorge nahm das Werkzeug ausder Hand. Der Schrei nach Arbeit gellt in allen Gauen Wie nie noch, seit die Menschheit schafft. Des Rätsels Lösung endlich zu erschauen Müh'n sich die Weisesten mit ganzer Kraft. Bald wird des Winters Mantel alles decken Und neues Leid für Ungezähltedroht In kalte Stuben wirft der Winter seine Schrecken, Noch bittrer wird der Kampf ums täglich Brot. Und wir? Geht tatenlos die Zeit verloren? Der Ruf nach Menschlichkeit greift uns nicht an? Gellt denn der Hilfeschrei an taube Ohren? Ist Nächstenliebe nur ein leerer Wahn? O nein! Wir alle wollen Opfer bringen, Wie 's Sitte war in Steyr allezeit. Das alte Lied der Eintracht soll erklingen, Wenn hartes Los nach rascher Lindrung schreit. Wohlan, auch diese Feierstunde, Sie führet ja zum gleichen edlen Ziel, Und tiefer Ernst, mit hehrer Kunst verbunden Liegt heute auch im heitern Spiel. Vorderstoder. Da derbisherige Bürgermeister Bäckermeister Josef Riedler wegen Kränklichkeit seine Stelle als Bürger¬ meister und Gemeinderat zurückgelegt hatte wurde als neuer Bürgermeister Herr Mat¬ häus Pernkopf, Besitzer des Gro߬ grübergutes, gewählt. 8. Steyr. Der Christlich=deutsche Gesang¬ verein Steyr bescherte der Bevölkerung am 8. November anläßlich der 700jährigen Wiederkehr des Todestages der großen deutschen Heiligen Elisabeth von Thüringen ein Elisabeth=Oratorium mit lebenden Bildern von Heinrich Fidelis Müller. Die Auf¬ ührung fand bei zahlreichem Besuche im Saale des Kath. Gesellenvereines statt. Das Oratorium ist eine wirklich musikalische und tiefempfundene Huldigung an die liebliche Heiligengestalt, die gerade in den Tagen der Not als große Helferin der Armen ihrer Zeit wieder besondere Verehrung findet. Grünburg. Der neuernannte Vorsteher des Bezirksgerichtes Grünburg, Landes¬ gerichtsrat Dr. Wilhelm Brachmann, hat
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