Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1918

214 67. Lebensjahre und Gabriel Folite¬ kov, Infanterist des russischen JR. Nr. 200/II, im Alter von 24 Jahren. Die für das Jahr 1916 aufgelegten Zuckerzusatzkarten 800 fürObstverwertung verlieren mit diesem Tage ihre Gültig¬ keit 27. An diesem Tage starb in Neutit¬ schein Julie Seibert, geb. Domini, aus Ternberg. In russischer Gefangenschaft starb Jo¬ hann Wimmer, Besitzer des „Rosen¬ berg“=Anwesens in der Ortschaft Neu¬ stift. Mit dem Falle der Festung Prze¬ mysl war er in die russische Gefangen¬ schaft geraten. Vier Kinder trauern mit ihrer Mutter um den Vater. In Weyer starb Benedikt Hirn¬ schrott, gewesener Schlossermeister, im Alter von 92 Jahren. Zur Wiederherstellung der früheren Zeitrechnung nach Ablauf der Sommer¬ zeit 1916 wird angeordnet, daß in der Nacht vom 30. September auf den 1. Ok¬ tober 1916, und zwar um 1 Uhr nachts alle öffentlichen Uhren um eine Stunde zurückgerückt werden müssen. Ingenieur Professor Ferd. Frei¬ hofner, Leiter der k. k. Fachschule und Versuchsanstalt für Stahl= und Eisenin¬ dustrie in Steyr, wurde in die 7. Rangs¬ klasse befördert. 28. Es wird zur allgemeinen Kennt¬ nis gebracht, daß jedermann ver¬ pflichtet ist, die in seinem Gewahrsam befindlichen Vorräte an frischen oder auf rgend eine Weise konservierten Eier, oweit diese Vorräte insgesamt eine Kiste 1440 Stück) übersteigen, an jedem 1. und 15. des Monats bei seiner zustän¬ digen politischen Bezirksbehörde anzu¬ geben hat. In Neuzeug starb Theresia Neu¬ hauser, Private in ihrem 73. Le¬ bensjahre. Das Ministerium hat (aus Sparsam¬ keitsrücksichten) für die Dauer der durch den Krieg verursachten Verhältnisse jeder Art der Beleuchtung von Gräbern und Grüften auf dem Friedhofe ver¬ boten. Uebertretungen werden mit Geldstrafen bis zu 500 Kr. oder Arrest bis zu einem Monat bestraft. 29. Bürgermeister Gschaider berichtete in der Sitzung des Gemeinderates der Stadt Steyr über die Versorgungs¬ fragen Steyrs und die in dieser Hin¬ sicht seitens der Stadtgemeinde unter¬ nommenen Schritte und erzielten Ergeb¬ nisse. Die Kartoffelversorgung begegnete großen Schwierigkeiten. Die Rindfleisch¬ zufuhr hat sich in letzter Zeit durch die Regelung gebessert. Besser wurde auch September 1916. die Beschickung der Städtischen Verkaufs¬ stelle mit Butter und Eiern, wodurch ermöglicht wurde, daß an den letzten Ver¬ kaufstagen rund 3000 Parteien mit But¬ ter und Eiern beteilt werden konnten. Der Seefischbezug ist seit einigen Wochen wieder eingeführt. Durch die Zentral¬ einkaufsgenossenschaft wurden 5000 Ki¬ logramm Käse beschafft, die an die Kauf¬ mannschaft abgegeben wurden. Ebenso ge¬ lang es kleinere Mengen von Schweine¬ fett und Schweinespeck zu beschaffen und zur Verteilung zu bringen, desgleichen Pflanzenfett, sowie Hirse und Erbsen. Die im Vorjahre gekaufte rumänische Gerste, die der Gegenstand so vieler Sorge war, ist endlich angekommen. Um für den Winter vorzusorgen, wird im Keller des Realschulgebäudes eine Ein¬ lagegelegenheit für eine halbe Million Eier durch Errichtung von Betonbottichen geschaffen. Im Lagerraum in der Jäger¬ gasse befinden sich bereits 120.000 Stück, o daß rund 600.000 Stück hier einge¬ legt werden können. Es gelang die Zu¬ age der Anlieferung von 1400 Liter Milch täglich aus den Gemeinden Kron¬ torf, Hargelsberg und Lorch des poli¬ tischen Bezirkes Linz=Land zu erhalten. Alle Unternehmungen werden ersucht, die bei ihnen einlaufenden mit 31. De¬ zember 1916 im Privatverkehre außer gesetzlichen Umlauf tretenden Nickel¬ münzen zu zwanzig Heller mit Rücksicht auf den patriotischen Zweck re¬ gelmäßig an die nächstgelegene Staats¬ kassa zur Verwechslung in Eisenmünzen oder anderen Zahlungsmitteln der Kro¬ nenwährung unverweilt abzuliefern. Dr. Al. Ehrenberger in Steyr, welcher seit Kriegsbeginn als Chefarzt des Reservespitales in Steyr tätig ist, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die ärztliche Leitung dieses Spitales von Erzherzog Franz Salvator im 30 Namen des Kaisers das Ehrenzeichen 1. Kl. vom Roten Kreuze mit der Kriegs¬ dekoration verliehen. 30. An diesem Tage starb Franz Steinmair, Schuhmachermeister und Hausbesitzer in Trattenbach, im 58. Le¬ bensjahre. Die Silberne Tapferkeitsmedaille 2. Kl. wurde dem Waffenmeister Alois Wallner aus Steyr verliehen. Es starb an diesem Tage Marie Stöcker, Fabriksarbeiterin in Steyr, im Alter von 53 Jahren. Am Stadttheater in Steyr fand an diesem Tage als erste diesjährige Vorstellung die „Brückenschanze von Us¬ cieszko“ und „Freier Dienst“ statt.

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