Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1896

10 kommen, die Mannschaft hat wieder einmal eine böse Nacht nutzlos geopfert. Mit steifen Gliedern, durchfroren, daß die Zähne klappern, wird der Rückmarsch angetreten. Die armen Finanzer! Sie sind so durch¬ näßt, daß selbst der Tabakbeutel trieft und nicht einmal die Pfeife angebrannt werden kann. Sie rauchen kalt und haben lediglich das „G'stemm“ im Munde. Einige schieben etwas nassen Tabak in den Mund zum Kauen, ein kärgliches Frühstück auf einsamer Höhe. Bis die Finanzer auf den Almgrund ist von Schnapfentheja herabgelangt sind, 2. 2237 145 71 7 — Ar n P#n##1. : A. S3 r72 7 „. 140 2 2111 145 6 * Cctare 11200 20 „ 47 die Steifheit der Gliedmaßen verschwunden, dafür macht sich aber das Bedürfniß nach warmer Suppe unabweisbar geltend. Da¬ von will der Vorstand nichts wissen, er kennt die Folgen einer Inanspruchnahme von Sennerdiensten; allein den gehorsamster Vorstellungen des alten Grenzaufsehers vermag er sich doch nicht zu verschließen. Die Leute haben infolge des unerwartet befohlenen Aufbruches weder Mittag= noch Abendessen zu sich nehmen können, jetzt am frühen und bitterkalten Morgen nach einer Dienstleistung von nahezu zwei Tagen und zwei Nächten war eine kurze Rast ind warme Nahrung dringendst von Nöthen. Da außerdem auch nach dem so sonderbar verunglückten Fuchs gesehen und für dessen Verbringung hinab zur Station Anordnung getroffen werden muß, so gibt der Respicient chließlich doch den Befehl, auf der Schna¬ pfentheja Rast zu halten. Gern kocht die Sennerin den Leuten Almmus und Milchsuppe, indes der Re¬ picient sich nach dem Fuchs umsieht. Der Arme ist schauerlich zugerichtet, kaum daß er die Augen zu öffnen vermag, so gräßlich sind ihm die Backen und Lider verschwollen; der Nacken ist förmlich zerfleicht, die Lippen aufgedunsen, daß Fuchs kaum sprechen kann, und die Hände sind klumpenähnlich. Der Respicient muß das Ohr fast auf Fuchsens Lippen legen, um zu verstehen, was der böse zugerichtete Finanzer sagen will. Wie das Unglück geschah? Fuchs ist seinem Auftrag gemäß in's Jamthal ge¬ stiegen, trotz Sturm und Regen, und hat sich bis zur Moräne aufwärts geschlichen, wo er unerwarteter Weise auf einen Gal¬ türer Burschen stieß, der vom Joch kom¬ mend einen Sack herabtrug. Der verdäch¬ tige Mensch wollte Kehrt machen, blieb aber auf Anruf stehen, zumal Fuchs das Gewehr in Anschlag brachte. Auf die Frage, was der Sack enthalte, habe der Kerl akonisch geantwortet: „Wepsen (Wespen)!“ Das glaubte Fuchs natürlich nicht, riß dem Burschen den federleichten Sack von der Schulter, öffnete ihn und ein Schwarm erzürnter Wespen fuhr dem er¬ chrockenen Grenzer in's Gesicht. Der Bursche hatte ein Wespennest, dem jeder Gebirgler aus dem Wege geht. in seinen Sack ge¬ borgen und durch diese Gefangenschaft wurden die Insecten begreiflicherweise völlig wüthend. Sie überfielen in dichtem Schwarm den armen Finanzer, der bald von den urchtbaren Stichen ohnmächtig wurde. „Offenbar der Vortrab der Schmuggler!“ prach der Respicient vor sich hin. Und einer plötzlichen Eingebung folgend, fragte er laut: „Wo ist denn 's Zischkerl?“ „Sall ischt gleich nach Enk auf Galtür

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