Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1896

fügung des großen Stadtsiegels bekräftigen. Stadtgemeinde= Vorstehung Steyr, am — 18. November 1894. Der Bürgermeister: J. Redl. Der Vice=Bürgermeister: V. Stigler. 55 — Der Gemeinderath: F. Reitter.“ Der Festabend war, dem Charakter und Wesen des Jubilars angepaßt, einfach und vom An¬ fange bis zum Ende recht gemüthlich. Nebst den meisten Mitgliedern des Gemeinderathes und der Alpenvereins=Section waren der Vor¬ stand der Nachbar=Section Linz Al. Pollak und Dr. Födinger erschienen. Nach erfolgter Begrüßung der Versammlung durch Vorstand¬ Stellvertreter V. Stigler und Absingung eines Liedes hielt Bürgermeister J. Redl eine kurze herzliche Ansprache, die mannigfachen Verdienste des Jubilars berührend, und über¬ reichte demselben das Ehrendiplom. Dr. Kra¬ kowizer dankte tief bewegt für die Auszeich¬ nung. Vorstand=Stellvertreter Stigler beglück¬ wünschte sodann den Jubilar Nameus der Section Steyr des Deutschen und Oester¬ reichischen Alpenvereins und überreichte dem¬ elben als bescheidene Spende ein sehr hübsch ausgestattetes Bildniß der seinen Namen füh¬ renden Quelle am Schoberstein. Med. Dr. Spängler beglückwünschte den Jubilar in einem Sonette, wie auch die jugendliche Tochter des Messerfubrikanten Fröhlich in Tratten¬ bach in einem Gedichte in oberösterreichischer Mundart von Berlinger ihre Glückwünsche darbrachte, Zahlreich waren die Glückwunsch¬ Schreiben und =Telegramme, welche von aus¬ wärts einlangten und zur Verlesung gebracht wurden. Sehr beifällig wurde das von J. Reichl verfaßte, den gesammten Lebenslauf des Ju¬ bilars in heiterer Weise schildernde Gedicht „Seppiade“ aufgenommen. Humoristische Vor¬ träge der Sectionsmitglieder Greiner und Haller, sowie gemüthliche Conversation füllten den noch übrigen Theil des Abends aus, und es war erfreulich zu sehen, mit welcher jugend¬ lichen Frische und Fröhlichkeit der greise Jubilar sich in der Gesellschaft bewegte. Zu Wien sand am 15. December unter dem Vorsitze des Verwaltungsraths=Präsidenten F3M. Excellenz Freiherrn von Tiller die 25. Generalversammlung der Waffen¬ fabrik statt. Der Geschäftsbericht, von dessen Verlesung Umgang genommen wurde, enthält einen Rückblick auf die 25jährige erfolgreiche Arbeit dieses großen Etablissements, durch dessen Erzeugnisse mehr als hundertzwanzig Millionen Franks fremdes Geld ins Land kamen, und das an Arbeitslöhnen 54,000.000 fl. ausbezahlt hat. Der Bericht meldet des Weiteren, daß im letztverflossenen Geschäftsjahre noch eine Bestellung von 116.354 Stück Repetier¬ gewehren und Carabinern auszuführn war. wozu eine weitere Bestellung von 44.667 Stück Repetiergewehre und Carabiner kam, so daß im Gesammten 161.021 Stück zu verfertigen waren. Hievon wurden 141.259 Stück abgeliefert, wäh¬ rend 19.762 Stück, sowie weitere 26.704 Stück 111 neubestellter Waffen für das kommende Ge¬ chäf'sjahr zur Ausführung blieben. übrig Gewehren Außer diesen completten wurden noch 577.000 Bestandtheile verfertigt und an ihre Besteller abgeliefert. Trotzdem der Ver¬ waltungsrath durch die hohen Anforderungen der Fabrication des kleinen Calibers gezwungen war, bedeutende Beträge zur Anschaffung neuer Maschinen auszulegen, so erübrigte doch schlie߬ lich ein Reinerträgniß von 348.810fl. 47 kr., mittelst welchem der mit 1. Juli fällige Coupon mit 5 fl. eingelöst wurde, und beantragte der Ver¬ waltungsrath, auch den mit 1. Jänner fällig wer¬ denden mit 5 fl. einzulösen. Für den Arbeiter¬ Unterstützungsfond beantragte der Verwaltungs¬ rath eine Spende von 10.000 fl.Diese An¬ träge des Verwaltungsrathes wurden genehmigt und ihm das Absolutorium einhellig ertheilt. Dem Verwaltungsraths=Mitgliede, Vice=Präsi¬ denten Dr. Johann Hochhauser, welcher nun¬ mehr nur noch der einzige Verwaltungsrath ist, der dem Institut seit dessen Gründung an¬ gehört, wurde unter dem Beifalle der Ver¬ ammlung der Dank der Gesellschaft für dessen 25jährige ersprießliche Thätigkeit im Interesse der Actionäre ausgesprochen. In den Ver¬ waltungsrath wurden Regierungsrath S. R. v. Hahn und Johann Berger wieder=, Dr. Alois Millanich und Ferdinand Ritter v. Beyer neugewählt. Um in jenen Zeiten während welchen keine Gewehrbestellungen zu effectuiren sind, den Arbeiterstock der Fabrik entsprechend beschäftigen zu können, wurde die Fabrication von Fahrrädern eingeführt. Die bereits im ersten Betriebsjahre erzielten Resultate waren derartig versprechend, daß eine bedeutende Vergrößerung der Fabrication für das nächste Jahr beschlossen wurde, und man hofft durch diesen neuen Industriezweig der Fabrik auf Jahre hinaus lohnende und vor allen Dingen dauernde Beschäftigung zuweisen zu können. Am 15. December Abends zog über den Bezirk ein heftiges Gewitter bei starkem Sturme hinweg. In der k. k. Strafanstalt zu Garsten tödtete am 19. December der Sträfling Joses Hödl aus Rache den Mithäftling August Janutt durch einen Stich in die Brust. Der Mörder wurde in der Schwurgerichtsverhand¬ lung am 27. Februar einstimmig des Meuchel¬ mordes schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang verurtheilt, welches Urtheil, nach¬ dem Se. Majestät keine Begnadigung eintreten ließ, am 4. Mai im Wäscherhof der Straf¬ anstalt durch den Scharfrichter Karl Sellinger vollzogen wurde. Ruhig und gefaßt ertrug Hödl die Todesstrafe. Der 48 Jahre alte Steinbrecher Franz Brandstetter wurde am 19. December im Teufelsthurme bei Waldneukirchen durch einen zufällig losgegangenen Sprengschuß ge¬ lödtet. Die explodirende Ladung spaltete dem

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