Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1896

Am Attingsee. Eine Östergeschichte von Erich zu Schirfeld. denke, mich rührt der Schlag, als ich öre, mein Junge, nun lass’ mich Morgens die Bescheerung sehe. Riesenhechte aber in Ruhe mit der Geschichte und kleine Rothfedern, alte Karpfen und und merke Dir ein für alle Mal, 820 S unge Forellen schwammen massenhaft, den daß ich's nicht will. Zum Kukuk Bauch nach oben, im Wasser umher. Es Ich werde doch wohl in meinem Hause war zum Weinen. Hätt' ich ihn dabei ein Wort zu sagen haben!“ noch ertappt, er hätte so still im See herum¬ „Wenn ich nur wüßte, was Du gegen schwimmen sollen wie die armen Fische, das Mädchen einzuwenden hast. Sie ist die er gemordet hat.“ so ansehnlich, wie nur irgend Eine, wirth¬ „Du thust dem Manne Unrecht,“ ver¬ schaftlich, nicht ohne Vermögen, gesund theidigte Hans den Verdächtigten. „Er wie ein Hirsch .... wildert ganz gern, das mag sein, die „Flink wie ein Reh, sanft wie eine Leidenschaft liegt ihm im Blute wie die Taube u. s. w. Das weiß ich so gut wie Spottlust, aber schlecht, gemein handeln, Du, mein Junge. Solch ein verliebter Narr —— das kann er nicht. Vieleher glaubeich wie Du ——na meinetwegen. Gegen das „ C „Nun? Was glaubt denn mein Herr Madel hab' ich auch nichts, aber der Alte, Sohn?“ höhnte der Förster. dieser Spitzbube. Ehe Du den Schwieger¬ „Daß der schwarze Barczek die Fische vater nennst, schlage ich ihn todt, wie einen vergiftet hat. Du hast ihn damals wegen räudigen Hund.“ des Holzdiebstahls angezeigt und dafür hat Förster Stein hatte die letzten Worte er Dir Rache geschworen. Die Bauern im durch einen kräftigen Schlag seiner Faust „ Dorfe erzählen's ja ganz offen. auf den Tisch gleichsam unterstrichen und „So!“ rief der Förster. „Also die war aufgestanden. Sein Gesicht glühte und Bauern erzählen's. Na, mein Junge, dann die Augen flammten. lass' Dir von mir erzählen, daß die Bauern Sein Sohn Hans, ein junger schmucker Dummköpfe sind. Ich kenne meine Leute besser. Jäger, entfärbte sich fast vor Entsetzen. Der arme Teufel ist froh, daß er's Leben Er wußte, daß sein Vater den alten hat. Ist mir schwer genug geworden da¬ Wenzel nicht leiden konnte, noch nie aber mals, ihn anzuzeigen, aber es wurde zu er ihn so in Haß und Zorn gesehen. hatte toll mit den Diebereien, und er war der Vater, sagte er nach einer Pause, Pechvogel, den wir abfaßten. Wenn der olcher Haß kann nicht ohne Ursache „ein Wenzel ein armer Schlucker wäre, der sich Was hat Dir Leoni's Vater gethan? sein. aus purer Noth 'mal 'n Hasen holt, wollt' „Du Duckmäuser, lachte der Förster Sapper¬ ich beide Augen zudrücken. Aber — höhnisch, „als ob Du's nicht so gut wüßtest ment noch mal, er hat's nicht nöthig und wie ich. — Was er mir gethan hat! thut's nur, um mich zu hänseln. Na, lass' Schon als Junge war er mir verhaßt. nur gut sein, ich fass’ ihn doch noch 'mal Wenn er mir irgend einen Possen spielen ich Dir, und dann mag ihm der Herr¬ ge¬ konnte, so that er's gewiß. So ist's ag' gnädig sein!“ gott blieben bis auf den heutigen Tag. Die Der Förster nahm ein Gewehr aus schönsten Thiere schießt mir der Spitzbube dem Schrank, hängte es über die Schulter weg, und wenn ich denke, ich hab' ihn in rief den Hund. und der Falle, dann macht er mir eine Nase, „Du willst noch fort?“ fragte Hans lacht mich aus und geht seiner Wege. Das überrascht. Schändlichste aber war die Vergiftung der „Wie Du siehst.“ Fische im See im vorigen Jahr. Ich

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