Gemeinderatsprotokoll vom 9. Dezember 1932

- 96 - Wenn aber bisher nichts geschehen ist,so solle Schickl nicht der Gemeinderatsmehrheit Vorwürfe machen, sondern sioh an diese Leute wenden. Das Vorgehen des Herrn G.R.Schickl ist als krankhafter Zu stand zu bezeichnen, einmal verdächtigt er die jungen Mitglieder • der sozialdemokratischen Fraktion, heute wieder einzelne Abgeord nete und die ganze Fraktion der Sozialdemokraten. Diese Vorwürfe fallen aber lediglich wieder auf die Partei des G.R.Schickl zurück. Es ist ja löblich,Wege aufzuzeigen um für Steyr Verdienstmöglich keiten zu schaffen. Um Steyr zu retten genügt aber nicht der Frem denverkehr allein, es gibt viele andere Wege die zu beschreiten Bind, um Steyr zu helfen. Eine andere Handelepolitik tut not. Das Vorgehen der Regierung in handelspolitischen Fragen gegenüber RusEland muss geändert werden. Jede ajidere Regierung, so Amerika und Prankreich sind um Russland bemüht um für ihre Industrien Arbeit zu erlangen. Die österreichische Staatsregierung, die in der Mehrheit aus Ofariet1ichsozialen und Heimatschützlern besteht, hat bisher keinen Finger gerührt. Herr Schickl möge daher seine Vorwürfe dorthin wenden. Stadtrat Leopold Sohlossgangl bedauert es, dass der Ge meinderat immer wieder in den politischen Kampf hineingezogen wird. Man solle die Ausführungen des G.R.Schickl nicht missverstehen und die groBse Politik anderen überlassen. Der Gemeinderat soll sioh lediglich für die wirtschaftlichen Fragen der Stadt einsetzen, in welchem Sinne auch die Ausführungen des G.R.Schickl auszulegen sind. Redner ist ebenfalls der Ueberzeugung, dass der Fremdenver kehr Steyr nicht zu retten vermag, dass aber hiebei doch etwas zu verdienen sei. Zeitungsartikel wie sie der "Abend" brachte, sind aber dazu angetan, den Fremdenverkehr und damit auch Steyr zu schädigen. Er appeliert schliesslich an die Abgeordneten jeder Partei, in Hinkunft nicht mehr so zaghaft zu sein und bei den massgebenden Stellen mit mehr Energie für die Interessen der Stadt einzutreten.

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