Ratsprotokoll vom 2. April 1917

Kehricht abgegeben werden soll, für welche der Kübel nicht mehr ausreicht Dann wird in einzelnen Fällen von der Stadt gemeinde die Bewilligung erteilt. den Mull in Kisten sammel u dürfen, deren Inhalt nach Oeffnen des größeren, einfachen Klappdeckels in den Wagen entleert wird. Dergleichen Fälle treten naturgemäß nur selten ein, da das offene Entleeren der Kisten eine Staubentwicklung notwendig zur Folge hat. Unter edem Wagendeckel befindet sich an der Seitenwand des Wagen¬ lastens eine gut schließbare kleine Oeffnung, durch welche bei größerer Füllung des Wagens mittelst eines einfachen Werkzeuges kleine Breithaue) die Oberfläche des Kehrichts ausgeglichen und dadurch eine weitere Füllung des Kastens ermöglicht werden kann. Das Entleeren des Müllwagens wird durch Kippen des Wagenkastens besorgt. Der Wagenkasten ist als sogenannter Stirnkipper ausgebildet. Unterhalb des Kutschersitzes befindet sich eine Anteiebswelle, die durch zwei Kurbeln, welche an den beiden Wagenseiten gekuppelt werden, gedreht wird, wodurch nittelst Uebersetzung durch eine Schraubenspindel der Wagen¬ kasten um seine rückwärtige, untere Kanie gedreht wird. Gleich¬ eitig vollzieht sich durch einfachen Keitenzug das Oeffnen der Rückwand. Der Kasten wird so hoch gehoben, daß eine restlo Entleerung des Inhalis erreicht wird. Nach Herablassen des Wagenkastens wird die Rückwand durch einen Hebel geschlossen Zur Abdichtung sind Filzstreifen verwendet. Die genannten einfachen Maschinen sind an den Wagen in geschützter Lage montiert und ist eine Beschädigung empfindlicher Bestandteile durch das häusig stattfindende „Anfahren“ bisher nicht vorge¬ kommen In der Stadt Gmunden sind Kübel von 35 und 80 Liter Inhalt in Verwendung. Letztgenaunte werden hauptsächlich in Gasthöfe abgegeben. Das Material der Kübel ist verzinktes Eisenblech. Die Gefäße sind durch nach einer Zylinderfläche eformte Deckel gut verschließbar, die an der Seitenwand geführt und gefedert sind, welche Einrichtung sich bisher als betriebs¬ cher erwiesen hat. In vereinzelten Fällen ist ein Abbiegen des Gestänges insolae besonders unvorsichtiger Behandlung der kübel (Fallenlassen) eingetreten und konnte das Gebrechen in einfachster Weise von den zur Bedienung des Müllwagens be¬ stellten Arbeitern behoben werden. Zwecks Entleerung der Kübel werden diese mittelst zweier an diesen angebrachten Zapfen an den Wagen gehängt, umgekippt, zwecks vollständiger Entleerung etwas gerüttelt, dann zurückgekippt und abgehoben. Während dieses Vorganges werden Kübel und Wagendeckel selbsttätig ge¬ öffnet und geschlossen. Der am Kübeldeckel befindliche Henkel wird während des Umkippens von einer mit dem Wagendeckel est verbundenen Zange gefaßt und wird dadurch der Kübe ausreichend fixiert. Beim Abheben des Kübels löst sich die Ver¬ bindung selbst wirkend aus. Die Entleerung der Kübel geht nach Mitteilung der Stadtgemeinde Gmunden vollständig staub¬ rei vor sich und wurden die mit dem System „Kolonia“ ge¬ machten Erfahrungen als die dentbar besten bezeichnet. Abgesehen von der völligen Staubfreiheit empfiehlt sich das System durch die Gefälligkeit der äußeren Form der Wagen und Kübel und macht der Betrieb einen durchaus reinlichen und modernen Eindruck. Die Stadt Gmunden besitzt einen Kehrichtwagen und einschließlich der Reserve 1500 Kübel. Der Müll wird wöchentlich weimal (Mittwoch und Freitag) abgeführt und nördlich der Stadt in eine nächst dem Friedhofe gelegene große Mulde ab¬ gelagert. Im Sommer wird der Kehricht mit Aetzkalk desinfiziert, vas jedoch hauptsächlich deshalb notwendig ist, weil an dem Abladeplatz auch andere Stoffe, die eine höhere Fäulnisfähigkeit besitzen als der Müll, abgelagert werden. Der Abladeplatz ist hock gelegen und müssen die voll beladenen Wagen, deren Gewich ungefähr 2000 Kilogramm beträgt, die mit mehr als 10 Prozent ansteigenden Stadtstraßen hinauf befördert werden. Dies konnte bisher, obgleich auch in Gmunden kräftige (sogenannte „Hafer“¬ Pferde nicht mehr zur Verfügung stehen, ohne Schwierigkeit ge¬ chehen. In den verflossenen strengen Wintertagen wurde der Müll mittel“ Schlitten abgeführt, wobei freilich auf die Staub¬ reiheit der Abfuhr verzichtet wurde. Für den kommenden Winter ist die Beschaffung von Kusen geplant, gegen welche die Räde es Müllwagens ausgewechselt werden sollen. Zur Bedienung ind neben dem Kutscher zwei Mann erforderlich. Den Haus¬ besitzern wurden von der Stadtgemeinde die Kübel zunächs ostenlos zur Verfügung gestellt. In jedes Haus wurde je ein Kübel abgegeben. Weitere Kübel oder ein Ersatz für unbrauchbar ewordene müssen von den Hausbesitzern gekauft werden. Di leineren Kübel zu 35 Liter, welche die Stadt um 9 K ange¬ auft hat, werden um 5 K pro Stück abgegeben, die 80 Liter¬ Kübel, deren Anschaffungspreis pro Stück 22 K betrug, werder im 11 X abgegeben. Da auch in Gmunden dem Begriff „Müll¬ noch ziemlich weite Grenzen gezogen sind, wird auch dor massenhaft Papier, Schutt und dergleichen den Kübeln anver¬ traut. Einzelheiten über Wagen und Kübeln sind dem Prospekt zu entnehmen, welche die Stadtgemeinde Gmunden anher ab¬ geschickt hat Ein Vergleich der in Sakzburg, Innsbruck und Gmunden estchtigten Müllwagen und der diesbezüglichen von den Stadt¬ gemeinden abgegebenen Gutachten läßt das System „Kolonia“ als das vorteilhafteste erscheinen. Es hat gegenüber dem in Salzburg und Innsbruck eingeführten Bellanie"=System den Nachteil der geringeren Einfachheit, welcher jedoch deshalb ver¬ jachlässigt werden kann, weil er sich nach den bezüglichen Mit¬ leilungen während des Betriebes nicht äußert. Das Systen „Kolonia“ vereinigt in sich die Vorteile einer tatsächlich staub¬ reien Abfuhr und einer raschen und sicheren Entleerung der 7 Wagen. Während beim System „Bellanie“ zwecks Entleerung mehrere Klapptüren geöffnet und die im Wagen verbleibenden Reste durch Abkehren entfeint werden müssen, wird beim „Kolonia“=System durch einfaches Kurbeldrehen Kippen und Entleeren besorgt. Der Referent führt weiter aus, daß für Steyr mit seinen 1200 Häusern sich die Kosten der Kübel (80 Liter Inhalt) und er zwei Wagen — einer genüge nicht — laut des von der ltiengesellschaft der Emaillierwerke und Metallwarenfabriken Austria eingesendeten Kostenvoranschlages auf zirka 46.000 K belaufen. Bezüglich der Lieferzeit habe die Firma bemerkt, daß iese von der Blech= und Materialzuteilung abhängig sei; sie verde jedoch alles aufbieten, um die Lieferung möglichst rasch zu bewerkstelligen. Die Zahlungsbedingungen seien: Ein Drittel des Anbotpreises bei Bestellung, ein Drittel bei Uebernahme der Einrichtung, ein Drittel zahlbar nach drei Monaten, gerechnet om Tage der Uebernahme Der Vorsitzende zeigt in anschaulicher Weise an einem Modelle, bestehend aus einem Verschluße (Deckel) des Müllwagens und einem Kübel den Vorgang bei der Entleerung der Kübel in en Müllwagen, wobei sich die Größenverhältnisse so gestaltet eigen, daß durch Ansetzen des Kübels an den Verschluß Deckel) unter gleichzeitiger selbsttätiger Oeffnung vom Kübe ind Wagenraum infolge der genauen Einfügung der Mist mit der Luft gar nicht in Berührung kommt und daher keine Staubentwicklungen vorkommen können. G.-R. Mitter meint, daß der Deckel des Kübels auch ür sich allein selbsttätig=schließend sein sollte, da sonst die Kübel in den Vorhäusern und Kellern der Häuser geöffnet herum¬ tehen werden Der Vorsitzende bemerkt, daß sämtliche Vorteile in einem System nicht vereinigt werden können Sektionsantrag. Der löbl. Gemeinderat wolle beschließen: Mit Bezug auf die in dem vorliegenden Berichte niedergelegten, bei den Be¬ chtigungen der Kehrichtabfuhranlagen der Städte Linz, Salz¬ urg, Innsbruck und Gmunden gemachten Erfahrungen die Ein¬ ührung des Systems „Kolonia“ bei der städt. Kerichtabfuhr in Steyr durchzuführen. Die III. Sektion wird ermächtigt, zwei Wagen dieses Systems mit 1200 Gefäßen à 80 Liter Inhalt zu beschaffen. Die Deckung dieser Auslagen im Gesamtbetrag von rund 16.0 0 K hat vorläufig aus dem Reservefonde zu geschehen, dem der ausgelegte Betrag nach Regelung der zur Durchführung der esamten in dem bezüglichen Statthaltereierlasse vom 10 Februar 1917, Z. 71/V aufgetragenen Maßnahmen notwendigen finan¬ ziellen Vorkehrungen rückzuerstatten ist. Die III. Sektion wird beauftragt, die Kosten der Abfuhr zu studieren und vor Durchführung derselben zu berichten. Beschluß nach Antrag. Z. 15.701/17. IV Sektion. Referent: Sektionsobmann=Stellvertreter G.=R. Ludwig Binderberger. Herr 19. Ansuchen um Unterstützung aus den Zinsen Gremialkrankenkafsestiftung. der Die Eheleute Hans und Antonia Hauser haben, wie im Vorjahre, auch in diesem Jahre eine Unterstützung aus der Bremialkrankenkassenstiftung angesucht. Das Handelsgremium hat beschlossen, die beiden Ansuchen mangels Nachweises der nspruchsberechtigung abzulehnen. Sektionstrag: Der löbl. Gemeinderat wolle beschließen, die Ansuchen des Hans und der Antonia Hauser um eine Unterstützung aus den Zinsen der Gremialkrankenkassenstiftung mangels Nachweises der Anspruchsberechtigung abzulehnen. Z. 14.321|17, Beschluß nach Antrag. — 20. Verleihung der Jahresinteressen aus der Ludwig Werndl =Stiftung. Dieselben werden im Betrage von je 107 K verliehen an Leutgeb Marie, Mitteregasse 24, Hofer Josefine, Stadtplatz 46, Mühlberger Barbara, Sierningerstraße 5, Simme Johann Prevenhubergasse 2, Schertler Wilhelm, Werndlgasse 8, Danspeck¬ ruber Johanna, Sierningerstraße 75. Die zwei verbleibenden Z. 9810 — Interessenanteile werden dem Kapitale zugeschrieben. 1. Verleihung von erledigten Haratzmüller¬ Bürgerpfründen Die Pfründen von je 400 K jährlich werden nach dem Vor¬ schlage des städt. Armenrates folgenden Bewerbern wieder ver¬ iehen: Anton Freyhammer, Johannesgasse 18, Rathschüler Elise, Sierningerstraße 23, Kabelik Stephan, Bürgerspital, Pichler Franz, Sierningerstraße 23, Lutzenberger Karl, Stadtplatz 3, Schaffari Franziska, Bismarckstraße 8, Huber Julie, Berggasse 43, Dan¬ peckgruber Johanna, Sierningerstraße 75, Truhlar Franziska, 8. damberggasse 4, Steinwender Barbara, Sierningerstraße Z. 9763/17.

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