Ratsprotokoll vom 17. November 1882

Raths-Protokoll! aufgenommen am 17. November 1882 über die diesjährige XIX ordentliche Sitzung des Gemeinderathes des kk. lf. Stadt Steyr. Gegenwärtig Der Vorsitzende Herr Bürgermeister Georg Pointner Der Herr Vicebürgermeister Leopold Putz. Die Herren Gemeinderäthe Breslmayr Franz Dürrnberger Joh. Nepomuk Haller Josef Huber Leopold Jäger Anton v. Waldau Kautsch Jakob Landsiedl Anton Mayr Anton Mayr Johann Perz Mathias Peyrl Josef Redl Johann Schachinger Franz Beurlaubt ist Herr G.R. Reder Josef Entschuldigt hat sich Herr G.R. Gschaider Gustav Schriftführer Herr Gemeinde Secretär Fritz Hähnel Beginn der Sitzung 3 Uhr Nachmittags

Tagesordnung Mittheilungen. I. Section. (in vertraulicher Sitzung) 1. Gesuch um Aufnahme in den Gemeinde Verband der Stadt Steyr und Verleihung des Bürgerrechtes II. Section. 2. Rapulare über das Gefäll Erträgniß des diesjährigen Herbst Jahrmarktes. 3. Amtsbericht betreffend die Versicherung der Gemeinde Realitäten gegen Brandschaden. 4. Antrag des Armenrathes der Stadt Steyr auf Widmung einer Spende für das kk. Taubstummen Institut in Linz. 5. Gesuch des Herrn Theater Direktors Victor Berthal um Subventionirung des hiesigen Stadttheaters. 6. Commissions-Protokoll betreffend die Genehmigung der Anschaffung von Regenschirmständer in der Mädchenschule am Berg. III. Section. 7. Amtsbericht über die nunmehr durch ge-

führte Abrechnung der anläßlich der Gsangberg Regulirung aufgelaufenen Kosten. 8. Amtsbericht betreffend die eventuelle Herstellung eines Kanales in der Schlüsselhofgasse 9. Commissions Protokoll über das Ansuchen mehrerer Hausbesitzer um Herstellung eines Hauptkanales in der Sierningerstrasse und Amtsbericht betreffend die Verlängerung des Hauptkanales in der Sierningerstrasse bis zum Mehlgraben. 10. Commissions Protokoll betreffend die Vermehrung der Strassenlaternen in der Gaswerkgasse und der Directionsstrasse. 11. Zusammenstellung des Materialbedarfes für das Verwaltungs Jahr 1883. 12. Abrechnungs Ansuchen über die bei der grossen Fallenbrücke vorgenommenen Reconstruktionsarbeiten. 13. Commissions Protokoll betreffend die beabsichtigte Erweiterung der Sierningenstrasse nächst dem neuen Armenhause.

14. Amtsbericht wegen Einfriedung des Gartens beim neuen Armenhause. 15. Amtsbericht wegen Anlage der neuen Strasse auf dem ehemaligen sogenannten Fürstenfelde IV. Section. 16. Erstaltung des Präsentations Vorschlages für ein erledigtes Johann Adam Pfefferlsches Stipendium mit jährlich 64 fl 17. Vorschlag des städt. Armenrathes für Verleihung der erledigten Barbara Krenklmüllerschen BürgerPfründe mit täglich 30 xr Der Herr Vorsitzende constatirt die Beschlußfähigkeit, erklärt die Sitzung für eröffnet, bestimmt als Verificatoren für das heutige Sitzungs Protokoll die Herrn G. R. Landsiedl Anton und Mayr Johann und erstattet sodann folgende Mittheilungen:

a. Amtsbericht. - Wie bekannt, begeht unsere erlauchte Dynastie der Habsburger am 27. Dezember l. Js. das Jubiläum seines 600 jährigen Bestehens, und rüsten sich bereits alle Völker des weiten Oesterreich, diesen denkwürdigen Tag festlich zu begehen. Selbstsagend wird auch die allezeit dynasttreue Stadt Steyr nicht zurückbleiben wollen, dieses für jeden Oesterreicher erhabene Fest würdig zu feiern und erlaubt sich demnach das Amt diesen Gegenstand einem löblichen Gemeinderathe wegen geneigter Beschlußfassung in Anregung zu bringen. Steyr am 10. November 1882. Der Bürgermeister G. Pointner. Der Secretär Hähnel. Wird über Antrag des Herrn Vorsitzenden und des Herrn G. R. Johann Nepomuk Dürrnberger einstimmig beschlossen aus obigen freudigen Anlass Sr. Majestät dem Kaiser eine Huldigungs Adresse zu unterbreiten, am 27. Dezember l. Js. einen Festgottesdienst abzuhalten und die Stadt zu beflaggen. - Z. 13930

b. Z. 12056. 12518./ II An den Herrn Bürgermeister in Steyr. In Erledigung des Einschreitens vom 15. Oktober 1882. Z. 12021, finde ich zu gestatten, daß die Ersatzwahl für Viktor Stigler, dessen Wahl zum Gemeinderathe der Stadt Steyr mit dem hieramtl. Erlasse vom 20. Juri 1882. Zahl 7163 / II für ungiltig erklärt und die Vornahme einer Neuwahl für den Genannten angeordnet wurde, erst bei den nächsten Märzwahlen des Jahres 1883 vorgenommen werden dürfe. Jedoch wollen Euer Wohlgeboren den Tag der Abhaltung der Wahl rechtzeitig hieher anzeigen. Linz am I0. November 1882. Der kk. Statthalter Weber. Wird einstimmig zur Kenntniß genommen. - Z 14367. I. Section. Referent: Sectionsobmann Herr G. R. Anton Jäger v. Waldau. 1.(In vertraulicher Sitzung) Herr Josef Horetzky Gastwirth und

Besitzer des Hauses Fabriksstrasse N°. 18, 1835 geboren, verehelicht, bisher nach Drzinow in Böhmen heimathsberechtigt, ist mittelst Eingabe praes. am 7 l. Mts. unter Z. 13703 um die Aufnahme in den hiesigen Gemeindeverband und Verleihung des Bürgerrechtes gegen Erlag der Taxen eingeschritten. Diesem Ansuchen wird über Sectionsantrag einstimmig Folge gegeben. - Z. 13703. II. Section Referent: Sectionsobmann Herr G.R. Leopold Huber. 2. Laut Ausweis des städtischen Kassaamtes, war das Netto Erträgnis an städtischen Marktgefälle am diesjährigen Herbstjahrmarkt, 492 fl 68 xr: Wird über Sectionsantrag einstimmig zur Kenntniß genommen. - Z. 13039. 3. Amtsbericht. Uiber Gemeinderathsbeschluß vom 27. v. Mts Z. 12841, hat sich das Amt behufs Erhebung der Prämienhöhe für die Gemeinderealitäten falls dieselben bei der Landes-Brand Assekuranz versichert werden, mit dem hiesigen Vertreter dieser An-

stalt Herrn kk. Steuereinnehmer Michael Bolland ins Einvernehmen gesetzt und hat derselbe vorläufig beigeschlossene Uibersichtsskizze für den löblichen Gemeinderath in Vorlage gebracht. - Um die Prämien für sämmtliche Realitäten angeben zu können, müßte er dieselben erst speciell besichtigen. Zur Beurtheilung der Prämienhöhe dürfte aber die erwähnte Uibersichtskizze vollkommen genügen. Dieselbe weist nach, daß die Versicherung bei der Landesbrand Assekuranz, woselbst Gemeinderealitäten einen 25 % Nachlaß in der Prämienberechnung genießen, wesentlich billiger zu stehen kommt wie bei der Gesellschaft "Donau". Bei dem ferneren Umstande als gegenwärtig auch bei der Landes Assekuranz die Prämien jährlich gleich bleiben weil etwaige Abgänge aus den nunmehr bedeuten-

den Reservefond gedeckt werden, empfiehlt es sich wohl den Gemeinderathsbeschluß vom 9. Jänner 1880 aufrecht zu halten und die weiteren Versicherungen der Gemeinderealitäten mit der Landesbrandassekuranz abzuschliessen. Steyr am 6. November 1882. Gesehen G. Pointner mp Hähnel mp Secretär. Die Section beantragt den Gemeinderathsbeschluß vom 9. Jänner 1880 aufrecht zu halten, da den gepflogenen Erhebungen gemäß die Prämienzahlung für Gemeinderealitäten bei der Landesbrand Assekuranz Anstalt sich bedeutend billiger stellt. Herr G.R. Peyrl Josef frägt ob nicht in der Organisation der wechselseitigen Anstalten die Bestimmung enthalten ist daß bei grossen Schäden die Prämien erhöht werden. Der Herr Vorsitzende erwiedert, es sei dies allerdings der Fall nur müßte ehe eine Prämienerhöhung eintreten könnte die Prämienreserve erschöpft sein. Herr G. R. Johann Nep. Dürrnberger sagt, daß seines Wissens bei der Landes-

brandassekuranz Anstalt die Prämienreserve eine sehr bedeutende ist. Der Herr Vorsitzende theilt mit, daß die Assekuranz Gesellschaft "Donau" in einer Zuschrift ddto. 13. l. Mts. sich zu einen 10 % Nachlaß von der bisherigen Prämienzahlung bereit erklärt hat. Diesem Anboth stehe seitens der Landesanstalt der statutenmässige Nachlass von 25 % bei Gemeinderealitäten gegenüber, wonach also wie auch bei den grösseren Gemeinderealitäten bereits berechnet worden, sich die Prämienzahlung bei der Landesanstalt noch immer bedeutend billiger stelle. Dem gemäß wird auch der Sectionsantrag einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 13979. Die kk. Provinz Taubstummen Lehranstalt in Linz hat über Ersuchen des Armenrathes Steyr das hierorts zuständige taubstumme aussereheliche Kind Josefa Dunst obwohl diesel-

be keinen Anspruch auf einen Freiplatz hatte aufgenommen und empfiehlt hiefür der Armenrath Steyr dem löblichen Gemeinderathe die zeitweise Subventionirung dieser Anstalt seitens der Stadtgemeinde Steyr. Die Section beantragt die in Rede stehende Anstalt für die Zeit als das Kind Josefa Dunst dortselbst in Aufenthalt ist, jährlich mit 40 fl zu subventioniren. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 11807 5. Dem motivirten Ansuchen des Herrn Victor Berthal Direktor des Stadttheaters in Steyr um Gewährung einer Subvention von 600 fl, wird über Antrag der Section mit allen gegen eine Stimme (Herr G.R. Jakob Kautsch) keine Folge gegeben. - Z 13726. 6. Die in Folge Gemeinderathsbeschlusses vom 27.v. Mts. abgehaltene Commission in der Mädchenschule am Berg betreffs eventueller Anschaffung von Regenschirmständern, hat einstimmig sich für die Anschaffung von 11 Stck Regenschirmständer in den einzelnen Klassen vertheilt, ausgesprochen und

beantragt daher die Section diese Anschaffung mit einem Kostenbetrag von circa 35 fl zu bewilligen. Wird einstimmig zum Beschlusse erhoben. ad Z. 13772 III. Section. Referent Sectionsobmann Herr G. R. Johann Redl 7. Amtsbericht - Anliegend erlaubt sich das Amt den Abrechnungsakt über die vom Herrn Baumeister Anton Plochberger anläßlich der Regulirung der Blumauergasse in Voglsang durchgeführten Arbeiten zur endgiltigen Kenntnißnahme in Vorlage zu bringen. Der an Herrn Plochberger zur Auszahlung gelangende Restbetrag pr 1149 fl 10 xr ist durch den hiefür ins Präliminar 1882 eingesetzten Betrag von 1200 f gedeckt. Im Ganzen belaufen sich die Kosten der sogenannten Gsangbergregulirung auf 4454 fl 10 xr. Hievon wurden im Jahre 1881 be-

reits bezahlt: ffüür dieieBaGumaseilseteitraurnbegiten 3030500flfl bleibt demnach noch obiger Rest pr 1149 fl 10 xr zu bezahlen, was die Gesammt- summe von 4454 fl 10 x ergibt. - Steyr am 12. November 1882. Der Secretär Hähnel mp Der löbliche Gemeinderath wolle zu Auszahlung des Restbetrages pr 1149 fl 10 xr anläßlich der Regulirung der Blumauergasse in Voglsang zu Handen des Baumeisters Herrn Anton Plochberger bewilligen, nachdem die Ausführung und Kostenberechnung des Letzteren von Seite des städt. Ingenieurs und den Mitgliedern der Bausection als richtig anerkannt wurde. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. ad Z. 459/Ok 1882. 8. Uiber Ansuchen des Herrn August Proschenka Besitzer des Hauses N°. 15 in der Schlüsselhofgasse in Ort um Auflassung der von der Schlüsselhofgasse auf seinen Hausgrund führenden Wasserabflüsse, hat die diesbezüglich stattgehabte Commission beschlos-

sen die Genehmigung dieses Ansuchens zu befürworten und zu empfehlen, daß beim Hause Schlüsselhofgasse 27 über die Strasse ein Rinsal gepflastert und von da ab längs der Gartenplanke bis zur unteren Ecke des Hauses N°. 16 eine gepflasterte Wassermulde von circa 20 Meter Länge und in Fortsetzung derselben bis zum Kanalgitter beim öffentlichen Brunnen ein Kanal von 26. Meter Länge im Gesammtkostenbetrag von 237 fl 50 x hergestellt werden möge. Die Section beantragt, es sei die Herstellung dieses Kanales mit einem Gesammtkostenvoranschlag pr. 237 fl 50 xr, und die Einstellung dieses Betrages in das Präliminare 1883 zu bewilligen. Die Vergebung dieses Kanalbaues ist sodann im Jahre 1883 im Offertwege zur Ausschreibung zu bringen. Wird vom Herrn F. R. Josef Haller unterstützt, einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z. 7911. 9. Wie bekannt wurde in der letzten

Gemeinderaths Sitzung beschlossen, über das Ansuchen mehrerer Hausbesitzer in der Sierningerstrasse um Herstellung eines Hauptkanales daselbst bis zum Hause Cons. N°. 375, eine Commission abzuhalten um sich von der etwaigen Nothwendigkeit dieses Kanalbaues zu überzeugen. Die diesbetreffende Commission wurde am 7. d. M. abgehalten und hiebei constatirt, daß die besagte Kanalherstellung keineswegs ein dringendes Bedürfniß sei, was schließlich auch die Gesuchsteller selbst zugeben. Dagegen überzeugte sich dieselbe Commission von der dringenden Nothwendigkeit den bereits in der Sierningerstrasse bestehenden Hauptkanal bis zum Mehlgraben zu verlängern. Die Section beantragt demnach nur den letzteren Kanalbau zu bewilligen, hiefür die Summe von 350 fl ins Praeliminar 1883 einzustellen und die diesbezüglichen Arbeiten im Offertwege zur Ausschreibung zu bringen. Wird vom Herrn Vicebürgermeister und

Herrn G.R. Franz Breslmayr unterstützt, einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 14020. 10. Am 7 l. Mts. 6 Uhr Abends wurde betreffend der vom Herrn G. R. Anton Mayr in Anregung gebrachte Vermehrung der öffentlichen Laternen in der Gaswerkgasse und beim Objekte VI, die Commission abgehalten. Dieselbe überzeugte sich, daß eine Vermehrung der Strassenlaternen sehr nothwendig ist und empfiehlt in der Gaswerkgasse und beim Objekt VI je eine öffentliche Laterne neu aufstellen zu lassen. Ausserdem erklärte die Direktion der Gasanstalt in zuvorkommenster Weise, sie werde die im Hofe befindliche Controlslaterne zur Gaswerksgasse versetzen lassen, wodurch dortselbst die Beleuchtung eine wesentlich bessere wird. Die Aufstellungskosten wären von Seite der Gasanstalt und die Brennkosten für die beiden neu herzustellenden öffentlichen Laternen

seitens der Gemeinde zu tragen. Die Section stellt den Antrag zur besseren Beleuchtung der Gaswerkgasse und der Direktionsstrasse die Brennkosten für die erforderlichen zwei neuen Gaslaternen bewilligen und mit der Durchführung der Aufstellung derselben, die Bausection zu betrauen. Die Aufstellungskosten sind von Seite der Gasanstalt zu bestreiten. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - - Z. 13375. 11. Der Materialbedarf für das Verwaltungs Jahr 1883 wurde vom städt. Bauamte zusammen gestellt, wie folgt: Lärchene Brückenstreu 1252 Stück 2.484 fl - Lärchene Streifbäume 13 Stück 62 fl 50 x Lärchene Geländerbäume 50 Stück 325 fl 2 x Weiche Endsbäume 10 Stück 350 fl - Lärchene Endsbäume 10 Stück. 57 fl 40 x Schnittmaterial (verschiedenes) 610 Stück 198 fl - Lärchenfloßholz 15 Stück 178 fl 50 x Ziegelmaterial (verschiedenes) 14000 Stück 292 fl - Kanal Deckplatten 5 Fuhren 45 fl - Weißkalk 100 Metzen 100 fl - Summa 4072 fl 42 x Die Section beantragt diese Materialbeschaffung zu bewilligen hiefür die Sum-

me von 4072 fl 42 xr pro 1883 zu präliminiren und die Beistellung des Materiales unter den bisherigen Bedingungen mit den Schlußtermin den 11. Dezember 1882 im Offertwege zur Ausschreibung zu bringen. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z. 13118. Bei diesem Anlasse macht Herr G.R. Peyrl Josef aufmerksam, daß namentlich auf der Ennsbrücke die Streubäume an den Enden ungleichmässig zu liegen, kommen und dadurch Lücken entstehen, welche namentlich Kindern sehr gefährlich sein können, wie er sich unlängst selbst überzeugt hat. Herr G. R. Kautsch Jakob bestättigt diese Wahrnehmung und ersucht um Abhilfe. Herr G. R. Haller Josef erklärt dies dahin, daß die Streubäume sich manchmal verschieben. Der Herr Vorsitzende verspricht diesbezüglich Abhilfe zu schaffen. Herr G.R. Haller Josef wünscht, daß die Wachmänner sobald sie einen sol-

chen Uibelstand bemerken oder wie dies jungst der Fall war, darauf aufmerksam gemacht werden, hievon dem Amte Meldung erstatten sollen. (Herr G. R. Haller Josef verläßt den Saal) 12. Referent Herr G. R. Redl Johann theilt mit, daß bezüglich der heuer bei der grossen Fallenbrücke vorgenommenen Arbeiten, seitens des Herrn Zimmermeisters Franz Stohl 3 Rechnungen vorliegen, und zwar über die offertmässig übernommenen Arbeiten mit 301 f 76 xr mit 22 % Nachlaß, für Fundamentaushub und Anschüttung über bauämtlichen Auftrag mit 27 fl und über die in Folge des bekannten Uferdurchbruches gemachten Arbeiten mit 391 fl 35 xr Nachdem aber diese Angelegenheit seitens der hohen Statthalterei noch nicht entschieden ist, so beantragt die Section Herrn Gesuchsteller Franz Stohl vorläufig nur die erste Rechnung mit 301 f 76 xr nach Abzug des offerirten 22 % gen Nachlasses, und die zweite Rechnung mit 27 fl zur Auszahlung anweisen zu lassen. Her G.R. Peyrl Josef frägt wie es sich

mit der diesbezüglichen Abrechnung mit Herrn Baumeister Alois Menhart verhalte. Der Herr Vorsitzende theilt mit, daß er denselben eine Theilzahlung von 210 fl angewiesen habe, seine Restforderung jedoch bis zum Herablangen der hohen Statthalterei - Entscheidung offen bleiben müsse. - Wird einstimmig genehmigend zur Kenntniß genommen. Hierauf wird der Sectionsantrag ohne weitere Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. (Herr G.R. Haller Josef kehrt in den Saal zurück.) 13. Auf Grund der von den Haus und Grundbesitzern Simon Knoll N°. 156 und Karl Gallhuber N°. 154 in der Sierningerstrasse gemachten mündlichen Anbothe hinsichtlich der Grundabtretung zur Strassenerweiterung von den obigen Häusern wurde vom Bauamte ein Strassenerweiterungsplan ausgearbeitet und fand am 7. l. Mts. die betreffende Commission statt, welche sich einstimmig mit

der projectirten Strassenerweiterung einverstanden erklärt hat und nachstehende Bedingungen mit den Grundeigenthümern vereinbart hat: Simon Knoll, Hausbesitzer ON. 156 / Consc. Nr. 450 ist bereit von der Bauarea 823/2 und Gartenparzelle 662 den zur Strassenerweiterung erforderlichen Grund in einer Breite von 10 Meter und im Gesammtflächenausmasse von 23 □Meter gegen dem der Stadtgemeinde abzutreten, daß demselben ein annäherndes Flächenausmaß von der dem neuen Armenhause gehörigen Gartenparzelle 738 längs seiner Gartenparzelle 661 zugetheilt werde, weiters hat die Stadtgemeinde die an der Strasse befindliche Gartenplanke und die Giebelmauer der zu seinem Hause gehörigen Holzlage auf ihre Kosten herzustellen resp. zurückzusetzen und zu dem Zaune zwischen der Parzelle 661 und 738, nachdem derselbe ganz neu hergestellt werden muß, die Hälfte der Kosten beizutragen.

Karl Gallhuber Hausbesitzer ON°. 154 / Cons Nr. 452 ist mit der projectirten Strassenerweiterung einverstanden und ist bereit den erforderlichen Grund von seiner Gartenparzelle 660 in einer Breite von 1.0 Meter und im Gesammtflächenausmasse von 10.5 □ Meter unter nachstehenden Bedingungen der Stadtgemeinde zu überlassen. 1. Die Stadtgemeinde Steyr hat demselben für obige Grundflächen 15 fl zu entrichten, welcher Betrag vom Verkäufer dem Verpflegsfonde des neuen Armenhauses zum Geschenk gemacht wird. 2. Die Stadtgemeinde Steyr hat die bestehende Gartenplanke längs der Strasse auf ihre Kosten zurückzusetzen, und an Anschliessung an sein Haus ein Eingangsthürl herzustellen. 3. Längs seines Hauses O.Nr. 154 ist ein gedeckter Kanal auf Kosten der Stadtgemeinde auszuführen. Ausser den von den Grundbesit-

zern gestellten Forderungen wurde von Seite der Commissionsmitglieder beschlossen, daß zur Wasserableitung längs der Gartenparzellen 660 und 662 Bauarea. 823/2 und des Grundes vor dem neuen Armenhause ein mit alten Würfeln gepflasterter Graben herzustellen sei, und längs desselben in angemessener Entfernungen Radabweiser anzubringen sind. Die Section stellt den Antrag: Der löbliche Gemeinderath wolle die nach vorliegenden Plane und nach den von der Localcommission mit dem betreffenden Hausbesitzern im Protokolle vom 7. November vereinbarten Bestimmungen projektirte Strassenerweiterung bei den Häusern N°. 154 und 156 in der Sierningerstrasse bewilligen. Herr G.R. Peyrl Josef ist mit dieser geplanten Strassenerweiterung vollkommen einverstanden nur beantragt er, daß die Herstellungskosten des neuen Gartenzauns an der rückwärtigen Seite des Gartens beim Knollschen Hause ganz auf Gemeindeunkosten geschehe, weil Herrn

Knoll durch die nun nothwendig gewordene Verlängerung seiner Holzlage ohnehin Auslagen erwachsen und er in dieser ganzen Strassenerweiterungs Angelegenheit der Gemeindesehr freundlich entgegen gekommen sei. Knoll sei schwerhörig und unbeholfen, daher er sich bei der Commission in Beisein des Herrn Bürgermeisters nicht getraut hat, obiges Verlangen zu stellen und dies erst nachträglich gethan habe. Dieser Antrag wird vom Herrn G. R. Kautsch Jakob den Herrn Referenten G. R. Redl Johann und Herrn Vicebügermeister wärmstens unterstützt. Der Herr Vorsitzende erwiedert, daß Herr Knoll sich bei der Commission zur Beitragsleistung der Hälfte der Kosten für die in Rede stehende Umzäunung ohne irgend welchen Einfluß bereit erklärt und das Protokoll unterschrieben hat. Wenn jedoch der löbliche Gemeinderath gesonnen ist, das nachträgliche

Ansuchen des Herrn Knoll zu bewilligen, so habe er für seine Person hiegegen gar keine Einwendung. Hierauf wird der Sectionsantrag mit dem Zusatzantrag des Herrn G. R. Peyrl Josef einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z. 14144 14. Amtsbericht. - Nachdem das neue Armenhaus bereits vollendet ist, so erscheint es sehr erwünscht, daß der zu diesem Hause gehörige Grund zum Schutze desselben und des Hauses möglichst bald eingefriedet werde. Das Amt erlaubt sich zu beantragen, daß diese Einfriedung aus Billigkeitsrücksichten aus Naturholz, wie bei der hiesigen Bürgerschule herzustellen wäre und dürften sich die Herstellungskosten derselben mit lärchenen Säulen, bei einer Länge von 253 Meter, auf circa 405 fl belaufen. Behufs Beschlußfassung in der obigen Angelegenheit wird das Ansuchen um Vorlage dieses Aktes an den löblichen Gemeinderath gestellt. - Städt. Bauamt Steys am 11. Novb 1882. Bogacki Gesehen Hähnel mp

Die Section stellt den Antrag die Einfriedung des Gartengrundes beim neuen Armenhause mittelst Geländern aus Naturholz wie beim Bürgerschulgarten zu bewilligen, die Herstellung dieser Arbeit im Offertwege mit dem Einreichungstermin bis 25. November 1883 5 Uhr Nachmittags zur Ausschreibung bringen lassen, und mit der Vergebung dieser Arbeit die Bausection betrauen. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 14019. 15. Amtsbericht. - In dem am 12. Oktober l.Js. mit Herrn General Director Josef Werndl über den Ankauf eines Theiles der sogenannten Fürstenfelder abgeschlossenen Kaufvertrage hat die Stadtgemeinde Steyr unter §. 7 die Verpflichtung übernommen binnen 6. Monaten von der Redtenbacherstrasse in der Richtung gegen Neulust die im beiliegendem Plane mit schraffrirten Linien ersichtlich gemachte 10 Meter breite

Strasse fahrbar herzustellen. Es wäre demgemäß an der Zeit die Ausführung dieses Strassenbaues in Angriff zu nehmen beziehungsweise dem Amte die betreffenden Aufträge zu ertheilen. Die Kosten dieser Strassenanlage werden sich nach Angabe des städtischen Bauamtes auf circa 700 fl belaufen. Steyr am 10. Novb 1882 Der Secretär Hähnel Die Section beantragt daß die in Rede stehende Strasse so weit als thunlich im Regiewege herzustellen sei. Wird einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 14141. Herr G. R. Johann Mayr frägt wie die bei Gelegenheit der Strassenanlage abzuhebende Humuserde verwendet werden wird. Der Herr Vorsitzende erwiedert, er werde dieselbe vorerst am Feld selbst anhäufen lassen und sodann je nach Bedarf weiter verfügen. Herr G. R. Kautsch Jakob meint ob man damit nicht beim Kiderlehaus den Weg welcher an der Ennsleiten zur Enns hinab gemacht werden soll, anschütten und dadurch halbwegs gangbar machen

könnte, denn jetzt werde nur Koth und Strassenmist angeschüttet daher man eher glauben kann es sei dort eine Mistablagerungsstätte, aber keine in Ausführung begriffene Weganlage. Referent Herr G. R. Johann Redl sagt, daß zu einer ordentlichen Weganlage dortselbst jedenfalls eine Pilotirung nothwendig sei, weil ohnedem alles abrutscht. Herr G.R. Haller Josef ist der Ansicht das die erwähnte Humuserde sich keineswegs zur besagten Weganlage eignet. Der Herr Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß nicht nur mit der abgehobenen Humuserde sondern mit den Feld selbst vorläufig eine Verfügung getroffen werden soll. Wird über Antrag des Herrn G. R. Kautsch Jakob einstimmig beschlossen diesen Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderaths Sitzung zu setzen. 15/2 Referent Herr G. R. Johann Redl theilt mit, daß die Section

noch ein dringendes Stück berathen habe, nämlich die Ertheilung der Bewilligung an Herrn Josef Werndl zur Röhrenlegung auf städtischen Strassengrund behufs Anlage einer Wasserleitung vom Mitterhammer längst der Blumauer und Schweizergasse in seine Villa auf den ehemaligen Hallerfeldern etc. Bei der am 14. l. M. abgehaltenen Baubewilligungs Commission erklärten die eingeladenen Vertreter der Gemeinde die beiden Herrn Gemeinderäthe Leopold Huber und Anton Jäger v Waldau unter Vorbehalt der nachträglichen Genehmigung seitens des löblichen Gemeinderathes, gegen die beabsichtigte Röhrenlegung seitens der Gemeinde als Eigenthümerin der Strassen, keine Bedenken zu haben, sobald die bestehende Kanalisirung und öffentliche Gasleitung nicht beeinträchtigt wird und der Bauherr die Haftung für etwa durch obige Röhrenlegung entstehende Schäden zu haften.

Wird einstimmig beschlossen diese Angelegenheit als dringend zu behandeln. Die Section stellt den Antrag: Der löbliche Gemeinderath wolle zur Ertheilung der Bewilligung pcto Herstellung einer Wasserleitung durch die Blumauer und verlängerte Schweizergasse in die Villa des Herrn Josef Werndl im Sinne der von den Gemeindevertretern Herrn Leopold Huber und Anton v Jäger bei der am 14. November 1882 abgehaltenen Localcommission abgegebenen Erklärung die Genehmigung ertheilen. Wird vom Herrn G. R. Kautsch Jakob unterstützt einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 13691: IV. Section. Referent: Sectionsobmann Herr G.R. Peyrl Josef 16. Auf das in Erledigung gekommene Johann Adam Pfefferlsche

Studenten Stipendium mit jährlich 64 fl, worüber der Stadtgemeinde Steyr das Präsentationsrecht zusteht, haben Gymnasial oder Fakultätsschüler ehelicher Geburt Anspruch, deren Eltern mittellos sind und das Bürgerrecht von Steyr besitzen. In Ermanglung solcher Bewerber haben auch sonst mittellose obig Studirende ehelicher Geburt Anspruch. Eingeschritten sind 3 Bewerber: Wagner Karl Bürgerssohn von Steyr Gymnasialschüler mit sehr guten Zeugnissen. Derselbe ist jedoch bereits im Besitze eines Wolfgang Pfefferlschen Stipendiums mit jährlich 100 fl Neumayr Friedrich, zuständig nach Steyr Gymnasialschüler mit guten Zeugnissen. Wurm Johann Gymnasialschüler mit sehr guten Zeugnissen, ist kein Bürgerssohn von Steyr und auch nicht daselbst zuständig.

Die Section beantragt, für die erledigte Johann Adam Pfefferlsche Studenten Stipendium mit jährlich 64 f, den am kk. Staats Gymnasium in Linz studirenden Bürgerssohn von Steyr Karl Wagner in Berücksichtigung seiner vorzüglichen Zeugnisse und der grossen Familie seines Vaters, der hohen Statthalterei in Linz, primo loco zu präsentiren. Da jedoch derselbe bereits im Genusse eines Wolfgang Pefferlschen Stipendiums mit jährlich 100 fl steht und es vielleicht nicht zulässig ist, daß er in dem Genusse eines zweiten Stipendiums gelangt, so stellt die Section den weiteren Antrag, es sei für diesem Falle der

Schüler am Gymnasium zu Ried Neumayr Friedrich Notariatskanzlistenssohn, nach Steyr zuständig, in Folge seiner guten Zeugnisse secundo locozu präsentiren. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z 11824. 17. In der Armenraths Sitzung vom 6. November d. Js. erblickte die Commission, nach genauer reiflicher Uiberlegung unter den acht Bewerbern der Krenklmüllerischen Pfründenstiftung die Bittstellerin, Post 6 der Tabelle, Maria Ringer als die dürftigste. Die Section beantragt: Der löbliche Gemeinderath wolle die Vorschläge der städt. Armenkommission, sowie der Armen Section beipflichten, und die erledigte Krenklmüllerische Pfründe pr täglich 30 xr der Maria Ringer, und die hiedurch frei werdende Zachhuber Pfründe pro Monat 7 fl einverständlich mit dem

in der Armerraths Sitzung anwesend gewesenen Mitpräsentanten hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer, an Johann Schiefermayr verleihen. Wird ohne Debatte einstimmig zum Beschlusse erhoben. - Z. 11891. Hierauf Schluß der Sitzung 5 1/2 Uhr Abends. Der Vorsitzende Georg Pointner. Die Gemeinderäthe Anton Landsiedl Joh. Mayr Der Schriftführer Fritz Hähnel

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