Zwanglose Blätter, Nr. 23, vom 4. Juni 1848

der Meisterprobe ihnen allein, ohne Einfluß eines politi= schen Kommissärs überlassen bleiben. Färber. Die Färber sprechen den Wunsch aus, daß Drucker= gewerbe nur an gelernte Drucker, nicht aber auch an ge= lernte Färber verliehen werden sollen. Die Färber schlie= ßen sich dadurch dem Punkte d. in den Beschlüssen der hessischen Gewerbetreibenden an, welcher verlangt, daß jede Gewerbtreibende sein Fach erlernt haben soll. Sie be= gründen ihr Verlangen so: die Druckerei war vor Jahren eine freie Beschäftigung, es gab nie verkäufliche Drucker= gewerbe. In älterer Zeit war der Färber, wie noch mei= stens heut zu Tage, zugleich Drucker. Drucker, die keine Färber waren, gab es nicht. Diese entstanden erst in neuerer Zeit, und da sie als solche von Farbwesen keine Kenntnisse haben, beeinträchtigen sie, blos ihre Druckerei ausübend, den Erwerb der Färber gar nicht. (Von Fabri= ken ist hier freilich nicht die Rede, gegen deren Bestand aber auch nichts eingewendet werden will). Gegen die Ver= leihung von Drucker=Befugnissen an gelernte Drucker, wird somit keine Einsprache erhoben, nur sollen Druckerbefugnisse nicht an gelernte Färber verliehen werden, denn dieser Vorgang ist nur immer ein Unterschleif. Sieht der Ge= werbtreibende Färbergeselle und der Beamte, der ihn pro= tegirt, daß ein neues Färbergewerbe der Gemeinde durch= aus nicht aufzudrängen ist, so bekommt der Geselle ein Dru= ckerbefugniß und übt unter diesem falschen Aushängschilde das Gewerbe eines Färbers mit allen Rechten öffentlich aus. So wird der Wille der Gemeinde, so werden die Gesetze und die Innungsvorschriften umgangen und der neue Drucker und der Beamte haben ihren guten Nutzen. Der Letztere hat ihn ganz gewiß. Al. Jul. Schindler. Pfefferkörner. Im Anfange unseres Jahrhunderts, der sich ebenso gestaltete, wie sich die Mitte desselben, in der wir jetzt le= ben, nur in noch großartigeren Umrissen entfaltete, lebte ein französischer Artillerie=Offizier Namens Paul Louis Cou= rier. Er war ein ebenso gelehrter als tapferer Mann und übersetzte aus dem Griechischen ins Französische eben so gewandt, als aus dem Diesseits in das Jenseits. Im Jahre 1807 befand er sich mit Napoleons Schwager, den pracht= liebenden und heldenmüthigen Mürat im Neapolitanischen der dieses Königreich an der Spitze einer auserlesenen Armee für sich, oder vielmehr für die Dynastie Bonaparte er= kämpfte. Dynastie! was ist das für ein gewaltiges Ding, daß man Völker dafür in den Tod führt, als gälte es einen Kampf für die Freiheit, für die Religion, für die Nationalität? Dynastie! ist dieser Begriff ebenbürtig mit den hohen Begriffen, die wir ihm hier an die Seite ge= stellt haben! Diese gewichtige Frage beantwortet der Fran= zose Courier in einem Briefe auf die seinen Landsleuten angeborne, leichtfertige Weise: „Liebe Cousine! (schreibt er) Sie fragen mich was wir hier treiben? Wenig: wir erjagen ein kleines Königreich für die kaiserl. Dynastie — was ist das? das kann ihnen Moet, der berühmte Koch meines gnädigsten, noch um seine Krone kämpfenden Königs sagen; Mürat pflegt nämlich diesem Manne eine gewisse Achtung zu zollen, jedenfalls mehr Achtung als mancher gediegene Arzt, Justizmann, Künstler oder Offizier von ihm genießt, — wie dieß schon bei grossen Herren zum guten Ton gehört. Neulich sagte der König zu diesem Küchen= genie: Moet! für dich ist doch gar nichts auf der Welt, als deine Familie, die du ganz allein berücksichtigest. Deine Vettern, deine Muhmen, alle deine Verwandten, sie mö= gen viel, wenig oder nichts verstehen, stellst du in der Hofküche als Köche oder Saucen=Verderber (wie es nun eben ausfällt) an und machst große, dicke Herren aus ihnen.“ „Majestät“ erwiederte ihm der Koch „es ist meine Dynastie.“ Kurfürst Joachim II., ein Verehrer Luthers, besuchte diesen Reformator einst in Wittemberg. Dem guten Luther ging es damals auch nicht besser, als vielen Andern, die nach ihm gegen den Uebermuth und die Mißbräuche der Gewaltigen auf Erden schrieben. Vor Allem war er den ruhigen Leuten die Haus und Hof, ein gutes Ge= schäft, ein einträgliches Amt oder sonst werthvolle Sieben sachen besaßen, viel zu wenig gemäßigt. Alle wünschten immer, er sollte lieber alles mit der Ruthe Sanft, als mit dem Stabe Ernst schlichten. Luthern machte das oft viel Spaß, oft wurde er aber auch recht ärgerlich, wenn es ihm so scheinen mußte, als würde den Leuten vor ihrer eigenen Freiheit bange Als ihm bei jenem Besuche auch der Kurfürst Joa= chim vorwarf, warum er doch gar so heftig gegen die Großen schreibe — antwortete Luther: „Ein weidenes Rüth= lein kann ich mit einem Taschenmesser zerschneiden aber zu einer harten Eiche muß man eine scharfe Axt haben. Bei Franz Sandböck, Buch= Kunst= und Musikalien= händler in Steyr ist zu haben: Beiträge zum Verständniß der ständischen Bewegung in den deutsch=österreichischen Provinzen. Von Alexander Jul. Schindler, Redacteur der zwanglosen Blätter. Mit einem Anzeiger Nr. 15. Verantwortlicher Redacteur Alex. Jul. Schindler; Mitredacteur F. W. Arming. Druck und Verlag von Sandböck und Haas in Steyr.

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