Zwanglose Blätter, Nr. 14, vom 4. Mai 1848

Zwanglose Blätter für Oberösterreich. Nro. Steyr am 4. Mai 1848. 14. Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das große Land! Gewiß ist es das Österreich An Siegen und an Ehren reich? O nein! sein Vaterland muß größer sein! ec. Arndt 1813. Deutsch. „Das österreichische Kabinet will die Sonder= interessen seiner Gebietstheile nicht aufgeben, es behält sich seine besondere Zustimmung zu jedem vom Bunde (zu Frankfurt am Main) gefaßten Be= schluß ausdrücklich vor, und erklärt sogar: im Falle der Beschluß mit der Wesenheit eines Staatenbundes nicht vereinbarlich er= kannt würde, dem deutschen Bunde gar nicht beitreten zu wollen. Erlassen sie mir ihnen den Schmerz, den Unwillen zu schildern den diese Erklärung bei allen Freunden der guten Sache, bei allen deutsch gesinnten Männern hervorrief. Ich fürchte sehr dieselbe wirft eine Brandfackel der Zwietracht in die Nation, die nur den Republikanern und Demago= gen am Rhein zu gut kommen wird. Die so oft wiederholte Betheuerung der deutschen Sym= pathien zeigt sich als hohle Frase, die lauten Wün= sche für deutsche Einheit waren nichtiges Geschwätz In diesem Separatismus stimmt leider auch ein großer Theil des Volkes. Daß ohne Opfer eines Theils der Souveränitäts=Rechte und Partikular= Interessen kein inniger Staaten= und Völkerbund möglich ist, diefe einfache Wahrheit scheint Vie= len erst seit gestern einzuleuchten. Verharrt Öster= reich bei jener egoistischen Gesinnung, so sagen wir ihm die verderblichsten Folgen voraus — die zwiemal zahlreichere slavische Bevölkerung wird die deutsche, vom deutschen Bunde getrennte Bevölke= rung Österreichs, meistern und zu Boden drücken und Istrien und die adriatischen Häfen dürften ohne die mächtige Unterstützung des deutschen Bun= des für Osterreich ganz verloren gehen. Zu spät wird man alsdann die Urheber einer jämmerlichen Sonderpolitik verwünschen.“ In dieser Weise spricht sich eine Stimme in Nr. 116 der Augsburger Allgemeinen aus, und ich muß ihre Worte als den Ausdruck meiner Gesin= nung unbedingt unterschreiben. In einem größe= ren als dem oben bezeichneten Verhältnisse über wiegt die slavische und die nichtdeutsche Bevölke= rung die deutsche des Kaiserthumes Osterreich, des= sen Stammland, der lange glorreich behauptete Besitz der Babenberger urdeutsches Land ist. Und wir, die wir die Eingebornen dieses Landes sind, sollen uns ohne Rücksicht auf unsere deutschen Brü= der einer Politik ergeben, der es um ein starkes Kabinet, keineswegs um ein starkes Volk zu thun ist. Unterordnen! unterordnen! Ein starkes Öster= reich! Österreich über Alles! So rufen jetzt so viele ohne auch nur im Mindesten zu begreifen, was sie damit sagen. Gewisse Beamtenseelen schreien diese Frasen am Lautesten in die Welt hinaus — Die wissen freilich, was sie damit wollen: „das alte Joch, in dem sie früher so träge den alten Steig verfolgten und sich allabendlich satt fraßen.“ Weg mit ihrer schwarz und gelben Politik, sie trägt die Farbe des Todes (der Freiheit) und die des Neides. Man will uns von Deutschland tren= nen. Um welchen Preis sollen wir die Bruderschaft

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