Die Österreichische Eisenstraße

Innerberg und Vordernberg Die größere Bedeutung des lnnerberger Eisenreviers gegenüber dem Vordernberger Bereich besonders in bezug auf das Kleineisengewerbe ergab sich aus den besseren Absatzbedingungen. Das agrarisch ertrag– reiche Alpenvorland war wesentlich dichter besiedelt als die gebirgige Obersteiermark und benötigte daher mehr Produkte des Eisengewerbes in Landwirtschaft und Handwerk. Vor allem aber waren die Fernhandels– bedingungen durch die Wasserwege von Enns und Donau wesentlich günstiger als im Süden, wo man weitgehend auf die schlechten Straßen angewiesen blieb. 47 Märkte für Sensen Eine Besonderheit stellten die Absatzmärkte für die oö. Sensen dar, da diese Produkte wegen ihrer hohen Qualität besonders begehrt waren und in großen Stück– zahlen exportiert wurden (übrigens bis in die jüngste Vergangenheit): Bis ins 19. Jahrhundert war Deutsch– land ein wichtiger Absatzmarkt (dann wird dort die Ei– genproduktion bedeutend) . Probleme entstanden je– doch dadurch, daß die Marken der oö. Sensenschmie– de - Innungen sehr oft nachgemacht (gefälscht) wur– den und damit unlautere Konkurrenz durch deutsche Erzeuger entstand . Wichtige Verleger saßen z.B. in Nürnberg, Leipzig, Regensburg und Frankfurt. Ein weiterer bedeutender Markt war die Schweiz, der Handel lief über Basel, Zürich, Schaffhausen und Genf - auch dieser Markt verlor im 19. Jahrhundert an Be– deutung. Bis zum Beginn dieses Jahrhunderts beliefer– te Österreich Frankreich fast ausschließlich (über Frank– furt), auch die Niederlande und England gehören zu den Märkten für österreichische Sensen . Im 16. bis 18. Jahr– hundert gingen bedeutende Stückzahlen nach Ober– italien, aber auch nach Spanien . Polen war schon im 15. Jahrhundert ein wichtiges Absatzgebiet, Serbien, Bulgarien und die Türkei erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Handel nach Rußland setzte im 16. Jahrhundert ein, verstärkte sich im 18. Jahrhundert, wichtige Handelsplätze waren Kiew und St. Petersburg . Ende des 19. Jahrhunderts wurden oö. Sensen in gro– ßer Menge in die USA geliefert. Im 16. und 17. Jahrhundert gingen Produkte des Eisen– handwerks (Messer, Sensen, Nägel usw.) nach Böhmen, Mähren, Schlesien, Meißen , Sachsen, Brandenburg , Polen, Litauen, Rußland, Ungarn, Siebenbürgen, nach Venedig und von dort weiter in die Levante. DIE RAHMENBEDINGUNGEN Der Handel nach Norden wurde fast ausschließlich über Freistadt abgewickelt. Im Norden war der wichtigste Verlagsort Breslau. Im 18. Jahrhundert wurde der Donauweg nach Osten frei - Transporte gingen nach Belgrad , weiter nach Kiew und Moskau. Die Wasser– fracht war wesentlich billiger als die Landfracht über Breslau. Der Außenhandel erforderte eine gut funktionierende Organisation·. Sensen aus dem oberösterreichischen Raum, die nach Norden gingen , wurden auf Kosten der Sensenschmiedmeister bis Freistadt transportiert. Die Zahlung der Mauten in Steyr und Freistadt sowie der Fuhrlohn von Freistadt bis zum Bestimmungsort ging zu Lasten des Käufers. Vielfach wurden Sensen als Gegenfracht zu Waren geführt, die zu den Märkten - beispielsweise in Linz - gebracht wurden. Der Fracht– verkehr ab Freistadt wurde von schlesischen Fuhrleu– ten durchgeführt. Zwei Routen führten nach Osten/ Südosten: 1.: Mur - Drau - Donau , weiter mit Fuhrwerk nach Temesvar, in die Walachei und nach Kiew. 2.: Mur - Drau - Donau - Schwarzes Meer - Dnjepr aufwärts bis Kiew. Handelszentren waren Kiew und Nizym. Im 18. Jahrhundert gingen sehr große Stückzahlen in den Export. So wurden im Jahr 1720 allein über Re– gensburg 350 .000 Sensen nach Westen geliefert. Zwi– schen 1775 und 1780 gingen pro Jahr etwa 650.000 Sensen nur nach Rußland . 48 Römerstraßen und Saumpfade Die ursprünglichen Transportwege über Land waren Pfade und Saumwege, die meist über die Höhenrük– ken und Wasserscheiden hin verliefen, um die immer wieder überschwemmten Talniederungen zu meiden. 49 Die Römer5° errichteten ein Netz hochwertiger Straßen– verbindungen, wie etwa die „norische Straße". Sie ver– lief von Tarvis über den Plöckenpaß, Villach (ein Ast) weiter nach Virunum, Perchauer Sattel, Hohentauern, Liezen, Pyhrnpaß, Wels. Im Mittelalter wurden keine neuen Straßen gebaut, die römischen verfielen zum Teil. Erhalten blieben die Brücken, auch einige Flußüber– gänge wurden neu errichtet. In unserem Gebiet war ein wichtiger Übergang die Brücke über die Enns bei Lorch. Über die Donau gab es östlich von Regensburg im Hochmittelalter noch keine Brücken. Befestigte Stra– ßen boten im Verkehr über die Alpen gegenüber den 21

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