Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 35, April 1980

Die Geschichte beider Befestigungsanlagen sowohl der Ennsburg als auch der Styraburg ist eng mit den Überfällen der Ungarn verbunden . Die Ungarn , die Angst und Schrecken über unser Gebiet verbreiteten, waren selbst Ver– triebene, die dem Druck aus dem Osten nachgeben mußten. Der erste Zusammenstoß mit diesem Volk war im Jahre 881 apud Weniam, also bei Wien. Um das Ende des 9. Jahrhunderts fanden die Ungarn in der Tief– ebene an Donau und Theiß ihr Siedlungsgebiet und gleichzeitig die Basis für ihre weiteren Angriffe gegen den Westen. Ein nach der Zerstörung des Großmährischen Reiches gegen die Ungarn ausgesandtes bayerisches Heer wurde am 4. Juli 907 bei Preßburg gänz– lich vernichtet. Dieses traurige Ereignis ging als „bellum pessimum" in die damalige Geschichtsschreibung ein und bedeutete das endgültige Aus der Karolingischen Ostmark. Unsere Heimat wurde als Durch- und Aufmarschgeb iet bei allen diesen Überfällen schwer in Mitleidenschaft gezogen . So ging das 777 gegründete Kloster Kremsmünster in Flammen auf. Ob die „Styraburg" und „Ennsburg" dem Ansturm der Ungarn standhalten konnten, oder ob die Eindringlinge diesen befestigten Sitzen aus dem Wege gegangen waren, ist nicht bekannt. Am Laurentiustag des Jahres 955 wurde in der berühmten Lechfeldschlacht durch Otto den Großen den kriegerischen Einfällen der Ungarn ein dauern– des Ende bereitet. Nach dieser Zeit hatten neben der genannten Styraburg und Ennsburg schon weitere Befestigungen wie die Wieselburg , die Herilungoburg (das heutige Pöchlarn), die Ybbsburg und die Burg Melk bestand. Kirchlich gehörte unser Gebiet damals zum Bistum Passau. Bischöfe waren Adalbert (945 bis 971) und der schon genannte Pilgrim (971 bis 991 ). Dieser Pilgrim ist als Onkel Kriemhildens aus der Nibelungensage bekannt. Bei der Kirchenversammlung zu Mistelbach ließ Pilgrim die ihm bzw. der Passauer Kirche zehentpflichtigen Orte feststellen. In dieser Urkunde wird unter anderem berichtet, daß die Siedlungen Garsten, Styraburg usw. nach Sierning zehentpflichtig seien. Nachdem das Gebiet um Steyr schon zur Zeit der Raffelstettner Zollordnung aus dem Jahre 904 oder knapp nachher Besitz der steirischen Otakare geworden war, können wir mit Sicherheit annehmen, daß ein Vertreter dieses Geschlechtes als Erbauer der Styraburg in Frage kommt. Für sie kam für die Platzwahl neben der strategisch günstigen Lage die Nähe des Kreuzungspunktes wichtiger Straßen mit der extremen Grenzlage als ein weiteres Argument dazu. Ab 976 war nämlich das heutige Gebiet der Stadt Steyr ZyVeigeteilt und lag an drei politischen Gebilden . Der Bereich nördlich des Unterlaufes der Steyr gehörte zum bayerischen Traungau, also auch das damalige Steyr– dorf. Dagegen gehörte das Gebiet der jetzigen Altstadt mit der Styraburg zur steirischen Markgrafschaft. Ennsdorf befand sich noch in der Steier– mark, denn die Grenze zur babenbergischen Grenzmark Ostarichi , dem späteren Österreich unter der Enns, war erst der Ramingbach . 6

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