Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 35, April 1980

Ausklang Nach Aufhebung der ursprünglichen Widmung des Zölestinerinnenklosters fanden einzelne Teile des umfangreichen Komplexes vielfältige Verwendung. Die Adaptierung und Benützung des ehemaligen Kirchenschiffes als Theater war für die damaligen kulturellen Bestrebungen i11 der Stadt Steyr von zukunftswirkender Bedeutung. Noch in den achtziger-Jahren wurde die Bühnenausstattung eines Garstener Dilettantentheaters im Kirchenschiff zur Aufstellung gebracht. Die erste Vorstellung war am 7. Oktober 1789. Das Steyrer Theater gehörte dem– nach zu den ältesten Institutionen dieser Art in Österreich. Bis 1796 waren die technischen Einrichtungen für den Theaterbetrieb äußerst primitiv und daher nicht ausreichend. Mit Genehm igung des Kreis– amtes baute die Stadt im genannten Jahr die Kirche zum eigentlichen Theater um. Damals wurde die Bühne erhöht, die Theatermaschinerie ein– gebaut und der Zuschauerraum durch Logen und Galerie erweitert. Zur Realisierung dieses Projektes streckte die Stadt 800 Gulden vor. Die damaligen Steyrer Bürger bewiesen ihr kulturelles Interesse durch Geld– spenden und Überlassung von geeigneten Einrichtungsgegenständen. Auch Fürst Johann Nepomuk Friedrich vom Lamberg unterstützte den Theater– betrieb durch namhafte Legate. So fand auch die Eröffnung des neu gestal– teten Theaters am 16. Mai 1796, am Namenstag des Fürsten, mit der Auf– führung der Oper „Zigeuner" von N. Neefe statt. In den Jahren 1843 und 1844 sowie 1879 wurde das Theater erneuert und umgebaut. Nach siebzehn Jahrzehnten wechselvollen Theaterbetriebes wurde das Thea~ ter 1958 geschlossen; die Vorstellungen ab diesem Jahr im mit einem Büh· nenhaus ergänzten Volkskino durchgeführt. Nach weiteren zwei Jahrzehnten wird das erneuerte „alte" Stadttheater „am Berg" einen stimmungsvollen Rahmen für die verschiedensten kulturellen Aktivitäten bieten . Die an klangvollen Namen wie Schikaneder, Anzengruber usw. reiche Theatergeschichte Steyrs wäre es wert, von einem Fachmann wissenschaft– lich durchleuchtet und bearbeitet zu werden. 47

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