Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 35, April 1980

Das Kloster der Zölestinerinnen Im Jahre 1646 kamen die ersten Zölestinerinnen, sieben Matres und zwei Laienschwestern, unter der Führung der Priorin Maria Josefa in Steyr an. Damals hatte der 1604 zu Genua gegründete Frauenorden 47 Niederlas– sungen, zumeist in Italien und Frankreich (1 ). In Wien waren die Widerstände gegen diesen Orden so stark, daß Königin Eleonora vorschlug , eine Niederlassung in Steyr zu gründen. Sie kaufte daher ein großes Haus in der Eisenstadt „am Berg " nahe dem Schloß um eintausendneunhundert Gulden (2). Am 13. August 1646 traten die Klosterschwestern von Wien aus ihre Reise nach Steyr an, bis Mauthausen mit einem Schiff und dann auf dem lande. Am 20. August kamen sie in Steyr an, wo sie von Eleonora von Lothringen , der Witwe Ferdinand III. , und den hiesigen Jesuiten begrüßt wurden . Köni– gin Eleonora war weiterhin die größte Wohltäterin der Steyrer Zölestinerin– nen. Sie überließ dem Orden zum Unterhalt fünfzehntausend Gulden in barem Geld , zweitausend Gulden an Silbergeschmeide, eintausendfünf„ hundert Gulden in Viktualien und jährlich sechshundert Gulden. Eleonora starb am 27. Juli 1655. In ihrem Testamente vermachte sie noch weitere sechstausend Gulden als Meßstiftung (3) . Als weitere Benefiziaten des Klosters werden genannt: Erzherzog Leopold Wilhelm, der Bischof von Passau, die Grafen von Losenstein, Tilly und Harrach , und die Landstände in Linz (4). Zu den Wohltätern der neuen Stiftung zählten auch Bürger der Stadt Steyr, so vor allem Josef von Acht– markstein (5). Am 12. Oktober 1652 erhielten die Zölestinerinnen durch kaiserliches Dekret Steuerfreiheit zuerkannt, und die bisher aufgelaufenen Hausabgaben in der Höhe von fünfhundertneun Gulden mußten von der Stadt abge– schrieben werden. Mit Widerständen hatten die Nonnen zu kämpfen . Vor allem kamen sie mit den oö. Landständen in Konflikt, die die Zölestine– rinnen wieder von Steyr wegbringen wollten. Doch das Dekret vom 24. Mai 1652 nahm die Steyrer Niederlassung in kaiserlichen Schutz. Dem Landes– hauptmann und der Stadt Steyr wurde die Hilfeleistung aufgetragen (6). Nach dieser Maßnahme hatte der Orden in Steyr großen Zulauf. Im Jahre 1656 wurde das Wolfische Haus um eintausendeinhundert Gulden der klösterlichen Niederlassung einverleibt (7). Unter der Patronanz der Freifrau von Eyssin , deren Tochter in das Kloster eintrat, kauften die Nonnen das Hoffmannische Haus um 780 fl., auf dessen Grund später die Kirche erbaut werden sollte (Berggasse Nr. 10) (8). Freifrau von Eyssin stiftete weitere zwölftausend Gulden und desgleichen eintausend Gulden durch drei Jahre. Für Kloster und Kirche wurden die Areale des Hoffmannischen, des Anomäischen (oder Plautzischen) und des Wolfischen Hauses verwendet, die 1644 und 1655 angekauft worden waren 40

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