Veröffentlichungen des Kulturamtes, 1973

späteren Besuche in Steyr mit sich nach Wien genommen ; weiß Gott, wo sie hingekommen sein mag. Ferner setzte er ein kleines Festgedicht in Musik, wozu ich den Text lieferte und womit wir Vogl am 10. August 1819 zur Feier seiner Geburt überraschten. Paumgartner besaß eine Abschrift dieser Komposition, die aber nun in anderen, mir unbekannten Händen ist. Aus dem Jahre 1819 liegen noch zwei Autographe vor mir ; das eine : Vokalquartett, 2 Tenore, 2 Bassi, C-Dur, 6/8, Andantino, ,Ruhe, schönstes Glück der Erde’, April 1819, -— das andere : Vokalquintett, 2 Tenore, 3 Bassi, E-Dur, C Langsam, ,Nur wer die Sehnsucht kennt’, gleichfalls April 1819, die er nach Steyr mitgebracht hatte“. „Schuberts Quintour für Pianoforte, Violine, Viola, Cello und Kontrabaß mit den Variationen über seine .Forelle’ ist Ihnen wahrscheinlich bekannt. Er schrieb es auf besonderes Ersuchen meines Freundes Sylvester Paumgartner, der über das köstliche Liedchen ganz entzückt war. Das Quintour hatte nach seinem Wunsche die Gliederung und Instrumentierung des damals noch neuen Hummelschen Quintettes, recte Septuors, zu erhalten. Schubert war damit bald fertig, die Sparte behielt er selbst, ich besorgte die Auflagstimmen und schickte sie an Paumgartner nach Steyr. (N. B. Was ich nach so langer Zeit nicht mehr gewiß weiß, streiche ich lieber ab.)“23) „Er (Paumgartner) war der Freund meines bereits im Jahre 1801 hingeschiedenen Vaters und von meiner Jugend an auch mein Freund und großer Gönner und ein Mäzen der Tonkünstler im vollsten Sinne des Wortes. Vermöglich und unverehelicht, bewohnte er sein eigenes Haus ganz allein, ohne eine Mietpartei. Der erste Stock enthielt seine Wohnung mit einem eigenen dekorierten Musikzimmer für fast tägliche Übungen und kleinere Abendgesellschaften. Im zweiten Stock befand sich ein mit Emblemen der Kunst geschmückter Salon für die größeren und zahlreich besuchten Produktionen um die Mittagszeit. In diesen Räumen entzückten uns zumeist im Jahre 1819 Schuberts und Vogls Töne, die aber der gute Paumgartner von dem letzteren, der nicht immer gleich gelaunt und disponiert war, nicht selten gleichsam erbetteln mußte. Da hätte man sozusagen eine Stecknadel fallen hören ; Paumgartner litt auch nie irgend eine Unruhe während der Musik. Dafür wurden aber die Gäste an den Abenden nach der Produktion in jeder Beziehung reichlich entschädigt. Ein großer Musikalienkasten barg einen wahren Schatz von klassischen und zum Teil auch modernen Werken. Jeder echte Tonkünstler und Musikfreund fand in seinem Hause Zutritt, freundliche Aufnahme und oft noch mehr. Ich habe diesem seltenen Manne ein Blatt der Erinnerung und Dankbarkeit in der .Warte an der Donau’ (Linz 1841, No. 203) auf das Grab gelegt, wovon icht aber leider kein Exemplar besitze, um es Ihnen mitzuteilen. Im Hause des Kaufmannes Josef von Koller wurde der Muse nur alla camera gehuldiget, und zwar in der Regel abends nach einem geselligen Spaziergange oder vollbrachtem Tages23) Deutsch, Schubert, Erinnerungen, S. 126. — Im Original ist der Satz ........ich besorgte die Auflagstimmen und schickte sie an Paumgartner nach Steyr“ durchgestrichen. 13

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