Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 25, Dezember 1964

Für die Landesverteidigung ließen die Stände vorerst im Lande 600 Mann anwerben, von denen die landesfürstlichen Städte 100 Mann aufzubringen hatten.-?) Zwei Monate später, im September 1663, bot die Landesregierung jeden 5. Mann für die unter Umständen notwendige Verteidigung auf,* 28 29 * 31 32 * ) in Steyr waren dies 167 männliche Bewohner.2«) Im gleichen Monate wurden die Grenzabschnitte besetzt, 300 Soldaten des Regimentes Montfort wurden in die Freistädter Gegend beordert, die im Lande ob der Enns Geworbenen nach Leonfelden und Haslach verlegt. Zum militärischen Kommandanten wurde Graf Harrach mit einem Monatssolde von 400 Gulden bestellt.3») Die in Steyr Aujgerusenen waren nur für die Verteidigung der Stadt ausersehen und wurden angewiesen, dem Landesfürsten die Treue zu halten.84) Als für die Landesverteidigung bestellter faiferlic^er Kommissar überprüfte Heinrich Wilhelm Graf von Starhemberg am 1. Ottober 1663 die Bewaffnung der Bürgerschaft. Er wurde mit seiner Begleitung im damaligen Gasthofe Aichholzer (heute Stadtplatz 14) auf Kosten der Stadt untergebracht.82) Vorsorglich wurden nur Maßnahmen getroffen, um die Gewinnung von Rohmaterial für die Pulvererzeugung zu sichern. Auf ein kaiserliches Patent hin, erlaubte der Rat am 6. Juli 1663, daß in Ställen und Stadeln Steyrs, die durch die natürlichen Ausscheidungen von Tieren stark mit Salpeter angereicherte Erde abgegraben würde, um daraus den begehrten Stoff zu gewinnen.88) In der benachbarten Steiermark rüstet man ernsthaft, um das Land verteidigen zu können, berichtet Obervorgeher Prenner am 20. Juni 1663 dem Magistrate. Der 30. und 20. Mann sei aufgeboten worden und hätte sich am 4. Juli in Graz zu stellen. Da hievon auch die Hauptgewerkschaft betroffen wäre, die 13 Mann zu entsenden hätte und für deren Unterhalt sie angewiesen worden war, 150 Gulden beizuschießen, sehe sich Prenner veranlaßt, von dieser Maßnahme Kenntnis zu ge6en.34 35) Die Kämpfe wogten hin und her, bis es einem kaiserlichen, durch Reichstruppen und Franzosen verstärkten Heer unter General Montecuccoli gelang, am 1. August 1664 über die vom Großwesir befehligte türkische Hauptarmee bei Mo- gersdorf in der Nähe von St. Gotthard an der Raab, einen entscheidenden Sieg zu erringen. In der Folge wurde zwischen Kaiser Leopold und der Pforte ein auf zwanzig Jahre befristeter Friedensvertrag geschlossen. Im Vertrage wurde dem Kaiser auch das Recht eingeräumt, am Flusse Waag (Ungarn) eine Festung erbauen zu lassen. Zum Bau der Festung, die später den Namen Leopoldstadt erhielt, wurden auf Grund einer Regierungsverordnung im ganzen Lande Handwerker angeworben, so auch in Steyr.88) Das Handwerk der Steinmetzen und Maurer mußte dem Magistrate jedoch am 9. April 1670 berichten, daß sich „hiefür niemand gebrauchen lassen wolle", trotzdem man sich sehr bemüht habe, Arbeitskräfte zu gewinnen und sogar an die der Steyrer Handwerkslade inkorporierten Maurer der Orte Kirchdorf und Gmunden geschrieben hatte. Der Magistrat wurde daher um Assistenz gebeten, damit die auf Grund des kaiserlichen Befehles benötigten Maurer stellig gemacht werden könnten. Der Handwerkszunft wurde mitgeteilt, daß sich auch in Linz dieselbe „widersessigkeit" gezeigt hatte. Uber Befehl des 2?) RP 1663, 174, 181, 192. 28) RP 1663, 197. 29) RP 1663, 202. so) RP 1663, 201» 31) RP 1663, 198. 32) RP 1663, 207. 83) RP 1663, 165. — Auch Maria Theresia ließ während der Schlesischen Kriege zum Zwecke der Salpetergewinnung in den Kasernen riesige Bottiche aufstellen, in die die Soldaten ihre Notdurft zu verrichten hatten. 34) RP 1663, 136. ' 35) RP 1670, 99. 7

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