Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 25, Dezember 1964

Im Jahre 1680 verschied der Bürgermeister, der noch bis zu seinem Tode als Mitglied des Inneren Rates tätig toar.95) Seine letzte Ruhestätte fand er in einer Seitenkapelle der Kirche des Dominikanerordens (jetzt Marienkirche). Vor der heutigen Josefskapelle ist im Boden der schon stark abgetretene Gruftdeckel mit dem Luckhnerwappen eingelassen, an einer Wand steht man noch ein Epitaph mit der Inschrift „Luckhnerische Begräbnus". Ein Wcihnachtsbild mit den Initialen L M und seinem Wappen stiftete der Bürgermeister dieser Kirche im Jahre 1669. Es hängt an der Rückwand der heutigen Petrus-Canisius-Kapelle.99) Die Tochter des Bürgermeisters, Anna Maria, war mit dem 1684 verstorbenen Sohne9?) des langjährigen Steyrer Stadtschrcibers Vogt von Vogtberg, Franz Leonhard, vermählt. Sie ist deshalb erwähnenswert, weil sie sich als eine der wenigen dichtenden Frauen des 17. Jahrhunderts einen bedeutenden Namen schuf. Unter dem Namen Albania war sie Mitglied des Pegnitzer Blumenordens, einer 1664 in Hamburg gegründeten Sprachgesellschaft; sie verkehrte auch in den literarischen Kreisen am Hofe Leopolds I. Ihr einziger Sohn, Maximilian Ernst, der im kaiserlichen Regiment Schärffenbcrg als Volontär diente, fiel bei der Belagerung von Ofen.98) 95) RP 1680, 106. ") LV 13. 67. 97j RP 1684, 166. —• Im Jänner 1691 teilte der Landeshauptmann betn Magistrate mit, daß „Jhro Gnaden Fr: Anna Maria von Vogtbcrg. . . durch diploma Lu einer Freyin (Bahronehsa von Weißenseldt) erhoben vnnd Jhro der titul Wohl geborn Zuegelegt worden she . . ." (RP 1691, 12). 98) LV 6, 191. Gregor Schinnerer von Schinnern (1678—1687) Sehr ausführlich wird in einem Wahlbuch der technische Vorgang bei den Bürgermeister-, Richter- und Ratswahlen des Jahres 1677 beschrieben. Nachdem die kaiserlichen Wahlkommissäre, Landeshauptmann Graf Weißenwolff und Vizedom Anton Eckhardt von der Thann, in Begleitung des Landschreibers, Religions- resormations- und Regierungssekretärs Michael Anton Engl, am Morgen des 16. Februar 1677 einer Messe beigewohnt hatten, begaben sich ins Rathaus, in die „ordinari Rathsstuben". Hier wurde den versammelten Herren des Magistrates durch Landschreiber Engl mitgetcilt, daß die Wahlkommissare entschlossen wären, die Wahl des Stadtrichters vorzunehmen. Die Ratsmitglieder antworteten hierauf „gehorsamblich, daß zu solcher Wahl vornembung ainiges Bedenkhen nit obhandten, sondern der Magistrat in allen gehorsamben Vollzug laisten werde". In der „Burgerstuben" hatten inzwischen vor den anwesenden wahlberechtigten Bürgern, Stadtrichter Windtersperg und Bürgermeister Luckhner ihre Ämter niedergelegt. Die Wablkommissäre und der Landschreiber begaben sich hierauf in die „Claine Rathsstuben", wo sie die Stimmen der Bürger „aufnamben" und anschließend Luckhner und Windtersperg Beauftragten, ihre bisher innegehabten Ämter bis zum Einlangen der Wahlbestätigung des Kaisers weiter zu versehen. Der Bürgerschaft wurde anbefohlen, den Vorgenannten weiterhin „allen schuldigen respect vnnd gehorsamb zuerzaigen". Am folgenden Tage, dem 16. Februar, wurde der Bürgermeister durch die Mitglieder des Inneren Rates gewählt. Jedes Mitglied dieser Körperschaft gab einzeln, und mündlich bei den Kommissaren seine Stimme ab. Nach diesem Vorgänge erfolgte die Wahl vakanter Ratssitze durch die Mitglieder des Äußeren Rates. Erst am 9. Mai 1678 langte die kaiserliche Wahlbestätigung ein. Der neue Bürgermeister, Gregor Schinnerer, wurde für den 18

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